Phishing 2025: 382.470 Fälle und 289 Mrd. Euro Schaden
24.06.2026 - 13:27:21 | boerse-global.de
In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen schlugen Täter in den vergangenen Tagen gleich mehrfach zu. Besonders perfide: Sie erbeuten nicht nur Bargeld, sondern vor allem Debitkarten – und heben damit zeitnah hohe Summen ab.
In Lindhorst entwendete ein Unbekannter am 22. Juni die Geldbörse einer 64-Jährigen direkt aus dem Einkaufswagen. Mit der gestohlenen Karte hob er rund 1.000 Euro ab. Ein ähnlicher Fall ereignete sich bereits am 18. Juni in Bielefeld. Dort lenkte eine Komplizin eine Seniorin ab, während die Geldbörse aus der Handtasche am Einkaufswagen verschwand.
Wann Bankkunden haften – und wann nicht
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Nach einem Diebstahl stellt sich für Betroffene die entscheidende Frage: Wer zahlt? Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 22. Juli 2025 gibt klare Antworten. Demnach müssen Zahlungsdienstleister unautorisierte Zahlungen grundsätzlich erstatten. Eine Ausnahme gilt nur bei grober Fahrlässigkeit des Kunden.
Wann wird es kritisch? Wer die PIN gemeinsam mit der Karte aufbewahrt oder den Verlust nicht sofort sperren lässt, haftet unter Umständen selbst. Die Polizei empfiehlt daher die Nutzung des KUNO-Systems. Es meldet die Sperrung auch an den Einzelhandel und verhindert so Lastschriftzahlungen, die der Banknotruf 116 116 oft nicht blockiert.
Neue Betrugsmaschen: Von der 1-Cent-Falle bis zum falschen Bankmitarbeiter
Der physische Diebstahl ist nur eine Seite der Medaille. Digitale und telefonische Betrugsversuche nehmen rasant zu. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte für 2025 insgesamt 382.470 Phishing-Fälle. Der wirtschaftliche Gesamtschaden durch Cyberkriminalität liegt laut Bitkom bei rund 289 Milliarden Euro.
Besonders tückisch ist die 1-Cent-Masche: Betrüger überweisen Kleinstbeträge, prüfen so die Kontoaktivität – und buchen dann unberechtigt Lastschriften für angebliche Abonnements ab. Auch falsche Bankmitarbeiter bleiben eine Gefahr. Mitte Juni nahm die Polizei in Marburg einen 26-jährigen Abholer fest. Komplizen hatten sich am Telefon als Bankmitarbeiter ausgegeben und eine Seniorin zur Preisgabe ihrer Daten bewegt.
Die Sparkasse Magdeburg warnt eindringlich: Echte Bankmitarbeiter fragen nie telefonisch nach PIN oder Zugangsdaten. Und sie schicken auch niemanden zur Abholung von Karten nach Hause.
KI-gestützte Angriffe: Die Erfolgsquote steigt drastisch
Die Zeiten einfacher Phishing-Mails sind vorbei. Künstliche Intelligenz macht Betrugsversuche deutlich gefährlicher. Laut aktuellen Analysen liegt die Erfolgsquote von KI-gestützten Attacken bei bis zu 54 Prozent. Zum Vergleich: Klassische Angriffe schaffen nur etwa 12 Prozent.
Auch QR-Code-Betrug – sogenanntes Quishing – nimmt zu. Gefälschte Domains im Umfeld von Rabattaktionen großer Online-Händler locken Verbraucher in die Falle. Ein kurzer Scan, schon landen sensible Finanzdaten bei Kriminellen.
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So schützen Sie sich vor finanziellen Verlusten
Die wichtigste Regel: Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge. Unbekannte Buchungen sollten Sie umgehend Ihrem Kreditinstitut melden. Bei Lastschriften haben Sie in der Regel acht Wochen Zeit für eine Rückbuchung. Bei unautorisierten Abbuchungen kann diese Frist sogar bis zu 13 Monate betragen.
Die Polizei rät zudem zur Vorsicht im Alltag: Lassen Sie Ihre Geldbörse nie unbeaufsichtigt im Einkaufswagen. Und notieren Sie die PIN niemals auf der Karte oder in deren unmittelbarer Nähe.
