Pflegefinanzierung, NRW-Bürger

Pflegefinanzierung: 109.325 NRW-Bürger auf Sozialhilfe angewiesen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Nordrhein-Westfalen bezogen 2025 mehr Menschen Pflegehilfe. Hohe Heimkosten belasteten Betroffene und Kommunen zunehmend.

NRW: Mehr Pflegehilfe wegen hoher Heimkosten und Eigenanteile
Ein leerer, sonnendurchfluteter Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit hellen Wänden und neutralem Bodenbelag. Illustration mit AI erstellt.

Die finanzielle Belastung für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige hat im Jahr 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Immer mehr Betroffene sind aufgrund der steigenden Kosten für die stationäre Unterbringung nicht mehr in der Lage, die Aufwendungen aus eigenen Mitteln zu bestreiten. In der Folge ist die Zahl der Empfänger von Hilfe zur Pflege nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) XII deutlich gestiegen.

Statistische Entwicklung der Hilfeempfänger in NRW

Nach Daten des statistischen Landesamtes IT.NRW, veröffentlicht in einem Bericht vom 21. September 2026, erhielten im Jahr 2025 insgesamt 109.325 Menschen in Nordrhein-Westfalen Hilfe zur Pflege. Dies entspricht einem Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert das dritte Jahr in Folge, in dem die Zahl der Bezieher gestiegen ist.

Ein Blick auf die Zeitreihe verdeutlicht den Trend: Während im Jahr 2021 noch 104.020 Personen Unterstützung erhielten, sank die Zahl 2022 zunächst auf 94.030, um danach kontinuierlich über 99.395 (2023) und 104.305 (2024) auf den aktuellen Wert zu klettern.

Von den Beziehern im Jahr 2025 entfiel mit 91.125 Personen der Großteil von 83 Prozent auf Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Dies stellt eine Steigerung von 5 Prozent gegenüber 2024 und 2 Prozent im Vergleich zu 2021 dar.

Parallel dazu stieg die Zahl der Empfänger außerhalb von Einrichtungen um 4 Prozent auf 18.300 Personen. Innerhalb dieser Gruppe bildeten das Pflegegeld für häusliche Betreuung (10.305 Personen) sowie häusliche Pflegehilfen als Sachleistung (9.610 Personen) die häufigsten Hilfearten.

Die demografische Auswertung von IT.NRW zeigt zudem, dass 67 Prozent der Bezieher weiblich waren. Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei 83 Jahren, während Männer im Schnitt 74 Jahre alt waren; das Gesamtdurchschnittsalter der Hilfeempfänger betrug 80 Jahre.

Finanzielle Belastung für Pflegebedürftige und Kommunen

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Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der hohe Eigenanteil bei der Heimunterbringung. Laut einem Bericht des WDR vom 21. September 2026 lag dieser Eigenanteil in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2025 bei durchschnittlich 3.671 Euro pro Monat. Damit liegt das Bundesland deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 3.364 Euro.

Die steigenden Fallzahlen belasten zunehmend die kommunalen Haushalte. Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen wendeten im Jahr 2025 insgesamt 1,3 Milliarden Euro für die Hilfe zur Pflege auf. Damit stellt dieser Bereich nach der Grundsicherung im Alter den zweitgrößten Posten innerhalb der Sozialhilfeausgaben dar.

Beispielhaft für diese Entwicklung stehen die Zahlen aus dem Rhein-Kreis Neuss: Dort sind die Ausgaben für Hilfe zur Pflege seit 2023 um rund 22 Prozent gestiegen. Als Hauptgrund nannte der Kreis die gestiegenen Kosten pro Fall durch teurere Heimplätze. Da die Hilfe zur Pflege eine gesetzliche Pflichtaufgabe ist, bestehen für die Kommunen kaum Einsparmöglichkeiten.

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Politische Forderungen und gesetzliche Neuregelungen

Angesichts dieser Entwicklung fordert der Städte- und Gemeindebund eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung sowie eine Deckelung des Eigenanteils. Innerhalb der Politik werden hierzu unterschiedliche Positionen vertreten.

Während sich NRW-Gesundheitsminister Laumann skeptisch gegenüber einer Deckelung äußerte, forderte der pflegepolitische Sprecher Klute (SPD) eine gerechtere Finanzierung der Pflege. Bundesgesundheitsminister Linnemann kündigte unterdessen die Einsetzung einer Expertenkommission für eine umfassende Pflegereform an.

Das Bundeskabinett plant, den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes noch im September 2026 zu beschließen. Nach Informationen des Schwesternverbandes sieht das Gesetz signifikante Änderungen vor. So soll der bisherige gemeinsam Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von 3.539 Euro nahezu vollständig entfallen.

Stattdessen ist ein Überbrückungsbudget vorgesehen, das sich bei den Pflegegraden 2 und 3 auf 1.855 Euro sowie bei den Pflegegraden 4 und 5 auf 2.285 Euro beläuft. Die Inanspruchnahme soll zudem auf pflegerische Akutsituationen beschränkt sein, die durch einen neuen Dienst namens „Pflegebegleitung“ bestätigt werden müssen.

Der Schwesternverband warnte davor, dass diese Neuregelungen zu höheren Eigenanteilen führen und die Sozialhilfeträger weiter belasten könnten. Positiv hervorgehoben wurde hingegen die geplante Dynamisierung der Leistungsbeträge in der Pflegeversicherung.

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