Pflege-Vollversicherung, Eigenanteil

Pflege-Vollversicherung: Eigenanteil soll auf 1.500 Euro gedeckelt werden

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kommunen leiden unter Rekordausgaben bei der Hilfe zur Pflege. Der Städtetag fordert eine Vollversicherung mit 1.500-Euro-Deckel, um Städte und Betroffene zu entlasten.

Städtetag fordert Pflege-Vollversicherung mit Eigenanteil-Deckel
Ein helles, modernes Zimmer in einem Pflegeheim mit Blick auf eine deutsche Stadt bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts massiv steigender Kosten für die Pflege und einer wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland wird der Ruf nach einer grundlegenden Systemumstellung lauter. Der Deutsche Städtetag setzt sich im August 2026 für den Umbau der bisherigen Pflegeversicherung in eine Pflege-Vollversicherung ein.

Ziel dieses Vorstoßes ist es, die finanzielle Belastung der Kommunen durch rasant steigende Sozialhilfeausgaben zu begrenzen und die Eigenanteile für Betroffene kalkulierbar zu machen.

Wachsender Finanzdruck durch steigende Sozialhilfeausgaben

Die finanzielle Lage der deutschen Städte und Gemeinden hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Nach Angaben des Deutschen Städtetags beläuft sich das jährliche Defizit der Kommunen auf 30 Milliarden Euro.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die Ausgaben für die sogenannte Hilfe zur Pflege – eine Form der Sozialhilfe, die dann einspringt, wenn das eigene Einkommen und die Leistungen der Pflegeversicherung nicht mehr ausreichen, um die Heimkosten zu decken.

Im Vorjahr beliefen sich die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege auf 6 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 13,3 Prozent gegenüber dem vorangegangenen Zeitraum entspricht. Besonders deutlich wird die Dynamik bei der Betrachtung des Anteils dieser Leistungen an der gesamten Sozialhilfe: Dieser stieg von 23,6 Prozent auf 27,8 Prozent.

Am Beispiel von Leipzig wird die Entwicklung besonders plastisch; dort erhöhten sich die Aufwendungen für die Hilfe zur Pflege innerhalb von fünf Jahren um 300 Prozent. Städtetagspräsident Burkhard Jung sieht in einer Reform das Potenzial für eine Entlastung der Kommunen in Milliardenhöhe.

Das Modell der Vollversicherung und die Deckelung der Eigenanteile

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Der Kern der Forderung liegt in einer Neudefinition des Versicherungscharakters. Aktuell fungiert die Pflegeversicherung lediglich als Teilkaskoversicherung, die nur einen Teil der Kosten übernimmt. Die restlichen Kosten müssen von den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Der durchschnittliche Eigenanteil liegt laut aktuellen Erhebungen bei 3.364 Euro pro Monat – eine Summe, die viele Rentner und deren Familien überfordert.

Das vorgeschlagene Modell der Vollversicherung sieht vor, dass die Pflegekassen sämtliche pflegebedingten Kosten übernehmen, die einen bestimmten Schwellenwert überschreiten. Konkret wird in der politischen Diskussion, unter anderem basierend auf Vorschlägen aus dem Saarland durch Anke Rehlinger, eine Deckelung des Eigenanteils bei 1.500 Euro erörtert.

Alles, was über diesen Betrag hinausgeht, soll von der Versicherung getragen werden. Dies würde nicht nur die Betroffenen vor dem sozialen Abstieg schützen, sondern auch verhindern, dass Pflegebedürftige unmittelbar auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.

Reformpläne und politische Herausforderungen im Jahr 2026

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist mittlerweile auf über 6 Millionen Menschen angewachsen. Gleichzeitig stehen die Pflegekassen selbst unter erheblichem finanziellem Druck. In den kommenden zwei Jahren wird dort mit einem Defizit von insgesamt 22,5 Milliarden Euro gerechnet. Vor diesem Hintergrund plant die Bundesregierung, eine umfassende Reform im Herbst 2026 vorzustellen, die noch im selben Jahr verabschiedet werden soll.

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Die politische Umsetzung gilt jedoch als schwierig. Innerhalb der Entscheidungsträger gibt es unterschiedliche Positionen zum Weg der Finanzierung. Während der Städtetag auf die Vollversicherung drängt, gibt es auch Gegenstimmen. So positionierte sich die Politikerin Warken gegen eine solche Vollversicherung.

Zudem fällt die anstehende Reform in die Amtszeit des neuen Ministers Linnemann, der die Aufgabe hat, die Finanzstabilität der Kassen mit der notwendigen Entlastung der Bürger und Kommunen in Einklang zu bringen. Ob die angekündigte Reform im Herbst 2026 tatsächlich die geforderte systemische Wende bringen wird, bleibt abzuwarten.

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