Pflegeheim-Kosten: Eigenanteil springt auf 3.364 Euro monatlich
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 23:58 Uhr, Redaktion boerse-global.de
364 Euro gestiegen. Das sind 256 Euro mehr als im Vorjahr.
Die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige wächst rasant. Allein seit Jahresbeginn erhöhte sich der Eigenanteil um 119 Euro monatlich. Die Politik zögert mit einer Reform.
Was hinter den steigenden Kosten steckt
Der pflegebedingte Eigenanteil macht mit über 2.000 Euro den größten Posten aus – ein Plus von 226 Euro im Vergleich zum Sommer 2025. Hinzu kommen Unterkunft und Verpflegung für rund 1.086 Euro sowie Investitionskosten von durchschnittlich 521 Euro.
Branchenexperten führen den Anstieg vor allem auf gestiegene Personalkosten zurück. Tarifliche Anpassungen in der Pflegebranche treiben die Preise.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die Kosten variieren enorm. In Bremen zahlen Bewohner mit durchschnittlich 3.761 Euro am meisten. In Sachsen-Anhalt sind es mit 2.891 Euro am wenigsten. Auch das Saarland liegt mit 3.695 Euro weit über dem Durchschnitt.
Die Ersatzkassen kritisieren die Bundesländer. Diese kämen ihrer gesetzlichen Pflicht zur Übernahme der Investitions- und Ausbildungskosten nicht nach. Schätzungen zufolge könnten die Eigenanteile dadurch um bis zu 649 Euro sinken.
Der Eigenanteil für Pflegeheime ist auf 3.364 Euro gestiegen – 256 Euro mehr als im Vorjahr. Doch viele Angehörige zahlen mehr als nötig. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie den Eigenanteil legal senken können – mit einer Checkliste und einem Vergleichsrechner für alle Bundesländer. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
PNOG: Die geplante Reform im Überblick
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bereitet das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNOG) vor. Ziel: Ein prognostiziertes Defizit von rund 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2027 abwenden. Fachleute taxieren den tatsächlichen Bedarf sogar auf bis zu 11,3 Milliarden Euro.
Das Kernstück der Reform: Die Entlastungszuschläge für Heimbewohner werden gestreckt. Bisher gab es die höchste Stufe von 75 Prozent nach drei Jahren. Künftig soll das erst nach 4,5 Jahren der Fall sein. Die einzelnen Stufen verlängern sich von 12 auf 18 Monate. Allein diese Maßnahme soll 2027 Einsparungen von 2,6 Milliarden Euro bringen.
Zur Debatte steht auch die Aussetzung der Tariftreuepflicht. Der Entwurf sieht vor, die Verpflichtung zur tariflichen Bezahlung für vier Jahre auszusetzen. Auch eine Verschärfung der Kriterien bei der Pflegegradeinstufung ist im Gespräch.
Einnahmen und politischer Streit
Die geplante Pflegereform streckt die Entlastungszuschläge – statt 75 % nach 3 Jahren erst nach 4,5 Jahren. Das kostet Sie bares Geld. Unser Ratgeber erklärt, wie Sie durch einen Pflegegrad-Widerspruch und geschickte Wahl des Heims Tausende Euro sparen. Ratgeber mit Widerspruchs-Anleitung sichern
Der allgemeine Beitragssatz soll stabil bei 3,6 Prozent bleiben. Für Kinderlose ist eine Anhebung auf 4,3 Prozent geplant. Weitere Optionen: Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, eine Beitragspflicht für Minijobs und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung.
Innerhalb der Regierung und bei den Verbänden herrscht Uneinigkeit. Die Kabinettsbefassung wurde mehrfach verschoben – nun für Ende Juli 2026 erwartet. Arbeitgeberverbände und Pflegevertretungen warnen vor einer einseitigen Belastung der Pflegebedürftigen und schlechteren Arbeitsbedingungen. Fachleute fordern eine stärkere Kapitaldeckung und private Zusatzversicherungen.
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