Pflegereform, Millionen

Pflegereform ab 2027: 1,7 Millionen Angehörige verlieren Rente

08.06.2026 - 06:49:31 | boerse-global.de

Das Pflegeneuordnungsgesetz soll die Kassen entlasten, senkt aber Rentenbeiträge für Millionen Pflegende und kürzt Leistungen.

Pflegereform 2027: Milliardenpaket belastet pflegende Angehörige
Pflegereform - Eine ältere Hand hält sanft eine jüngere Hand, symbolisch für Pflege und Unterstützung, mit verschwommenen Finanzdokumenten im Hintergrund. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es soll die Pflegeversicherung retten – und trifft vor allem die, die zu Hause pflegen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) eine drohende Finanzierungslücke von 22,5 Milliarden Euro stopfen. Das Paket soll die Kassen ab 2027 um elf Milliarden Euro entlasten, bis 2030 sogar um 20 Milliarden. Doch die Kehrseite: Sozialverbände und Politiker warnen vor massiven Folgen für pflegende Angehörige und das Rentensystem.

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Weniger Rente für Millionen Pflegende

Ein Kernpunkt der Reform: Ab 2027 sinken die Rentenbeiträge für Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen – und zwar um 30 Prozent. Die Beiträge werden dann nur noch auf Basis von 70 Prozent der bisherigen Bezugsgröße berechnet. Das spart den Kassen im ersten Jahr 1,8 Milliarden Euro, in den Folgejahren jeweils über zwei Milliarden.

Doch die Rechnung geht zulasten der Pflegenden. Rund 1,7 Millionen Menschen sind betroffen, 85 Prozent von ihnen Frauen. Ein Beispiel zeigt die Dramatik: Wer fünf Jahre lang einen Angehörigen mit Pflegegrad 5 versorgt, verliert monatlich 63,78 Euro Rente. Über 20 Jahre Rentenbezug summiert sich das auf mehr als 15.000 Euro.

Noch härter trifft es pflegende Rentner. Wer bereits die Regelaltersgrenze erreicht hat, soll künftig keine Rentenpunkte mehr durch Pflegetätigkeit sammeln können. Der bisher mögliche Weg über die Teilrente entfällt zum 1. Januar 2027.

Wo das Geld herkommen soll

Um die Einnahmen der Pflegekassen zu erhöhen, zieht das Ministerium mehrere Stellschrauben an. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt auf 77.400 Euro – das bringt 2027 zusätzliche 1,6 Milliarden Euro. Kinderlose zahlen künftig 0,1 Prozentpunkte mehr, ihr Beitragssatz liegt dann bei 4,3 Prozent.

Auch die Leistungen für Pflegebedürftige werden gekürzt:

  • Der Entlastungsbetrag für Pflegegrad 1 (131 Euro monatlich) fällt komplett weg.
  • Bei Pflegegrad 2 und 3 gibt es in den ersten drei Monaten nur das halbe Budget.
  • Höhere Zuschüsse für Heimbewohner werden erst mit sechsmonatiger Verzögerung ausgezahlt – das entlastet die Kassen um 2,7 Milliarden Euro.
  • Minijobber werden künftig beitragspflichtig, was jährlich 1,2 Milliarden Euro zusätzlich bringt.

Bumerang-Effekt befürchtet

Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt Alarm. Hauptgeschäftsführer Joachim Rock warnt vor einem „Bumerang-Effekt“: Aktuell werden 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Werden die Hilfen für ambulante Pflege und Angehörige gekürzt, könnten mehr Menschen in Heime müssen. Die Folge: steigende Sozialhilfekosten, weil viele die Eigenanteile nicht stemmen können.

In der Politik gehen die Meinungen auseinander. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stützt seine Ministerin. Doch SPD, Grüne und CSU üben scharfe Kritik. Der saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) fordert einen verbindlichen Pflegedeckel. Besonders umstritten: Die geplante Streichung der Einkommensgrenze von 100.000 Euro, ab der Kinder für Heimkosten ihrer Eltern haften.

Verbände wie der SoVD und die Patientenschutzorganisation befürchten, dass die Reform die Altersarmut verschärft – vor allem bei Frauen, die durch Pflegeauszeiten bereits Rentenlücken haben.

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