Pflegeheim-Kosten, Eigenanteile

Pflegeheim-Kosten: Eigenanteile steigen auf 3.364 € monatlich

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 08:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Pflegeversicherung verzeichnet ein Defizit, während Heime teurer werden. Reformdetails der Bundesregierung sind weiterhin nicht konkretisiert.

Pflegeversicherung vor Milliardenlücke: Beiträge und Eigenanteile steigen
Leerer Flur in einem modernen Pflegeheim mit sanftem Lichteinfall durch große Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die finanzielle Stabilität der sozialen Pflegeversicherung steht vor erheblichen Herausforderungen. In aktuellen Stellungnahmen Ende August 2026 verdeutlichten führende Branchenvertreter die angespannte Lage der Kassen. Angesichts drohender Defizite im Milliardenbereich rücken sowohl die Beitragsentwicklung als auch die staatliche Refinanzierung in den Fokus der gesundheitspolitischen Debatte.

Drohende Defizite und Forderungen an den Bund

Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, prognostizierte Ende August 2026 steigende Pflegebeiträge, sofern keine gegensteuernden Maßnahmen ergriffen werden. Die Wahrscheinlichkeit für stabile Beiträge schätzte er lediglich auf 50:50 ein. In diesem Zusammenhang forderte Baas die Bundesregierung auf, pandemiebedingte Mittel in Höhe von 6 Mrd. € an die Pflegeversicherung zurückzuzahlen.

Diese Einschätzung deckt sich mit Warnungen aus anderen Bereichen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Die AOK-Vorstandsvorsitzende Reimann wies auf ein erwartetes Defizit von 8 Mrd. € in der Pflegeversicherung hin.

Ein vom Bund gewährtes Darlehen über 3,2 Mrd. € werde nach ihrer Einschätzung nicht ausreichen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Für das Jahr 2027 prognostiziert die AOK ein Defizit in Höhe von 8 Mrd. €. Auch der GKV-Spitzenverband ging bereits im Mai 2026 von einer Finanzierungslücke von gut 4 Mrd. € aus.

Die wirtschaftliche Schieflage wird durch die Bilanz des ersten Quartals 2026 untermauert. In diesem Zeitraum verzeichnete die Pflegeversicherung ein Defizit von 667 Mio. €. Während die Einnahmen um 7,7 % stiegen, legten die Ausgaben im selben Zeitraum um 9,1 % zu.

Belastungen für Beitragszahler und Rentner

Der aktuelle Beitragssatz zur Pflegeversicherung liegt seit Anfang 2025 bei 3,6 %. Eine Besonderheit betrifft Rentner, die diesen Beitrag in voller Höhe allein tragen müssen. Beispielrechnungen verdeutlichen die Auswirkungen möglicher Erhöhungen: Bei einer monatlichen Rente von 1.800 € entfallen derzeit 64,80 € auf die Pflegeversicherung. Sollte der Beitragssatz um 0,4 Prozentpunkte steigen, würde sich diese Belastung auf 72 € pro Monat erhöhen.

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Zusätzlich zur Pflegeversicherung belasten die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) das Budget der Versicherten. Der durchschnittliche GKV-Zusatzbeitrag liegt bei 2,9 %, während der allgemeine Beitragssatz 14,6 % beträgt.

Eine gesetzliche Änderung im Bundestag erschwert zudem die Transparenz für Versicherte: Die Informationspflicht bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrags wurde gestrichen, was das Sonderkündigungsrecht in der Praxis schwerer ausübbar macht.

Steigende Eigenanteile in der stationären Pflege

Parallel zu den Beiträgen steigen die Kosten für die direkte pflegerische Versorgung. Der bundesweite Durchschnitt des pflegebedingten Eigenanteils in Pflegeheimen betrug zum 1. Juli 2026 monatlich 3.364 € im ersten Jahr des Aufenthalts. Dies entspricht einer Steigerung von 256 € gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Regional zeigen sich dabei deutliche Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen liegen die Eigenanteile im Kreis Paderborn bei 3.146,84 €, im Kreis Lippe bei 3.131,50 € und in Minden-Lübbecke bei 2.981,40 € pro Monat. In Hamburg, etwa im Schilling-Stift in Altona, werden Eigenanteile von rund 4.000 € monatlich fällig.

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Diese Kostenentwicklung führt dazu, dass immer mehr Pflegebedürftige auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. In Hamburg stieg die Zahl der Bezieher von Hilfe zur Pflege innerhalb eines Jahres um 5 % auf knapp 13.000 Personen. In Leipzig erhöhten sich die kommunalen Ausgaben für diese Leistungen innerhalb von fünf Jahren sogar um 300 %.

Politische Reformvorschläge und Modelle

Der Deutsche Städtetag schlug zur Entlastung einen Deckel für den pflegebedingten Eigenanteil bei 1.500 € pro Monat vor. Dies würde für Betroffene im ersten Jahr eine Entlastung von 1.864 € bedeuten. Auf politischer Ebene werden zudem strukturelle Änderungen diskutiert.

Während die ehemalige Gesundheitsministerin Warken (CDU) eine Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige um 30 % plante, um 1,8 Mrd. € einzusparen, wurde dieses Vorhaben innerhalb der Partei gestoppt. Carsten Linnemann sprach sich gegen Kürzungen der Rentenansprüche pflegender Angehöriger aus.

Die Pflegekassen selbst fordern eine vollständige Steuerfinanzierung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, die Rentenansprüche bis zu einem Wort von 740 € erwerben können.

Ein Blick ins Ausland zeigt alternative Finanzierungsmodelle: In Dänemark wird die Pflege öffentlich finanziert, sodass Bewohner lediglich Kosten für Miete, Verpflegung und Energie tragen müssen, wobei die Obergrenze bei 4.453 Dänischen Kronen liegt.

Die OECD-Ausgaben für Langzeitpflege betragen dort etwa 3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Bundesregierung plant zwar Reformen der Pflegeversicherung, konkrete Details dazu bleiben jedoch bislang offen.

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