Phagentherapie, Verbesserung

Phagentherapie: 75% Verbesserung der Lungenfunktion bei Mukoviszidose

18.06.2026 - 11:25:50 | boerse-global.de

Bakteriophagen verbessern bei 75% der Behandlungen die Lungenfunktion von Mukoviszidose-Patienten. Ein Review fasst die Daten zusammen.

Phagentherapie: Neue Hoffnung bei Mukoviszidose-Infektionen
Phagentherapie - Mikroskopische Darstellung von Bakteriophagen, die Bakterienzellen in Lungengewebe angreifen, symbolisiert Phagentherapie bei Mukoviszidose. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein aktueller Review zeigt vielversprechende Ergebnisse.

Weltweit sterben Schätzungen zufolge bis 2050 rund 39 Millionen Menschen an multiresistenten Keimen. Experten sprechen Mitte Juni 2026 von einer „stillen Pandemie". Besonders gefährdet: Menschen mit Mukoviszidose (zystische Fibrose), deren Lungen chronisch infiziert sind.

Klinische Daten belegen Wirksamkeit

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Ein systematischer Review von Terlizzi et al. im International Journal of Infectious Diseases fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen. Die Analyse umfasst 19 Studien mit 51 Patienten und 52 Phagenbehandlungen. Schwerpunkt: die Bekämpfung von Pseudomonas aeruginosa – einer der problematischsten Erreger bei chronischen Lungenerkrankungen.

Die Ergebnisse sind vielversprechend. In rund 69 Prozent der Fälle sank die Bakterienmenge deutlich. Noch wichtiger: Bei etwa 75 Prozent der Behandlungen verbesserte sich die Lungenfunktion, gemessen am FEV1-Wert (Einsekundenkapazität).

Auch die Sicherheit überzeugt: 41 von 52 Behandlungen verliefen ohne erkennbare Nebenwirkungen. Zwei schwerwiegende Ereignisse dokumentierten die Autoren – ein direkter Zusammenhang mit der Therapie blieb jedoch unklar. Die Forscher fordern nun größere, standardisierte Studien, um die Evidenzbasis zu verbreitern.

Diabetes als Begleiterkrankung im Fokus

Neben der Infektionskontrolle rückt die Behandlung von Komorbiditäten in den Vordergrund. Besonders der Mukoviszidose-bedingte Diabetes (CFRD) betrifft laut Deutschem Mukoviszidose-Register (2025) fast 50 Prozent der Patienten über 50 Jahre.

Eine neue S2k-Leitlinie (AWMF 020-038), veröffentlicht Mitte Juni 2026, soll die Diagnostik und Therapie optimieren. Erstellt unter Federführung des Mukoviszidose Instituts und des Mukoviszidose e.V., betont sie die enge Vernetzung zwischen CF-Teams und Diabetologen. Bei steigender Lebenserwartung gilt diese Zusammenarbeit als entscheidend für die Langzeitprognose.

EU will Biotech-Standort stärken

Die Entwicklung innovativer Therapien hängt stark von regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Im Juni 2026 einigten sich die EU-Gesundheitsminister auf eine gemeinsame Position zum Biotech Act I. Ziel: Bürokratie abbauen und Regeln für genetisch veränderte Mikroorganismen (GMM) anpassen.

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Umstritten bleibt der Marktschutz. Spanien fordert eine Ausweitung, um die Abwanderung von Biotech-Unternehmen zu verhindern. Malta und Estland warnen dagegen vor steigenden Gesundheitskosten.

Parallel fördert die Bundesregierung konkrete Projekte. Das Projekt MATTIE der Technischen Hochschule Mittelhessen erhält rund 2,6 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel ist es, industrielle Herstellungsverfahren für Zell- und Gentherapeutika zu verbessern – und damit hochspezialisierte Therapien für mehr Patienten zugänglich zu machen.

Die Phagentherapie hat das Potenzial, resistente Infektionen bei Mukoviszidose zu behandeln. Ob sie den Durchbruch schafft, hängt von standardisierten Studien und attraktiven regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa ab.

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