Pflegeheimkosten, Eigenanteil

Pflegeheimkosten: Eigenanteil liegt im Schnitt bei 3.364 Euro im Monat

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Streit über die Pflegefinanzierung dauert an: Der SPD-Vorschlag begrenzt nur Pflegekosten, während weitere Heimkosten bestehen bleiben.

Pflegereform: Linnemann weist SPD-Deckel mit 300 Euro Entlastung zurück
Ein leerer, sonnendurchfluteter Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit schlichtem Design. Illustration mit AI erstellt.

Die Reform der Pflegeversicherung steckt in einer schwierigen Verhandlungsphase. Im Zentrum der Debatte steht der Vorschlag der SPD, den pflegebedingten Eigenanteil von Heimbewohnern auf 1.500 Euro pro Monat zu deckeln.

Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat diesen Vorstoß in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin" öffentlich zurückgewiesen und dabei vorgerechnet, dass die tatsächliche Entlastung für Betroffene deutlich geringer ausfiele, als es der Deckel suggeriere.

Linnemanns Rechnung: Nur 300 Euro Ersparnis

Linnemann erklärte, der geplante Deckel von 1.500 Euro beziehe sich ausschließlich auf die pflegebedingten Kosten, die derzeit bei rund 1.800 Euro lägen. Die Einsparung betrage demnach lediglich etwa 300 Euro – während der tatsächliche Eigenanteil der Heimbewohner je nach Standort zwischen 3.000 und 4.000 Euro liege, da Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten hinzukämen.

Wörtlich sagte er: Die Wahrheit sei, man würde 300 Euro sparen, denn die 1.500 Euro würden von den pflegebedingten Kosten angesetzt, das seien 1.800 minus 1.500 gleich 300. Der Eigenanteil liege aber irgendwo zwischen 3.000 und 4.000 Euro.

Diese Zahlen decken sich mit Erhebungen des Verbands der Ersatzkassen (vdek), wonach Heimbewohner im ersten Jahr durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen – Stand 1. Juli 2026, 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als im Juli 2025. Die reinen Pflegekosten liegen dem vdek zufolge im Schnitt bei 1.775 Euro, in einzelnen Bundesländern über 2.000 Euro.

Unterkunft, Verpflegung und Investitionen schlagen im Schnitt mit 1.607 Euro zu Buche, wobei Unterkunft und Verpflegung allein rund 1.086 Euro pro Monat ausmachen, 50 Euro mehr als im Vorjahresvergleich.

Strukturelle Unterfinanzierung als Kernproblem

Linnemann bezeichnete die Pflegeversicherung als strukturell unterfinanziert. Jährlich fehlten demnach rund 10 Prozent der Mittel, umgerechnet etwa 10 Milliarden Euro. Er verwies zudem auf Gesamtausgaben der Pflegeversicherung von rund 74 Milliarden Euro pro Jahr und auf für 2027 notwendige Einsparungen von etwa 8 Milliarden Euro.

Eine vom Bund geplante Finanzspritze von 3,2 Milliarden Euro reiche dafür nicht aus. Zusätzlich fordert Linnemann, dass 5 Milliarden Euro an Corona-Darlehen des Staates an die Pflegekasse zurückfließen sollen.

Diese Einschätzung deckt sich mit Warnungen des Spitzenverbands der Pflegekassen. Dessen Chef Oliver Blatt sprach von „Alarmstufe Rot" angesichts eines drohenden Defizits von 4,4 Milliarden Euro bis Ende 2026; für 2027 fehlten den Pflegekassen fast 8 Milliarden Euro. Der VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling warnte vor einer Hängepartie, da der Pflegeversicherung ab Oktober rund 500 Millionen Euro fehlten.

Widerstand aus der SPD

Die SPD hält an ihrem Deckel-Vorschlag fest, der auf eine Initiative von Anke Rehlinger zurückgeht und auch von einem Brief des saarländischen Gesundheitsministers Magnus Jung an die Länderkollegen mitgetragen wurde.

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Der Streit um den Pflegedeckel zeigt, wie wenig von einer politischen Entlastungszahl beim Einzelnen ankommt: Ein Deckel auf die reinen Pflegekosten senkt den Eigenanteil nur um einen Bruchteil, während Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten unverändert bleiben. Wer die eigene Abrechnung nachvollziehbar prüfen will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden eine Checkliste zur Eigenanteils-Berechnung, eine Anleitung für den Widerspruch gegen den Heimbescheid und Spartipps für den Alltag. Kostenlosen Pflegekosten-Leitfaden anfordern

Nach SPD-Rechnung würde der Deckel eine Entlastung von gut 320 Euro pro Monat bringen; eine Person mit fünf Jahren Heimaufenthalt bekäme in der ersten Reformstufe 4.500 Euro mehr, insgesamt knapp 21.000 Euro. Die Mehrkosten werden anfangs auf 3 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Zusätzlich fordert die SPD einen finanziellen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung. SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis verlangt einen „systemübergreifenden, risikoorientierten Finanzausgleich".

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf stellte klar, seine Partei akzeptiere keine Leistungskürzung in der Pflege, und drohte damit, den geplanten Kabinettsbeschluss zu blockieren. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch ergänzte, ein reines Kürzungspaket mache die Fraktion so nicht mit.

Widerspruch von CSU und privater Versicherung

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann lehnte einen „Griff in die private Pflegeversicherung" ab. Noch deutlicher wurde PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther, der die SPD-Forderung als „unverantwortlich" bezeichnete und einen Finanzausgleich zwischen den Systemen für verfassungswidrig hält.

Geplante Gegenfinanzierung und offener Zeitplan

Nach vorliegenden Plänen sollen Mehrbelastungen der Beitragszahler die Finanzlücke für 2027 etwa zur Hälfte schließen, der Rest durch Kürzungen – etwa den Wegfall von Zuschüssen für Gartenarbeit bei ambulant Pflegebedürftigen sowie eine gestreckte Auszahlung von Zuschlägen für Heimbewohner.

Der Beitragszuschlag für Kinderlose soll auf 0,7 Prozentpunkte steigen, die Beitragsbemessungsgrenze um 14.400 Euro auf 84.150 Euro Jahresgehalt angehoben werden. Ohne solche Sparbeschlüsse läge die Finanzlücke 2029 bei fast 17 Milliarden Euro, der Beitragssatz müsste um fast einen Prozentpunkt steigen.

Ein früherer Entwurf von Gesundheitsministerin Warken hatte unter anderem eine Anhebung des Pflegebeitrags für Kinderlose auf 4,3 Prozent, Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern sowie eine strengere Einstufung in Pflegegrade vorgesehen.

Der Kabinettsbeschluss zum Pflegereformgesetz (PNOG), ursprünglich für den 30. September 2026 terminiert, gilt inzwischen als wackelig; für den 28. September 2026 sind weitere Verhandlungen angesetzt.

Eine von Linnemann geplante Expertenkommission soll Ende Oktober eingesetzt werden und bis März 2027 Vorschläge für eine strukturelle Reform der Pflegeversicherung für die 2030er-Jahre vorlegen – Linnemann warnt, das System sei nicht zukunftsfest und werde in den 2030er-Jahren andernfalls kollabieren.

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Die Pflegeversicherung ist nach Einschätzung der Beteiligten strukturell unterfinanziert, und die Reform hängt in der Verhandlungsphase — Planungssicherheit für Angehörige sieht anders aus. Wer heute einen Heimplatz finanziert, sollte den eigenen Bescheid deshalb nicht auf die angekündigte Entlastung vertagen, sondern die Posten selbst nachrechnen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie den Eigenanteil aus Pflegekosten, Unterkunft und Verpflegung korrekt aufschlüsseln und welche Positionen Sie beanstanden können. Pflegekosten jetzt selbst nachrechnen

Das Inkrafttreten der Reform ist zum 1. Januar 2027 geplant. Linnemann kündigte zudem an, auf die zunächst diskutierte Kürzung der Rentenansprüche für pflegende Angehörige zu verzichten.

Im Rahmen des separaten Beitragsstabilisierungsgesetzes plant Linnemann weitere Einsparungen von 600 bis 700 Millionen Euro, während Krankenhäuser noch 495 beziehungsweise 550 Millionen Euro erhalten sollen. Ob das Sparpaket tatsächlich die Krankenkassenbeiträge stabilisiert, hält TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas für unsicher.

Mehr zum Thema bei FAZ: „Linnemann gegen Pflegedeckel - Warum die Koalition streitet“

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