Pflegereform, Linnemann

Pflegereform: Linnemann schließt Kürzungen bei Angehörigen-Renten aus

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Minister hält am dualen Versicherungssystem fest, benennt lange Wartezeiten und skizziert Vorhaben für Gesundheit und Pflege.

Linnemann bekennt sich zu GKV und PKV und kündigt Reformen an
Ein heller, moderner Wartebereich in einer Arztpraxis mit leeren Stühlen und Blick ins Grüne. Illustration mit AI erstellt.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat sich in seiner ersten Regierungsbefragung im Bundestag klar zum Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung bekannt. Das zweigliedrige System sorge für Innovation und Qualitätssicherung, argumentierte er laut einem Bericht von deutschlandfunk.de vom 23. September 2026. Damit trat er Interpretationen entgegen, die eine grundlegende Neuordnung des Systems aus jüngsten Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz herauslasen.

Merz hatte laut Handelsblatt am Montag von einem „Gerechtigkeitsproblem" beim Nebeneinander beider Versicherungsformen gesprochen – eine Formulierung, die eine breite politische Debatte auslöste.

Wartezeiten als zentrales Problem

Linnemann benannte die unterschiedlichen Wartezeiten zwischen gesetzlich und privat Versicherten als konkretes Problem. Je nach zugrunde gelegter Untersuchung liege die Differenz derzeit bei etwa 36 bis 41 Tagen, so der Minister laut Handelsblatt.

Auch beim Bericht von n-tv.de wird diese Spanne bestätigt. Als Gegenmaßnahme kündigte Linnemann an, im November einen Gesetzentwurf für ein Primärarztsystem vorzulegen.

Zusätzlich soll die Notrufnummer 116 117 ausgebaut werden, und die Kassenärztliche Bundesvereinigung soll eine Terminvergabe nach medizinischer Dringlichkeit innerhalb von zehn Tagen ermöglichen, wie aerzteblatt.de berichtete. Laut Linnemann seien rund 30 Prozent der Notfallpatienten keine echten Notfälle und könnten stattdessen den kassenärztlichen Notdienst nutzen.

Finanzielle Lage von GKV und Pflegeversicherung angespannt

Die wirtschaftliche Ausgangslage bleibt schwierig. Nach Angaben Linnemanns sind die Ausgaben im laufenden Jahr über beide Systeme hinweg um mehr als sieben Prozent gestiegen, die gesetzliche Krankenversicherung gebe mehr als eine Milliarde Euro aus.

Laut wiwo.de kommen in Deutschland jährlich rund eine Milliarde Arztkontakte zusammen, mit täglichen Ausgaben von mehr als einer Milliarde Euro allein in der GKV. Den Kassen fehlten trotz eines Spargesetzes mehrere Milliarden Euro; der Schätzerkreis, der die Prognose für den GKV-Bedarf 2027 erstellt, tagt Mitte Oktober.

Noch dringlicher stellt sich die Lage bei der sozialen Pflegeversicherung dar. Linnemann warnte, dass der Kasse im November das Geld ausgehen könnte, da die aktuellen Darlehen von 3,2 Milliarden Euro nicht mehr ausreichten. Er verhandle deshalb mit dem Bundesfinanzministerium.

Erwartet wird laut wiwo.de eine Einsparung von zehn Prozent des jährlich 75 Milliarden Euro umfassenden Budgets der sozialen Pflegeversicherung. Eine Fachkommission soll Anfang 2027 Wege aus der Finanzierungskrise aufzeigen; laut tradersunion.com soll sie bereits im Oktober eingesetzt werden und spätestens im März 2027 Ergebnisse vorlegen.

Kurskorrektur bei Pflegereform

Bei der Pflegereform vollzog Linnemann eine bemerkenswerte Kehrtwende: Kürzungen bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger schloss er im Gesundheitsausschuss aus, nachdem ein früherer Gesetzentwurf vorgesehen hatte, dass Pflegekassen nur noch 70 Prozent dieser Ansprüche tragen sollten.

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Wie er ankündigte, soll der Reformgesetzentwurf – das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) – am 30. September 2026 ins Bundeskabinett eingebracht werden. Zugleich räumte Linnemann ein, dass die geplante Pflegereform allein nicht ausreiche, um das System in den 2030er Jahren tragfähig zu halten.

Weitere Gesetzesvorhaben und Zeitplan

Der Minister nannte einen dichten Fahrplan an Vorhaben: das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, für das am 7. Oktober 2026 eine Anhörung geplant ist und Änderungsanträge bis spätestens 14. Oktober 2026 eingereicht werden können, ein Medizinregistergesetz, ein Digitalgesetz sowie ein Gesundheitssicherstellungsgesetz.

Laut aerzteblatt.de sei insgesamt eine Einsparung von acht Milliarden Euro nötig, um die Beitragsstabilität für 2027 zu sichern. Eine Finanzkommission Gesundheit soll im Dezember weitere Strukturreform-Vorschläge vorlegen.

Zur PKV-Debatte stellte Linnemann klar, dass es Merz nicht um eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung gegangen sei, sondern um eine bessere Patientensteuerung – eine Abschaffung sei ohnehin verfassungsrechtlich schwierig. Ein erster Vorschlag zur Steuerung solle im November 2026 vorliegen.

Widerspruch und parallele Debatten

Der SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sieht laut aerzteblatt.de zwar Momentum für strukturelle Änderungen, jedoch keine Mehrheit für die von seiner Partei favorisierte Bürgerversicherung. SPD-Geschäftsführer Wiese erwartet dementsprechend keinen Umbau in diese Richtung, während die SPD als Partei offiziell an dem Konzept festhält.

Unionsseitig lehnt CSU-Chef Markus Söder eine grundlegende Neuordnung strikt ab, während CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann betonte, es gehe lediglich um Erleichterungen bei der Terminvergabe.

Auch der GKV-Spitzenverband, vertreten durch Stoff-Ahnis, meldete sich zu Wort und forderte eine tagesaktuelle Terminplattform mit einem festen Terminanteil für gesetzlich Versicherte.

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Der sozialen Pflegeversicherung könnten im November die Mittel ausgehen — die aktuellen Darlehen von 3,2 Milliarden Euro reichen laut Minister nicht mehr aus. Wer heute Angehörige pflegt, sollte wissen, welche Finanzierungslücke droht und welche Leistungen auf der Kippe stehen. Unser Report zeigt die Faktenlage und die geplanten Schritte. Finanzierungs-Check Pflegeversicherung jetzt sichern

Die Umsetzung eines verbindlichen Steuerungssystems mit Hausarztpraxis als erster Anlaufstelle und einer im Koalitionsvertrag vorgesehenen „Termingarantie" wird im Alltag der Versicherten voraussichtlich nicht vor 2028 spürbar.

Für Dezember werden zudem Empfehlungen einer Expertenkommission zu einer größeren Systemreform erwartet – ein Hinweis darauf, dass die aktuelle politische Auseinandersetzung um GKV, PKV und Pflege noch am Anfang eines längeren Prozesses steht.

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