Pflegekräfte 2027: Neue Ausbildung ab März mit garantierter Vergütung
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 21:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftebedarfs setzen Pflegeeinrichtungen verstärkt auf neue pädagogische Ansätze in der Ausbildung. Ein zentrales Modell in dieser Entwicklung ist das sogenannte „CareLab“, das die Friedehorst-Gesellschaft in der Pflegeeinrichtung „Da Vinci“ in Bremen-Lesum etabliert hat.
In diesem Projekt übernehmen Auszubildende dauerhaft die Leitung einer Station und erproben die eigenverantwortliche Versorgung von Bewohnern unter realen Bedingungen.
Eigenverantwortung im „CareLab“ der Friedehorst-Gesellschaft
Das Projekt startete im August 2026 und umfasst 12 Auszubildende, die eine Station mit 25 Bewohnern eigenverantwortlich leiten. Begleitet werden sie dabei von erfahrenen Praxisanleitern, die im Hintergrund beratend zur Seite stehen. Ziel des Konzepts ist es, den Nachwuchskräften bereits während der Ausbildung eine hohe Entscheidungskompetenz zu vermitteln und die theoretischen Inhalte unmittelbar in die Praxis zu überführen.
Erste Beobachtungen zeigen zudem positive Auswirkungen auf die Bewohner der Station. Durch die personelle Besetzung und das pädagogische Konzept könne eine individuellere Betreuung realisiert werden. Dies äußere sich beispielsweise in flexibleren Abläufen wie einem späteren Frühstück.
In der Einrichtung wurde festgestellt, dass Bewohner durch den intensiven Kontakt mit den Auszubildenden vermehrt aus sich herausgehen und soziale Interaktionen gestärkt werden.
Mobile Lernumgebungen und technologische Unterstützung
Neben stationären Konzepten gewinnen auch mobile Lösungen zur Kompetenzvermittlung an Bedeutung. Die Martin Luther Stiftung Hanau hat in diesem Zusammenhang ein mobiles „Skills Lab“ entwickelt. Dabei handelt es sich um einen PKW-Anhänger, der als voll ausgestattetes Bewohnerzimmer konzipiert wurde, um realitätsnahe Pflegetrainings an verschiedenen Standorten zu ermöglichen.
Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich auf 130.000 Euro, wobei die Entwicklung durch Google unterstützt wurde. Laut Projektleiterin Jasmin Modis und Vorstand Thorsten Hitzel soll das mobile Labor ab Oktober 2026 zunächst in den eigenen Einrichtungen der Stiftung zum Einsatz kommen.
Ab dem Jahr 2027 ist geplant, das Angebot auch für andere Träger zur Verfügung zu stellen. Solche Simulationsräume ermöglichen es, komplexe Pflegesituationen ohne Risiko für Patienten oder Bewohner einzuüben.
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Strukturelle Rahmenbedingungen und Vergütungsmodelle
Flankiert werden diese praxisnahen Initiativen durch politische Bestrebungen zur Vereinheitlichung der Ausbildungsgänge. Die Sächsische Regierung hat einen Gesetzentwurf für eine bundesweit einheitliche Pflegeassistenzausbildung auf den Weg gebracht.
Die neue Ausbildung soll am 1. März 2027 starten und eine Dauer von 18 Monaten umfassen. Gesundheitsministerin Petra Köpping betonte, dass der Entwurf Pflichteinsätze in der Altenpflege sowie im Krankenhaus vorsieht, um eine breite Qualifikationsbasis zu schaffen.
Ein wesentlicher Aspekt der Neuregelung ist die verpflichtende Vergütung, die nach Schätzungen zwischen 1.400 Euro und 1.600 Euro brutto monatlich liegen wird. Damit sollen neue Bewerbergruppen erschlossen und examinierte Fachkräfte durch qualifizierte Assistenten entlastet werden. Über den Entwurf muss der Landtag noch final abstimmen.
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Verstärkte Rekrutierung und Präventionsmaßnahmen
Die Investitionen in die Ausbildungsqualität spiegeln sich auch in den Einstellungszahlen namhafter Klinikbetreiber und Pflegeeinrichtungen wider. Im September 2026 verzeichneten mehrere Träger hohe Zuwachsraten bei den Nachwuchskräften:
- Das RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt begrüßte 124 neue Auszubildende in neun verschiedenen Berufen, darunter 25 angehende Pflegefachkräfte und 27 Krankenpflegehelfer.
- Im Passauer Wolf Bad Griesbach starteten im Herbst 2026 insgesamt 39 Auszubildende, wobei der Träger bereits als bester Ausbilder des Jahres ausgezeichnet wurde.
- Das Stephanuswerk Isny nahm zum 1. September 2026 sieben neue Kräfte für die Heilerziehungspflege auf.
Zusätzlich zur fachlichen Ausbildung rücken Themen wie der Selbstschutz in den Fokus. Das Asklepios-Bildungszentrum Weißenfels führte im September 2026 spezielle Präventionstage durch, an denen rund 130 Auszubildende lernten, wie sie sich im Berufsalltag besser schützen können. Diese ganzheitlichen Ansätze verdeutlichen, dass die Branche bestrebt ist, nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch die langfristige Berufszufriedenheit und Belastbarkeit des Personals zu sichern.
