Pflegekrise: Sturzprävention könnte 1,7 Milliarden Euro sparen
28.05.2026 - 09:01:47 | boerse-global.deDie Sozialorganisation Diakonie drängt die österreichische Regierung zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Pflegepolitik. Statt bloßer Reaktion auf Notfälle müsse Prävention endlich Priorität bekommen, forderte Direktorin Maria Moser am heutigen Donnerstag. Gezielte Maßnahmen könnten das Gesundheitssystem massiv entlasten und gleichzeitig die Lebensqualität älterer Menschen verbessern.
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Vier Säulen für eine neue Pflegestrategie
Die Diakonie schlägt einen konkreten Maßnahmenkatalog vor. Im Zentrum stehen Sturzprävention, systematische Medikamentenchecks, Delir-Prävention und ein besseres Entlassungsmanagement aus Krankenhäusern. Moser betont: Diese Ansätze seien entscheidend, um ältere Menschen möglichst lange selbstständig zu halten und vermeidbare Krankenhausaufenthalte zu reduzieren.
Die Kosten fehlender Vorsorge sind enorm. Allein die unzureichende Sturzprävention verursacht laut Berechnungen des Hilfswerks jährliche Ausgaben von rund 1,7 Milliarden Euro. Eine erfolgreiche Delir-Prävention in Krankenhäusern könnte demgegenüber schätzungsweise 90 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Zwar sieht das aktuelle Regierungsprogramm bereits Verbesserungen an der Schnittstelle zwischen Pflege und stationärer Klinikversorgung vor, doch die Diakonie mahnt: Die Umsetzung müsse deutlich schneller erfolgen.
Warnsignale aus Deutschland
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Ökonomen vor einer immer stärkeren Belastung der Sozialsysteme warnen. Erst gestern, am Mittwoch, hat der Sachverständigenrat Wirtschaft in Deutschland einen massiven Handlungsbedarf in der Gesundheits- und Pflegeversicherung angemahnt. Vorsitzende Monika Schnitzer warnte: Ohne tiefgreifende Reformen könnten die Sozialabgaben bis 2040 auf 49,7 Prozent steigen.
Der Rat schlägt unter anderem strengere Kriterien für die Einstufung von Pflegebedürftigkeit sowie mögliche Kürzungen bei bestimmten Pflegeleistungen vor. Bundesgesundheitsminister Warken (CDU) plant derweil ein umfassendes Pflegereformpaket. Es enthält ein Entlastungsprogramm für 2027 im Wert von 16,3 Milliarden Euro – doch Kritiker halten strukturelle Änderungen für dringender.
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Pflegeversicherung vor dem Defizit
Auch Branchenvertreter warnen vor kurzfristigen finanziellen Flickschustereien. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (VDAB) kritisierte heute die Diskussionen um eine Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge. Geschäftsführer Thomas Knieling fordert eine langfristige Reformstrategie statt Stückwerk.
Hintergrund: Die gesetzliche Pflegeversicherung steuert 2026 auf ein prognostiziertes Defizit von einer Milliarde Euro zu. Im Raum steht eine Erhöhung des Pflegeversicherungszuschlags für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent. DAK-Chef Andreas Storm hatte bereits gewarnt, dass ohne Gegensteuern sogar eine Insolvenz drohe – mit möglichen Beitragserhöhungen von bis zu 0,2 Prozentpunkten im nächsten Jahr.
Die Ausgaben der gesetzlichen Pflegekassen beliefen sich 2025 auf 73,8 Milliarden Euro. Für 2026 wird mit einem Minus von 4,2 Milliarden Euro gerechnet. Die Eigenanteile für Pflegeheimbewohner sind in manchen Regionen bereits auf bis zu 3.200 Euro monatlich gestiegen. Der Ruf nach einer nachhaltigen Finanzierung und einer echten Präventionsstrategie wird damit immer lauter.
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