Pflanzenschutzmittel: 96,4% wollen umweltschonendes Gärtnern
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 14:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel steht zunehmend im Zentrum von Debatten über Umwelt- und Gewässerschutz. Während die Belastungen von Böden und Gewässern durch langlebige Chemikalien wissenschaftlich neu bewertet werden, fordert der Verband Wohneigentum in seinem Positionspapier mit dem Titel „Mit der Natur, nicht gegen sie“ einen konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel im Hausgarten. Der Verband spricht sich dafür aus, keine neuen Zulassungen für Privatgärten sowie öffentliche Grünflächen mehr zu erteilen.
Wandel im Bewusstsein privater Gartenbesitzer
Hintergrund der Initiative des Verbands Wohneigentum sind veränderte Einstellungen in der Bevölkerung. Eine verbandsinterne Umfrage unter rund 600 Mitgliedern ergab, dass 96,4 Prozent der Befragten ein umweltschonendes Gärtnern für wichtig oder sehr wichtig halten. Dennoch greift laut der Erhebung noch jede fünfte Person im Garten zu chemischen Produkten.
Im Jahr 2014 hatte dieser Anteil noch bei 27 Prozent gelegen, was einem Rückgang um 7 Prozentpunkte in zwölf Jahren entspricht. Neben dem Verbot von Neuzulassungen verlangt die Organisation daher verstärkte Aufklärungsmaßnahmen sowie gezielte Schulungen für das Verkaufspersonal im Handel.
Strengere Grenzwerte und Belastungen durch Abbauprodukte
Die Diskussion um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln fällt mit neuen Bewertungen auf europäischer Ebene zusammen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den sicheren Grenzwert für die tägliche Aufnahme von Trifluoressigsäure (TFA) deutlich abgesenkt.
Diese Neubewertung stützt sich auf aktuelle wissenschaftliche Daten und fließt in die laufenden Beratungen der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten ein, woraus sich regulatorische Konsequenzen ergeben könnten.
An allen 16 amtlichen Vergleichsmessstellen sind die TFA-Werte gestiegen, im Mittel von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter. Ein großer Teil davon stammt aus Pflanzenschutzmitteln, die über den Boden ins Grundwasser wandern. Wie Sie Ihren Garten Schritt für Schritt ohne Chemie umstellen, zeigt dieser kostenlose Leitfaden. Kostenlosen Garten-Leitfaden anfordern
Untersuchungen der niederländischen Aufsichtsbehörde ILT verdeutlichen die Dimensionen des Problems: Demnach setzen PFAS-haltige Pflanzenschutzmittel in den Niederlanden jährlich mindestens 21.000 Kilogramm TFA frei. Der Einsatz dieser Mittel stieg laut Berichten der ILT von 250.000 Kilogramm im Jahr 2022 auf bis zu 456.000 beziehungsweise 465.000 Kilogramm im Jahr 2024 an.
Da TFA in der Umwelt kaum abbaubar ist, droht eine langfristige Anreicherung im Grund-, Oberflächen- und Trinkwasser. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der TFA-Gehalt im Tiefengrundwasser innerhalb von 20 Jahren den Richtwert des niederländischen Instituts RIVM überschreiten.
Zwar erfüllt das Trinkwasser nach Angaben der ILT derzeit die geltenden Normen, enthält jedoch vielfach mehr PFAS als von RIVM empfohlen. Für die Trinkwasseraufbereitung rechnet die Behörde mit zusätzlichen Kosten in Milliardenhöhe.
Kontroversen um Messdaten und Forderungen nach Verboten
Fast alle Gartenbesitzer halten umweltschonendes Gärtnern für wichtig — doch noch jede fünfte Person greift zur chemischen Spritze. Dabei reichen oft einfache Werkzeuge und der richtige Zeitpunkt, um Unkraut und Schädlinge loszuwerden. Die 5 wichtigsten natürlichen Alternativen zu Pestiziden finden Sie hier. 5 Alternativen ohne Chemie ansehen
Auch im deutschsprachigen Raum sorgt die Gewässerbelastung für Auseinandersetzungen. Die Umweltorganisation GLOBAL 2000 stellte fest, dass die TFA-Werte an allen 16 amtlichen Vergleichsmessstellen, verteilt auf acht Bundesländer, gestiegen sind – im Mittel von 1,36 auf 2,86 Mikrogramm pro Liter, was einem Zuwachs von mehr als 100 Prozent entspricht. Das österreichische Landwirtschaftsministerium (BMLUK) bezweifelte die Aussagekraft dieser Ergebnisse und verwies auf eine mutmaßlich gezielte Auswahl der Messstellen, woraufhin GLOBAL 2000 den Vorwürfen widersprach.
Angesichts der Befunde formiert sich breiter Widerstand gegen den weiteren Einsatz entsprechender Stoffe. Die Organisation Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt (ÄGU) sowie der europäische Dachverband der Trinkwasserversorger EurEau, vertreten durch Generalsekretär Oliver Loebel, sprechen sich für ein Verbot von TFA-bildenden Produkten aus, das auch PFAS-haltige Pestizide umfassen soll.
