Pflegebedürftigkeit: Zahl könnte bis 2055 auf fast sieben Millionen steigen
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deAngesichts eines komplexen Leistungsrechts und steigender Zahlen von Pflegebedürftigen bieten Pflegestützpunkte verstärkt Informationsveranstaltungen und Sprechstunden an. Die regionalen Initiativen sollen älteren Menschen und ihren Angehörigen Orientierung im System der Pflegegrade bieten und über gesetzliche Ansprüche sowie Hilfsangebote aufklären.
Regionale Sprechstunden und Beratungsangebote vor Vor Ort
Bundesweit setzen Einrichtungen auf niederschwellige Termine in Kommunen. Am 3. November 2026 laden die AG60plus und Freunde im SPD-Kreisverband Saarpfalz um 15 Uhr zu einem Stammtisch ins Homburger Brauhaus im Saarpfalzcenter ein. Dort stellt Christian Brenner die Arbeit des Pflegestützpunktes im Saarpfalzkreis vor und erläutert Pflegegrade, Pflegegeld sowie kombinierbare Leistungen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
In Travemünde bietet der Pflegestützpunkt Lübeck am 4. November 2026 eine monatliche Sprechstunde im Gesellschaftshaus in der Bücherstube in der Torstraße 1 an. Für die vertrauliche, unabhängige und kostenlose Beratung sind Terminvereinbarungen bis zum 3. November 2026 um 15 Uhr unter 0451/122-4931 oder 0451/122-6448 möglich.
Stefanie Fahrer von der Pflegeberatung im Rhein-Neckar-Kreis hält am 5. November 2026 von 13.30 bis 16.30 Uhr eine kostenlose Beratung im Rathaus Waibstadt ab; Anmeldungen laufen telefonisch unter 06221 5222622 oder per E-Mail an s.fahrer@rhein-neckar-kreis.de.
Der Senioren- und Pflegestützpunkt Nord führt am 11. November 2026 von 14 bis 16 Uhr eine kostenlose Sprechstunde in der Seniorenbegegnungsstätte in der Gartenstraße 10 in Großburgwedel durch. Die Themen umfassen Pflege, Betreuung, Leistungen der Pflegeversicherung, Sozialleistungen und Anträge auf Pflegegrade. Vorab ist eine Terminabsprache unter 0511/616-20120 notwendig.
In Brandenburg organisiert der Förderverein Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e. V. eine offene Sprechstunde unter dem Titel „Pflege vor Ort“ von 13 bis 15 Uhr im TWG-Genossenschaftstreff in der Ruhlsdorfer Straße 24 in Teltow. Die Teilnehmerzahl ist auf acht Personen pro Termin begrenzt, Anmeldungen werden unter 03328-3310964 empfohlen.
Wohnumfeld, Tagespflege und demografische Entwicklung
Neben allgemeinen Sprechstunden stehen Spezialthemen und Prävention auf der Agenda. Tina Lauer vom Pflegestützpunkt Landkreis St. Wendel hält am 19. November 2026 um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses Tholey einen kostenlosen Fachvortrag zum Thema „Hilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Rückfragen sind unter 06853 508-40 oder via generationenbuero@tholey.de möglich.
Der Pflegestützpunkt Mühldorf thematisierte beim Tag der häuslichen Pflege in Gars am Inn die Tagespflege als teilstationäres Angebot. Auf der Veranstaltung wurde darauf hingewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Pflegefall bei Männern bei 50 Prozent und bei Frauen bei fast 75 Prozent liege.
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Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland stieg von gut zwei Millionen im Jahr 1999 über das Doppelte im Jahr 2019 auf 5,7 Millionen im Jahr 2023 an; für das Jahr 2055 wird ein Anstieg auf fast sieben Millionen prognostiziert. Zudem wies Dr. Stephan von Clarmann darauf hin, dass 30 Prozent der Oberschenkelhalsbrüche bei älteren Menschen tödlich verlaufen.
Beratungsbedarf mit Blick auf die Reformpläne
Auch künftige gesetzliche Änderungen beschäftigen die Beratungsstellen. Der Pflegestützpunkt Ostallgäu informiert über eine geplante Pflegereform ab dem 1. Januar 2027, über die am 11. Dezember im Bundestag und am 18. Dezember im Bundesrat entschieden werden soll.
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Nach diesen Plänen sollen die Schwellenwerte lediglich für die Pflegegrade 1 bis 3 steigen, während die Pflegegrade 4 und 5 unverändert blieben. Für bestehende Einstufungen gelte Bestandsschutz; eine spätere Höherstufung in die Pflegegrade 2 oder 3 müsste jedoch die neuen Schwellen erfüllen. Anträge, die bis zum 31. Dezember 2026 gestellt werden, unterliegen noch den alten Regelungen.
Hinsichtlich der Verbrauchspflegehilfsmittel weist der Pflegestützpunkt Ostallgäu darauf hin, dass die eigenständige Kostenübernahme von bisher bis zu 42 Euro im Monat entfallen und künftig aus dem geplanten Entlastungsbudget finanziert werden soll. Laut dem Bundesgesundheitsministerium sei dies jedoch noch nicht entschieden. Ein Fachberater empfiehlt Betroffenen daher, bestehende Lieferverträge aufmerksam zu prüfen.
