Phantom Deal: Betrüger erbeuten 626.735 Euro via WhatsApp
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 04:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher des Unternehmens Gen haben eine Betrugskampagne mit dem Namen „Phantom Deal" aufgedeckt, bei der sich Angreifer als Führungskräfte ausgaben, um eine Überweisung von 626.735,45 Euro nach Hongkong zu erschleichen. Die Kampagne, über die Gen (bekannt für die Marken Norton und Avast) am 2. September berichtete, richtete sich zunächst gegen einen eigenen Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung.
Gefälschte NDAs und Wechsel auf private Kanäle
Nach Angaben von Gen gingen die Täter methodisch vor: Sie gaben sich zunächst als Unternehmensführungskräfte aus und drängten ihre Zielperson – im internen Bericht als „David" bezeichnet – dazu, die Kommunikation von offiziellen Firmenkanälen auf WhatsApp und persönliche E-Mail-Adressen zu verlagern.
Untermauert wurde die Täuschung durch gefälschte Vertraulichkeitsvereinbarungen (NDAs), die einen vermeintlichen M&A-Deal glaubhaft erscheinen lassen sollten. Auf dieser Basis forderten die Angreifer schließlich die Überweisung von 626.735,45 Euro auf ein Konto in Hongkong.
Die Zahlungsaufforderung selbst war professionell aufbereitet und enthielt laut Gen sowohl eine SWIFT-MT103-Nachricht als auch eine UETR-Kennung – Details, die in betrügerischen Überweisungsaufforderungen für zusätzliche Glaubwürdigkeit sorgen sollen.
Fünf Zielpersonen identifiziert
Gen identifizierte im Zuge der Untersuchung neben dem ursprünglichen Ziel vier weitere Personen, die von derselben Kampagne angesprochen wurden. Insgesamt geht es damit um mindestens fünf betroffene Zielpersonen.
Nach einem Bericht von Dark Reading vom 3. September fiel der Betrugsversuch bei Gen letztlich auf, weil ein Mitarbeiter eine Abweichung in der Stimme des vermeintlichen Anrufers bemerkte – ein Hinweis, der die gesamte Täuschung ins Wanken brachte.
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Gen verfolgte die Angreifer zurück
Statt die Angelegenheit ausschließlich intern zu behandeln, ging Gen den Angreifern aktiv nach: Über eine gefälschte Bestätigungs-E-Mail gelang es dem Unternehmen laut Dark Reading, den Tätern nachzuspüren und weitere Erkenntnisse über die Struktur der Kampagne zu gewinnen. Genaue Angaben darüber, wer hinter „Phantom Deal" steckt, wurden in den vorliegenden Berichten nicht genannt.
Muster passt zu wachsender Bedrohung durch CEO-Betrug
Die aufgedeckte Kampagne reiht sich in ein Betrugsmuster ein, das Sicherheitsforscher als Weiterentwicklung klassischer „CEO-Fraud"-Angriffe einordnen: Anstelle einfacher gefälschter E-Mails setzen Angreifer zunehmend auf mehrstufige Täuschungen, die Messenger-Dienste wie WhatsApp, gefälschte Rechtsdokumente und scheinbar authentische Zahlungsdetails wie SWIFT-Codes kombinieren.
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Der Wechsel von offiziellen Unternehmenskanälen auf private Kommunikationswege gilt dabei als zentrales Warnsignal, da er Kontrollmechanismen von Unternehmen gezielt umgeht.
Für Unternehmen bedeutet der Fall vor allem eines: Mitarbeiter in sensiblen Positionen – etwa in Rechts- oder Finanzabteilungen – sollten bei Aufforderungen zum Kanalwechsel und bei ungewöhnlich hohen, zeitkritischen Überweisungen besondere Vorsicht walten lassen, selbst wenn Dokumente wie NDAs oder Zahlungsbelege auf den ersten Blick professionell wirken.
