Pflegeleistung, Vollzeitarbeiter

Pflegeleistung: Vollzeitarbeiter verlieren 1,3 Rentenpunkte pro Jahr

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 03:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Pflegende Vollzeitbeschäftigte verlieren laut DZA-Studie durchschnittlich 1,3 Rentenpunkte jährlich. Reformpläne könnten die Situation weiter verschärfen.

Rentenverluste durch Pflege: DZA-Studie zeigt Einbußen auf
Ein Schreibtisch mit Finanzunterlagen und Taschenrechner, im Hintergrund schemenhaft eine Pflegesituation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wer Angehörige pflegt und gleichzeitig Vollzeit arbeitet, sammelt im Schnitt 1,3 Rentenpunkte weniger als Beschäftigte ohne Pflegeverantwortung. Das zeigt eine Analyse des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) für die Geburtsjahrgänge 1946 bis 1955. Studienautorin Ulrike Ehrlich spricht von erheblichen Einbußen.

Der Grund: Die Rentenversicherung gewährt Pflegepunkte nur unter strengen Auflagen. Die Pflege muss mindestens zehn Stunden pro Woche umfassen, bei Pflegegrad 2 oder höher. Gleichzeitig darf die eigene Arbeitszeit 30 Wochenstunden nicht überschreiten. Wer mehr arbeitet, geht leer aus.

Ein Jahr Pflege bei Pflegegrad 2 bringt gerade einmal 10 Euro mehr Rente im Monat. Bei Pflegegrad 5 sind es rund 40 Euro. Ein aktueller Referentenentwurf sieht zudem vor, die Beiträge der Pflegekassen zur Rentenversicherung auf 70 Prozent zu kürzen. Das würde die Anerkennung von Pflegeleistungen weiter schwächen.

Grundsicherung: Mehr Wertschätzung für Beitragsjahre

Die Rentenkommission schlägt einen neuen Freibetrag für gesetzliche Renten in der Grundsicherung vor. Anders als bisher sollen dafür keine 33 Grundrentenjahre nötig sein. Zwischen 20 und 30 Prozent der Rente blieben dann anrechnungsfrei. Ziel ist es, die Lebensleistung langjähriger Beitragszahler stärker zu honorieren.

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Laut einer Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion lag die durchschnittliche Rente im Juli 2026 bei 1.289 Euro. Beamtenpensionen betrugen dagegen im Schnitt 3.416 Euro. Besonders betroffen: Frauen. Rund 60,9 Prozent der Rentnerinnen und 27,8 Prozent der Rentner erhielten 2025 Bezüge unterhalb der Armutsgrenze von 1.446 Euro. Selbst bei über 45 Versicherungsjahren liegt der Anteil der Frauen unter dieser Grenze bei 52,4 Prozent.

Anzeige

Wer Angehörige pflegt und Vollzeit arbeitet, verliert im Schnitt 1,3 Rentenpunkte pro Jahr – das zeigt eine aktuelle DZA-Studie. Mit der richtigen Strategie können Sie diese Lücke aber schließen. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie Pflegezeiten optimal anrechnen lassen und Ihre Altersvorsorge sichern. Jetzt Schritt-für-Schritt-Anleitung anfordern

Rentenniveau gesichert – aber gebremst

Für 2026 steigen die Renten um 4,24 Prozent. Der aktuelle Rentenwert klettert auf 42,52 Euro. Das Rentenniveau bleibt durch eine gesetzliche Haltelinie bis 2031 bei 48 Prozent. Ab 2032 empfiehlt die Alterssicherungskommission jedoch stärkere Dämpfungsfaktoren.

Der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor soll reformiert werden. Der Alpha-Wert steigt von 0,25 auf 0,33. Das bremst den Anstieg des Beitragssatzes – um 0,5 Prozentpunkte bis 2040 und um einen vollen Punkt bis 2060. Nominale Rentenkürzungen sind nicht geplant, wohl aber langsamere Steigerungen. Ergänzend plant die Regierung eine Kapitalrente mit einem Beitragssatz von 2 Prozent, finanziert von Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Babyboomer wollen früher in Rente

Anzeige

Besonders Frauen sind betroffen: Über 60 Prozent der Rentnerinnen erhalten Bezüge unterhalb der Armutsgrenze. Wer heute pflegt, muss handeln, bevor die geplante Kürzung der Pflegekassenbeiträge auf 70 Prozent die Lage verschärft. Unser Report zeigt, wie Sie mit konkreten Maßnahmen Ihre Rentenansprüche sichern – auch bei Vollzeitarbeit. Report: Rente trotz Pflege sichern

Die Diskussion um das Renteneintrittsalter bekommt neue Nahrung. Die lidA-Studie des Arbeitswissenschaftlers Hans Martin Hasselhorn zeigt: Zwei Drittel der Babyboomer wollen vor dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand. 83 Prozent nennen als Hauptmotiv den Wunsch nach Selbstbestimmung und Freizeit.

Hasselhorn warnt vor sozialen Ungleichheiten bei einer Anhebung des Rentenalters. Männer im höchsten Einkommenssegment haben mit 65 Jahren eine statistische Lebenserwartung von weiteren 16 Jahren. Im niedrigsten Segment sind es weniger als zehn Jahre. Reformpläne zur Abschaffung der „Rente mit 63“ würden vor allem körperlich schwer arbeitende Berufsgruppen im Handwerk oder in der Pflege treffen. Als mögliches Vorbild gilt das österreichische Modell: Es ermöglicht einen früheren Renteneintritt bei nachweislich schweren Tätigkeiten.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69843112 |