Pflegekräfte, Gewalt

Pflegekräfte: 92 Prozent erleben Gewalt im Job – Psyche unter Druck

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 21:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hohe Gewaltbelastung und steigende Eigenanteile prägen den Pflegealltag. Politik und Einrichtungen suchen mit Robotern, Boni und unkonventionellen Methoden nach Entlastung.

Pflegekrise: 92% der Kräfte erleben Gewalt, Kosten steigen rasant
Nahaufnahme der Hände einer Pflegekraft, die auf einem medizinischen Dokument ruhen, mit verschwommenem Hintergrund eines Krankenhausflurs. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Fast alle Mitarbeiter erleben Gewalt im Job.

92 Prozent der Pflegekräfte betroffen

Eine Analyse zur Gewaltprävention in der Pflege (ZQP-PEKo) zeigt erschreckende Zahlen: 92 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten zwölf Monaten Gewalt erlebt zu haben. Psychische Übergriffe dominieren mit 90 Prozent, 69 Prozent berichten von körperlicher Gewalt.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bestätigt den Trend. Laut ihrer Studie waren 94 Prozent der gemeldeten Vorfälle verbaler Natur, 70 Prozent betrafen körperliche Übergriffe durch Pflegebedürftige.

Experten fordern eine klare Teamkultur, definierte Abläufe und eine entsprechende Haltung in den Einrichtungen. Der Ethikkodex des International Council of Nurses (ICN) stellt die Würde und Sicherheit von Patienten und Personal in den Mittelpunkt.

Doch nicht nur Gewalt belastet die Branche. Die Eigenanteile für die Pflege im Heim stiegen zum 1. Juli 2026 auf durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat – ein Plus von 119 Euro seit Jahresbeginn. Höhere Personalausgaben treiben die Kosten und erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf die Einrichtungen.

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Einige Akteure setzen auf unkonventionelle Methoden. Die Krankenhäuser Buchholz und Winsen starteten die Aktion „We Care Louder!“. Sie verlosten Tickets für das Wacken Open Air Ende Juli 2026 an Pflegekräfte.

Der Psychologe Burkhard Gniewosz von der Universität Salzburg bestätigt: Heavy Metal kann tatsächlich Stress abbauen. Solche Aktionen sollen Wertschätzung zeigen und Ventile für die berufliche Belastung bieten.

In Thüringen geht die Techniker Krankenkasse einen anderen Weg. Seit Frühjahr 2026 kooperiert sie in einem Drei-Jahres-Projekt mit acht Pflegeheimen. Beim „Pflegeacker“ bewirtschaften Bewohner und Pflegekräfte gemeinsam Hochbeete.

Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen, betont den doppelten Nutzen: Die sozialen Kontakte und die Arbeit im Freien stabilisieren die Psyche der Mitarbeiter.

Roboter als Entlastung

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Technologische Lösungen sollen das Personal zusätzlich entlasten. In München testet ein Seniorenheim den Empathie-Roboter „Navel“. Die Leasingkosten liegen bei rund 40.000 Euro.

Der Roboter führt Gespräche und übernimmt soziale Interaktionen. Er soll Pflegekräften mehr Zeit für ihre Kernaufgaben verschaffen – ohne sie zu ersetzen.

Politik sucht nach Lösungen

Auf politischer Ebene tut sich ebenfalls etwas. In Österreich kündigte Sozialministerin Korinna Schumann einen gesetzlich abgesicherten Pflegebonus an. Rund 180.000 Pflegekräfte sollen jährlich 2.200 Euro erhalten, monatlich ausgezahlt. Für 2027/28 sind zudem 100 Millionen Euro für die Pflegeinfrastruktur vorgesehen.

In Deutschland berät die Politik über das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), das 2027 greifen soll. Der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht ein neues Sozialraumbudget vor.

Kritiker befürchten jedoch neue Herausforderungen durch den möglichen Wegfall bestimmter Entlastungsbeträge. Mitte Juli 2026 berielten politische Vertreter im Rahmen eines Runden Tisches über die Finanzierungslücken. Bis 2028 könnten sie auf geschätzte 14 Milliarden Euro anwachsen.

Klar ist: Ohne stabile Finanzierung lassen sich die Arbeitsbedingungen und die mentale Gesundheit der Beschäftigten nicht langfristig sichern.

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