Pflegeroboter-Boom, Vorbestellungen

Pflegeroboter-Boom: 13.000 Vorbestellungen für UBTECH U1

02.07.2026 - 23:43:08 | boerse-global.de

FAU und Fraunhofer erforschen Roboter-Pflegehilfe. Erste Serienmodelle wie UBTECHs UWORLD U1 und der KOIBOT ROLA kommen auf den Markt.

Pflegeroboter: FAU-Projekt und neue Serienmodelle im Überblick
Pflegeroboter-Boom - Ein humanoider Roboter hält sanft die Hand eines älteren Patienten in einer modernen Gesundheitseinrichtung, symbolisiert KI in der Altenpflege. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein neues Forschungsprojekt der FAU Erlangen-Nürnberg und des Fraunhofer IIS will das praktische Wissen erfahrener Pflegekräfte für humanoide Roboter nutzbar machen. Die Daimler und Benz Stiftung fördert das Vorhaben mit 1,5 Millionen Euro.

Wenn die Erfahrung geht, bleibt das Wissen

Der Fachkräftemangel in der Pflege spitzt sich dramatisch zu. Schätzungen zufolge könnten bis 2050 in Deutschland zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen. Besonders schmerzhaft: Wenn langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, verschwindet ihr praktisches Erfahrungswissen – jene Handgriffe und Techniken, die in keinem Lehrbuch stehen.

Die Forscher setzen deshalb auf eine ungewöhnliche Methode: Spezielle Körpersensoren zeichnen die präzisen Bewegungsabläufe erfahrener Pfleger auf. Diese Daten fließen in humanoide Roboter, die damit angehende Pflegekräfte trainieren und im Pflegealltag unterstützen können.

Massenproduktion für den Pflegemarkt

Während die Wissenschaftler noch forschen, drängen die ersten Hersteller mit Serienmodellen auf den Markt. UBTECH hat diese Woche in Shenzhen die UWORLD U1 Serie vorgestellt – nach Unternehmensangaben der erste vollwertige, in Massenproduktion gefertigte ultra-bionische Roboter.

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Die U1-Reihe umfasst die Modelle Lite, Pro und Ultra. Mit 88 Freiheitsgraden und einem emotionserkennenden Sprachmodell soll das System mehr als 20 emotionale Zustände mit über 90-prozentiger Genauigkeit erkennen. Über 13.000 Vorbestellungen liegen bereits vor, die Auslieferung beginnt am 16. September. Zielgruppe: die rund 118 Millionen alleinlebenden Senioren in China, denen der Roboter Medikamentenerinnerungen geben, Stress erkennen und Gesellschaft leisten soll.

Auch in Japan tut sich etwas: Reon Robotics hat am 2. Juli 2026 den KOIBOT ROLA auf den Markt gebracht. Die Roboter verfügen über eine emotionale Dialog-KI mit Langzeitgedächtnis. Der Verkauf startet über eine Crowdfunding-Kampagne, angeboten werden Halb- und Vollkörper-Versionen mit Unterstützung für Japanisch und Englisch.

Erste Erfolge im Pflegealltag

In den USA helfen spezialisierte Robotersysteme bereits heute in Kliniken und Privathaushalten. Der Stretch 4 von Hello Robot – liebevoll „Robbie" genannt – unterstützt Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata und Demenz. Das vom National Institute on Aging finanzierte System führt Übungen an, holt Wasser und gibt pflegenden Angehörigen so mehr Freiraum für alltägliche Besorgungen.

Krankenhäuser setzen zunehmend auf virtuelle KI-Lösungen. Das Saint Peter's Healthcare System in New Jersey hat seine Partnerschaft mit hellocare.ai ausgeweitet. KI-gestützte Pflegeassistenten und Sturzpräventionsmodule überwachen Patienten in Echtzeit. Digitale Türschilder zeigen aktuelle Patientendaten, KI-„Sitter" beobachten sturzgefährdete Patienten und entlasten so das Pflegepersonal.

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In Großbritannien setzt die Cinnamon Care Collection in 23 Pflegeheimen auf PainChek – eine KI, die Schmerzen per Gesichtserkennung erkennt. Besonders für Demenzkranke, die ihre Beschwerden oft nicht äußern können, ist das ein Durchbruch.

Milliardeninvestitionen in Asien

Die Regierungen Ostasiens treiben die Entwicklung massiv voran. Südkorea investiert im Rahmen der „K-Moonshot"-Initiative 50,4 Milliarden Won (rund 33,5 Millionen Euro) in fünf Jahre Forschung. Partner wie LG Electronics arbeiten an KI-gesteuerten Humanoiden mit Festkörperbatterien für den Krankenhauseinsatz.

Japan geht noch weiter: Eine 14-Jahres-Wachstumsstrategie mit einem Investitionsziel von 370 Billionen Yen sieht vor, dass das Noetra-Konsortium – mit SoftBank, Sony, NEC und Honda – bis 2040 zehn Millionen KI-Roboter in 18 Branchen einsetzt. Das erste physische KI-Modell soll noch im laufenden Geschäftsjahr 2026 erscheinen.

Brücke zwischen Forschung und Praxis

Um die Lücke zwischen Entwicklung und Anwendung zu schließen, hat in den Niederlanden das Humanoid Application Centre eröffnet. Auf dem Mechatronics Innovation Campus in Schiedam können Unternehmen Roboter für Pflege, Logistik und Baugewerbe testen. Ein Konsortium verschiedener Industriepartner unterstützt das Zentrum.

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