Phagentherapie, DGI

Phagentherapie: DGI legt erste offizielle Leitlinie mit 60 Empfehlungen vor

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DGI ordnet Phagen als ergänzende Option bei unwirksamen Antibiotika ein und warnt vor unkontrollierten Präparaten.

DGI veröffentlicht erste Leitlinie zur Phagentherapie mit 60 Empfehlungen
Ein steriler Labortisch mit einer Petrischale in einem hellen, klinischen Umfeld ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung bakterieller Infektionen steht durch die Zunahme von Antibiotikaresistenzen vor großen Herausforderungen. In diesem Kontext hat die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) eine erste offizielle Leitlinie zur Phagentherapie vorgelegt.

Die in einem Bericht vom 29. September 2026 thematisierte Richtlinie umfasst 60 spezifische Empfehlungen und wurde unter der Federführung der Fachgesellschaft erarbeitet. Sie definiert die Phagentherapie als eine ergänzende Behandlungsoption für Fälle, in denen herkömmliche Antibiotika keine therapeutische Wirkung mehr zeigen.

Interdisziplinäre Standards für die Anwendung

Die neue Leitlinie unterstreicht die Notwendigkeit einer engen fachübergreifenden Zusammenarbeit. Demnach müsse die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten sowie den spezifischen Erreger zugeschnitten werden.

Entscheidungen über den Einsatz von Phagen sollten laut den Empfehlungen ausschließlich durch interdisziplinäre Teams getroffen werden, die sich aus Ärzten, Mikrobiologen und Pharmazeuten zusammensetzen. Damit wird der Komplexität der Therapie Rechnung getragen, die eine präzise Abstimmung zwischen den biologischen Wirkstoffen und dem bakteriellen Infektionsherd erfordert.

Jan Rupp vom Uniklinikum Schleswig-Holstein sieht das wesentliche Einsatzgebiet der Phagentherapie vor allem bei Patienten, die mit multiresistenten Erregern infiziert sind. In diesen Fällen bieten die bakteriellen Viren, die gezielt spezifische Bakterienstämme angreifen, eine Alternative zur konventionellen Pharmakotherapie.

Klinische Potenziale und wissenschaftliche Einordnung

Trotz der neuen Richtlinien warnen Fachleute vor überzogenen Erwartungen. Die Hauptautorin der Leitlinie, Silvia Würstle vom Uniklinikum Frankfurt, gab zu bedenken, dass Phagen keine Wunderwaffen seien. Die Wirksamkeit wird jedoch durch klinische Daten gestützt.

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So verwies Würstle auf eine belgische Untersuchung von 100 aufeinanderfolgenden Fällen, in denen bei etwa 70 Prozent der Patienten eine klinische Verbesserung erzielt werden konnte. Diese Zahlen verdeutlichen das Potenzial der Methode, zeigen aber gleichzeitig, dass ein Behandlungserfolg nicht in jedem Fall garantiert ist.

Risiken und therapeutische Grenzen

Ein zentraler Aspekt der wissenschaftlichen Analyse betrifft die Nebenwirkungen und die Stabilität der Therapie. Bei der Anwendung könne es laut der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie zu Fieber und Entzündungsreaktionen kommen. Diese Symptome seien auf den schnellen Zerfall der Bakterien zurückzuführen, wodurch verstärkt Toxine im Körper freigesetzt werden können.

Ein weiteres Problem stellt die biologische Anpassungsfähigkeit der Zielorganismen dar. Annika Yanina Claßen von der Uniklinik Köln wies darauf hin, dass regelmäßig beobachtet werde, wie Bakterien Resistenzen gegen die eingesetzten Phagen ausbilden. Dieser Prozess erschwert eine langfristige therapeutische Planung und erfordert eine kontinuierliche Überwachung der Erreger.

Warnung vor unkontrolliertem Medizintourismus

Neben den medizinischen Risiken thematisiert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie auch die Gefahren durch unregulierte Angebote. Die Fachgesellschaft warnte ausdrücklich vor dem Erwerb von Phagenprodukten über das Internet sowie vor ungesichertem Medizintourismus.

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Da die Qualität und Zusammensetzung solcher Präparate oft nicht kontrolliert werden könne, bestehe ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Patienten. Die Veröffentlichung der 60 Empfehlungen soll dazu beitragen, die Therapie in einen kontrollierten, wissenschaftlich fundierten Rahmen zu überführen und Patienten vor zweifelhaften Angeboten zu schützen.

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