Pflegekräfte: 2,3 Millionen Stunden Zeitverlust durch Kartenpflicht
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 07:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Verwaltungsprozesse in der deutschen Pflegelandschaft stehen aufgrund hoher administrativer Anforderungen in der Kritik. Im Fokus steht dabei die Verpflichtung für Pflegeanbieter, die elektronischen Gesundheitskarten (eGK) der Versicherten physisch in Arztpraxen vorzulegen, um die Abrechnungsfähigkeit sicherzustellen.
Berichten vom 20. September 2026 zufolge sehen private Pflegeanbieter darin eine erhebliche Fehlallokation von personellen Ressourcen, die in der direkten Patientenversorgung fehlen.
Zeitliche Belastung durch quartalsweise Einlesepflicht
Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), kritisierte das gegenwärtige Verfahren als ineffizient. Der Kern der Problematik liegt darin, dass Pflegekräfte die Versichertenkarten der Pflegebedürftigen jedes Quartal händisch in die jeweiligen Arztpraxen bringen müssen. Dieser Prozess ist notwendig, um den Versicherungsstatus zu bestätigen und die erbrachten Leistungen abrechnen zu können.
Eine Erhebung des bpa unter 1.016 Mitgliedsunternehmen verdeutlicht das Ausmaß dieser bürokratischen Hürde. Laut den Ergebnissen der Umfrage, über die am 20. September 2026 berichtet wurde, verursacht dieser Vorgang pro Unternehmen einen organisatorischen Aufwand von durchschnittlich 21,6 Stunden pro Quartal. Auf das gesamte Kalenderjahr bezogen summiert sich die Belastung damit auf 86,4 Stunden je Pflegeeinrichtung oder Dienstleister.
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Logistische Hürden und Wartezeiten in den Praxen
Neben dem reinen Transport der Karten stellt die Situation vor Ort in den Arztpraxen einen weiteren Belastungsfaktor dar. Die Umfragedaten zeigen, dass pro Praxisbesuch mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 26 Minuten zu rechnen ist. Diese Zeitspanne umfasst lediglich den Aufenthalt in der Praxis zum Einlesen der Karte, nicht jedoch die Wegezeiten für das Personal.
Die Auswirkungen auf das gesamte Pflegesystem sind erheblich, wenn man die Zahlen auf die nationale Ebene skaliert. Eine entsprechende Hochrechnung berücksichtigt die bundesweit 26.799 ambulanten Dienste und vollstationären Pflegeeinrichtungen.
Demnach führt die Pflicht zur physischen Vorlage der Gesundheitskarten zu einem gesamtwirtschaftlichen Zeitverlust von rund 2,3 Millionen Stunden pro Jahr innerhalb der Branche. Fachleute weisen darauf hin, dass dieser Aufwand in einem Sektor anfällt, der bereits unter einem massiven Fachkräftemangel leidet.
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Forderung nach digitalen Lösungen über die Telematikinfrastruktur
Angesichts der erhobenen Daten fordert der Branchenverband bpa eine zeitnahe Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Das Ziel ist eine vollständige Digitalisierung des Prozesses, um die physische Transportnotwendigkeit zu eliminieren. Konkret wird der gesetzlich verankerte digitale Abruf des Versichertenstatus über die Telematikinfrastruktur (TI) verlangt.
Durch eine solche technische Anbindung könnten Pflegeanbieter den Status der Versicherten direkt und digital verifizieren, ohne dass Personal die Karten physisch in die Arztpraxen befördern muss.
Experten aus der Branche betonen, dass eine solche Umstellung nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern würde, da rein administrative Fahrt- und Wartezeiten entfielen.
Die Umsetzung eines solchen digitalen Abrufs gilt als wesentlicher Schritt zum Abbau unnötiger Bürokratie im Gesundheitswesen, wie aus den Berichten vom September 2026 hervorgeht.
