Pflegekrise, Millionen

Pflegekrise 2035: 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig

02.06.2026 - 13:18:42 | boerse-global.de

Bis 2035 droht ein massiver Anstieg Pflegebedürftiger. KI soll helfen, doch die Branche kämpft mit Milliardenloch und Reformstau.

Pflegekrise 2035: 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig - Bild: über boerse-global.de
Pflegekrise 2035: 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig - Bild: über boerse-global.de

Bis 2035 werden rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein – die Branche steht vor einem grundlegenden Wandel.

Die deutsche Gesundheitsversorgung steckt mitten in einem Spagat: Einerseits treiben technologische Innovationen die Digitalisierung voran, andererseits droht der Verlust menschlicher Zuwendung. Besonders die Pflegebranche spürt den Druck – und sucht nach einem gangbaren Weg zwischen Automatisierung und Menschlichkeit.

Künstliche Intelligenz in der Pflege: Unvermeidlich, aber mit Maß

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Altenpflege als unausweichlich. Die Führung der Barmer Schleswig-Holstein betonte Anfang Juni 2026, dass KI zwar kommen müsse, aber behutsam eingeführt werden solle. Entscheidend sei, dass die sozialen und emotionalen Bindungen in der Pflege nicht verloren gehen.

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Diese Einschätzung deckt sich mit langfristigen Branchentrends. Eine Roland-Berger-Studie vom November 2024 zeigte: 94 Prozent der Führungskräfte im Gesundheitswesen rechneten damals mit erheblichen Auswirkungen der KI auf ihre Organisationen. Die Realität sah jedoch anders aus: Nur 15 Prozent der Unternehmen hatten KI bis Ende 2024 in ihre Standardprozesse integriert. Das Marktvolumen für KI im Gesundheitssektor soll bis 2030 auf umgerechnet rund 170 Milliarden Euro steigen.

Das Pflegepersonal selbst zeigt sich aufgeschlossen. Eine Umfrage des DBfK vom März und April 2026 mit über 3.000 Teilnehmenden ergab: 83 Prozent der Pflegekräfte empfinden ihre Arbeit als sinnvoll, 76 Prozent sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Dennoch berichteten nur 22 Prozent von spürbaren Veränderungen in ihren Arbeitsabläufen.

Digitale Kluft überwinden: Projekte für Senioren

Damit ältere Menschen nicht abgehängt werden, laufen mehrere Initiativen. Das BAGSO-Projekt „KILeo+“ sucht derzeit acht lokale Partner für den Aufbau von KI-Lernzentren speziell für Senioren. Im Fokus stehen besonders gefährdete Gruppen: ältere Frauen, Migranten und Bewohner ländlicher Regionen. Interessierte Organisationen können sich bis zum 12. Juli 2026 bewerben.

Auch die kommunalen Seniorenräte sind gefordert. In Weingarten etwa kritisierte der örtliche Seniorenrat die Hürden durch verpflichtende digitale Formate – wie das ausschließlich digitale Deutschland-Ticket. Um die Lücken zu schließen, sind verschiedene Bildungsveranstaltungen geplant. Dazu gehören Vorträge zur elektronischen Patientenakte (ePA) und zum E-Rezept: am 16. Juni 2026 in Iserlohn, am 23. Juni 2026 in Holzheim.

Milliardenloch und Reformdruck

Die Digitalisierungsoffensive fällt in eine Zeit massiver finanzieller und struktureller Probleme. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken forderte Anfang Juni 2026 eine grundlegende Pflegereform, die über reine Finanzkorrekturen hinausgeht. Die Prognosen sind düster: Der Pflegeversicherung droht 2027 ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro, das bis 2028 auf über 15 Milliarden Euro anwachsen soll.

Neue Regelungen treten Mitte des Jahres in Kraft. Ab dem 1. Juli 2026 gilt eine neue Pauschale für die chronische Versorgung: Patienten mit Langzeiterkrankungen müssen dann nur noch alle sechs Monate zum Arzt, statt vierteljährlich. Das soll unnötige Termine vermeiden. Apothekervertreter befürchten jedoch, dass dies den Trend zu Online-Versandapotheken weiter verstärkt.

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Neben der Digitalisierung müssen Unternehmen auch neue gesetzliche Meldepflichten wie das Hinweisgeberschutzgesetz rechtssicher organisieren. Ein kostenloser Praxisleitfaden mit Checkliste zeigt Schritt für Schritt, wie interne Meldestellen DSGVO-konform aufgebaut werden. Endlich Klarheit beim HinSchG: So setzen Sie das Gesetz sicher und DSGVO-konform um

Ein weiterer Dauerbrenner: die Terminvergabe bei Fachärzten. Ein Bericht des Bundesrechnungshofs vom Februar 2026 zeigt, dass gesetzlich Versicherte im Schnitt 42 Tage auf einen Facharzttermin warten. Zwar gibt es einen „Dringlichkeitscode“, der Termine innerhalb von vier Wochen garantieren soll – doch viele Patienten kennen diesen Anspruch nicht. Eine Anhörung zur möglichen Streichung bestimmter Vergütungen für diese Terminservices ist für den 22. Juni 2026 im Bundestag angesetzt.

Digitale Krankenakte: Fortschritt mit Risiken

Der digitale Wandel erfasst auch die Krankenhausapotheken. Das Pilotprojekt „diGItal“ testet mit über 70 Pharmaherstellern den Einsatz digitaler Packungsbeilagen. Bis Ende 2026 sollen ausgewählte Kliniken bestimmte Medikamente ohne gedruckte Beipackzettel verwenden dürfen.

Doch die Digitalisierung sensibler Daten birgt erhebliche Sicherheitsrisiken. Anfang Mai 2026 traf ein Ransomware-Angriff die Prüfstelle „Arwini“ in Niedersachsen. Patientendaten – Kontakt- und Abrechnungsinformationen – wurden gestohlen und im Darknet veröffentlicht. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi warnte vor möglichem Datenmissbrauch.

International zeigt sich, wohin die Reise geht. Ende April 2026 beschlossen die Behörden von Ho-Chi-Minh-Stadt die Einführung einer integrierten elektronischen Patientenakte. Die App „Digital Citizen“ verknüpft Krankengeschichte, Impfungen und Gesundheitsdaten mit einer persönlichen Identifikationsnummer. Ein globaler Trend zur Zentralisierung von Gesundheitsdaten zeichnet sich ab – mit dem Ziel, Prävention und Behandlung zu verbessern.

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