Phagen-Therapie, Verbesserung

Phagen-Therapie: 77% klinische Verbesserung bei multiresistenten Infektionen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DGI schafft mit über 60 Empfehlungen erstmals verbindliche Orientierung für Diagnostik, Herstellung und Einsatz personalisierter Phagenbehandlungen.

Neue S2k-Leitlinie ordnet personalisierte Phagentherapie
Nahaufnahme von sterilen Laborgefäßen in einer klinischen Umgebung, die eine wissenschaftliche Forschungsatmosphäre vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Bakteriophagen-Therapien gelten seit Jahren als vielversprechender Ansatz gegen Infektionen mit multiresistenten Keimen, blieben aber lange ein Nischenverfahren ohne einheitliche Standards. Mit einer neuen S2k-Leitlinie liegt nun erstmals ein strukturierter Rahmen für den klinischen Einsatz personalisierter Phagentherapie vor.

Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hat das Dokument im AWMF-Rahmen entwickelt; zeitgleich erschien es als Konsensuspapier in der Fachzeitschrift Nature Medicine, wie aerzteblatt.de berichtete.

Breite fachliche Basis

An der Erarbeitung waren laut nature.com 20 Fachgesellschaften, Patientenvertretungen und Behörden sowie 18 internationale Experten beteiligt. Die Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (dzif.de) präzisiert, dass darunter auch zwei Patientenvertretungsorganisationen waren.

Herausgekommen ist ein Papier mit mehr als 60 praxisorientierten Empfehlungen, die Kernprinzipien, Infrastruktur, Herstellung, Qualitätskontrolle, konkrete Anwendung sowie künftigen Forschungsbedarf abdecken.

Die Empfehlungen wurden nach einer vierstufigen Konsensstärke-Skala bewertet – von starkem Konsens (mehr als 95 Prozent Zustimmung) über Konsens (mehr als 75 bis 95 Prozent) und Mehrheit (mehr als 50 bis 75 Prozent) bis hin zu fehlendem Konsens (bis zu 50 Prozent). Die Leitlinie ist laut nature.com vom 5. Januar 2026 bis zum 29. Juni 2030 gültig und soll jährlich auf Aktualisierungsbedarf geprüft werden.

Einsatz nur als letzte Option

Die Leitlinie richtet sich, wie aerzteblatt.de berichtete, an Situationen, in denen evidenzbasierte Standardtherapien versagt haben, nicht verfügbar oder nicht anwendbar sind. Sie macht Vorgaben zur Indikationsstellung, zur erforderlichen mikrobiologischen Diagnostik sowie zu Qualitätsstandards für Herstellung, Prüfung und Anwendung der Phagenpräparate.

Die Therapieentscheidung soll interdisziplinär getroffen werden, Behandlungsverläufe sind systematisch zu dokumentieren. Laut pharmazeutische-zeitung.de richtet sich das Dokument an Ärztinnen und Ärzte, die Erwachsene und Kinder mit bakteriellen Infektionen behandeln, und sieht vor, dass die Herstellung der Präparate in Apotheken erfolgen soll.

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Wirksamkeit belegt, aber begrenzt

Hauptautorin Silvia Würstle vom Universitätsklinikum Frankfurt betonte laut pharmazeutische-zeitung.de, Phagen seien keine Wunderwaffen – nur sehr wenige Studien belegten bislang ihre Wirksamkeit.

Als Datenbasis verweist die Leitlinie auf eine belgische Fallserie mit 100 behandelten Personen: Laut dzif.de zeigte sich bei 77 Prozent eine klinische Verbesserung, bei 61 Prozent waren die betreffenden Bakterien anschließend nicht mehr nachweisbar.

Würstle selbst bezifferte die klinische Verbesserung in der belgischen Untersuchung von 100 aufeinanderfolgenden Fällen gegenüber der pharmazeutische-zeitung.de auf ungefähr 70 Prozent – eine Abweichung, die die Unsicherheiten bei der Interpretation solcher Beobachtungsdaten unterstreicht.

Erste Anwendungen in Deutschland

Dass die Leitlinie bereits praktische Wirkung entfaltet, zeigt ein Beispiel aus der Universitätsmedizin Frankfurt: Dort wurden laut dzif.de seit Februar 2026 zehn Patientinnen und Patienten leitliniengerecht behandelt, unter anderem mit Phagen gegen die Erreger Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus.

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Solche Fälle dürften zeigen, wie die neuen Standards den Übergang von experimentellen Einzelfallanwendungen zu einer kontrollierten, dokumentierten Therapieform in deutschen Kliniken erleichtern sollen.

Angesichts der wachsenden Zahl antibiotikaresistenter Infektionen wird die Leitlinie als Grundlage dafür gesehen, personalisierte Phagentherapien künftig strukturierter und sicherer in die Versorgung zu integrieren – wenn auch, wie Würstle betont, weiterhin als Option für ausgewählte Fälle und nicht als generelle Alternative zu etablierten Antibiotika.

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