Pflegeheim, Wien

Pflegeheim Wien: 20 Bewohner monatelang falsch medikamentiert

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Im Wiener Pflegeheim Haus Leopoldau bekamen 20 Bewohner fehlerhaft Medikamente. Die Leitung wurde freigestellt, externe Prüfungen laufen.

Pflegeheim Wien: 20 Bewohner erhielten über Monate falsche Medikamente
Nahaufnahme von Händen, die in einem hellen Pflegeheim Medikamente auf einem Verteilwagen vorbereiten. Illustration mit AI erstellt.

Im Pflegeheim Haus Leopoldau der Organisation Häuser zum Leben in Wien haben über einen längeren Zeitraum 20 von 350 Bewohnerinnen und Bewohnern falsche Medikamente erhalten. Der Fall zeigt exemplarisch, wie fehleranfällig die Medikamentenversorgung in Pflegeeinrichtungen sein kann und welche Konsequenzen ein solcher Vorfall organisatorisch, rechtlich und personell nach sich zieht.

Was passiert ist

Laut Häuser zum Leben wurden mehreren Bewohnern Medikamente in falscher Dosierung, zur falschen Tageszeit oder in falscher Darreichungsform verabreicht. Konkret betroffen war unter anderem das Präparat Seractil, das zweimal statt der vorgesehenen dreimal täglich verabreicht wurde.

Ein Vitamin-D-Präparat wurde als Tropfen statt in Tablettenform gegeben, und ein Medikament gegen eine überaktive Blase blieb in mindestens einem Fall gänzlich unverabreicht.

Nach Angaben von Häuser zum Leben wurden zudem teils abgesetzte oder gar nicht verschriebene Medikamente ausgegeben. Der erste bekannte Fall einer solchen Fehlmedikation trat im März 2025 auf, bevor sich das Muster offenbar über einen längeren Zeitraum fortsetzte.

Gesundheitliche Folgen bislang unauffällig

Der Gesundheitszustand der 20 betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner gilt nach aktuellem Stand als unauffällig. Bei zwei Betroffenen stehen jedoch noch Labortests aus, deren Ergebnisse Aufschluss darüber geben sollen, ob die Fehlmedikation gesundheitliche Auswirkungen hatte.

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Personelle Konsequenzen und behördliche Prüfung

Als Reaktion auf die Vorfälle wurden die zuständige Teamleiterin sowie die Direktorin des Hauses freigestellt. Häuser zum Leben spricht in diesem Zusammenhang von Personalversagen. Die Organisation hat zudem eine zusätzliche Kontrollebene bei der Medikamentenausgabe eingezogen, um vergleichbare Fehler künftig frühzeitiger zu erkennen.

Neben den internen Maßnahmen ist auch die Wiener Magistratsabteilung 40 (MA40), die für Soziales und Pflege zuständig ist, aktiv in den Fall eingebunden. Zur weiteren Aufklärung läuft eine externe Prüfung, die von der Beratungsgesellschaft Sebesta und der Kanzlei Baker McKenzie durchgeführt wird – laut ORF handelt es sich dabei um zwei unabhängige Gutachter. Parallel dazu prüft die Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung zu dem Fall.

Einordnung

Der Fall im Haus Leopoldau reiht sich in eine grundsätzliche Herausforderung der stationären Pflege ein: Die korrekte Verabreichung von Medikamenten an eine große Zahl von Bewohnerinnen und Bewohnern mit unterschiedlichen Verordnungen erfordert lückenlose Kontrollmechanismen.

Fehler bei Dosierung, Darreichungsform oder Verabreichungszeitpunkt können, wie der Wiener Fall zeigt, über Monate unentdeckt bleiben, bevor sie systematisch aufgedeckt werden.

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Für Angehörige von Pflegeheimbewohnern wirft der Vorfall Fragen zur Kontrolldichte in Einrichtungen auf, insbesondere zur Frage, wie Medikamentenvergaben dokumentiert und gegengeprüft werden.

Die laufenden externen Prüfungen durch Sebesta und Baker McKenzie sowie die staatsanwaltschaftliche Prüfung sollen klären, ob es sich um ein isoliertes Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter handelte oder ob strukturelle Mängel in den Abläufen des Hauses eine Rolle gespielt haben. Bis zum Abschluss dieser Prüfungen bleibt offen, welche weiteren Konsequenzen sich für Häuser zum Leben und die betroffene Einrichtung ergeben.

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