Pflegende, Angehörige

Pflegende Angehörige: 40% interessiert an Angeboten, nur 10% nutzen sie

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine neue hessische Fachstelle soll Demenzhilfen verknüpfen, während Studien den ungedeckten Beratungsbedarf pflegender Angehöriger sichtbar machen.

Hessen bündelt Demenzhilfen und stärkt Pflegeberatung
Heller, freundlich gestalteter Gemeinschaftsraum in einer Pflegeeinrichtung mit Blick in einen grünen Garten Illustration mit AI erstellt.

Mit der Einrichtung einer zentralen Landesfachstelle für Menschen mit Demenz baut das Hessische Gesundheitsministerium die Versorgungsstrukturen im Bundesland weiter aus. Die neue Anlaufstelle zielt darauf ab, Versorgungs- und Betreuungsangebote zu bündeln sowie Beratungsstellen, Pflegestützpunkte, Kommunen und medizinische Einrichtungen enger miteinander zu vernetzen.

Neben der Vernetzung stehen die Qualitätssicherung und der Wissenstransfer im Fokus der Institution. Sie soll Betroffene sowie deren Angehörige gezielt unterstützen und bildet einen Baustein der Hessischen Demenzstrategie, die im März 2026 beschlossen wurde. Gesundheitsministerin Diana Stolz kündigte die Errichtung der Fachstelle im Vorfeld des Welt-Alzheimertags an, der am 21. September begangen wird.

Kluft zwischen Hilfebedarf und Inanspruchnahme

Die Bündelung und bessere Zugänglichkeit von Angeboten berührt eine zentrale Schwachstelle in der Betreuung Demenzerkrankter. Eine im Fachjournal „Psychology & Health“ veröffentlichte Auswertung der Universität Sydney unter Leitung von Hannah Isaac verdeutlicht die Hürden bei bestehenden Hilfen.

Die Analyse von 29 Studien aus Europa, den USA, Kanada und Australien über einen Zeitraum von 20 Jahren mit über 81.000 pflegenden Angehörigen ergab, dass jede dritte pflegende Person Beratung wünscht, jedoch weniger als jede sechste diese tatsächlich in Anspruch nahm. Zudem zeigten sich 40 Prozent der pflegenden Angehörigen an staatlichen Angeboten interessiert, während nur 10 Prozent diese tatsächlich nutzten.

Anzeige

Wer sich mit der Vorsorge und dem Erhalt der mentalen Fitness beschäftigt, findet in diesem Ratgeber wertvolle Unterstützung. Erfahren Sie, wie Sie mit einfachen Alltagsübungen und der richtigen Ernährung Ihre geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter fördern. Gehirntraining-Ratgeber kostenlos herunterladen

Der Bedarf an tragfähigen Strukturen ist hoch. Im Jahr 2023 waren in Deutschland 4,9 Millionen Menschen häuslich pflegebedürftig; die Zahl der pflegenden Angehörigen wurde auf rund 7,1 Millionen geschätzt.

Nach Erhebungen von Destatis und der Stiftung Warentest waren Ende 2023 insgesamt knapp 5,7 Millionen Menschen im Land pflegebedürftig, wovon 86 Prozent zu Hause versorgt wurden. Rund 600.000 ausländische Betreuungskräfte, überwiegend aus Osteuropa, arbeiteten zu diesem Zeitpunkt in deutschen Privathaushalten.

Demografische Entwicklung und Reformdebatten

Bundesweit leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Prognosen gehen von einem Anstieg auf bis zu 2,7 Millionen Betroffene im Jahr 2050 aus. Zugleich verweist die Deutsche Alzheimer Gesellschaft darauf, dass sich durch konsequente Prävention rund 36 Prozent aller Demenzerkrankungen vermeiden ließen.

Anzeige

Angesichts der steigenden Zahl von Betroffenen rückt die frühzeitige Einschätzung erster Anzeichen in den Fokus. Ein diskreter Selbsttest mit sieben gezielten Fragen bietet eine erste Orientierung, ob Vergesslichkeit im normalen Rahmen liegt oder ein Warnsignal sein könnte. Kostenlosen 2-Minuten-Selbsttest jetzt machen

Vor diesem Hintergrund wird auch über die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen debattiert. Am 18. September 2026 legte das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) ein Positionspapier zum geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vor.

Die Autoren Michael Ranft und Ulrich Wendte sowie KDA-Vorständin Dr. Alexia Zurkuhlen fordern darin einen Rechtsanspruch auf eine kontinuierliche, ganzheitliche und niedrigschwellige fachliche Pflegebegleitung, die fest in kommunalen Netzwerken verankert sein müsse.

Zugleich steht der Gesetzentwurf zur Pflegeneuordnung in der Diskussion, da er ab dem kommenden Jahr den Wegfall niedrigschwelliger Angebote bei Pflegegrad 1 vorsieht.

Initiativen wie die hessische Landesfachstelle spiegeln das Bestreben wider, Hilfsangebote trotz komplexer rechtlicher und administrativer Rahmenbedingungen für Erkrankte und Angehörige übersichtlicher und effektiver nutzbar zu machen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70129060 |