Pflanzenextrakte, Schmerzen

Pflanzenextrakte gegen Schmerzen: Unicamp-Kombination wirkt über sechs Stunden

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Präklinische Tests zeigen längere Schmerzlinderung; Phytochem plant zunächst eine kosmetische Creme und wartet auf die Förderentscheidung.
Nahaufnahme von botanischen Pflanzenextrakten und grünen Blättern auf einer hellen Laboroberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung pflanzlicher Wirkstoffe zur Behandlung von Entzündungen und Schmerzzuständen gewinnt in der akademischen und pharmazeutischen Entwicklung zunehmend an Bedeutung. Ein zentrales Ergebnis dieser Bestrebungen stellt die Patentierung einer spezifischen Kombination zweier Pflanzenextrakte durch die brasilianische Universität Unicamp dar.

Die geschützte Rezeptur vereint Extrakte aus Sucupira (Pterodon pubescens) sowie Erva-baleeira (Cordia verbenacea) und zielt auf die Linderung von muskulären Beschwerden sowie Entzündungsschmerzen ab. Das zuständige Institut INPI erteilte hierfür das entsprechende Patent.

Wirkungsverlängerung in präklinischen Versuchen

Die wissenschaftliche Grundlage der Formulierung basiert auf Untersuchungen zur Kombination beider Pflanzen, deren Entwicklung durch die Forschungsförderungsorganisation Fapesp unterstützt und im nationalen System SisGen registriert wurde. In präklinischen Tierversuchen zeigte sich ein deutlicher synergistischer Effekt: Durch das Zusammenspiel der Extrakte konnte die erforderliche Dosis der Wirkstoffe reduziert werden.

Gleichzeitig verlängerte sich die analgetische und entzündungshemmende Wirkungsdauer signifikant. Während die Einzelkomponenten eine Wirksamkeit von vier Stunden aufwiesen, hielt der lindernde Effekt der kombinierten Rezeptur über sechs Stunden an.

Verwertungsstrategie und regulatorische Schritte

Für die wirtschaftliche Umsetzung der Technologie schloss die Universität im Jahr 2025 einen Lizenzvertrag mit der Ausgründung Phytochem ab, die ihren Sitz in Paulínia im Bundesstaat São Paulo hat. Das Unternehmen plant die Markteinführung schrittweise zu gestalten.

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Als erste Anwendung ist ein kosmetisches Creme-Produkt vorgesehen, was einen schnelleren Zugang zum Markt ermöglicht. Eine spätere Einstufung und Vermarktung als offizielles Arzneimittel würde hingegen die Durchführung umfangreicher klinischer Studien voraussetzen.

Zur Absicherung der weiteren Entwicklung reichte Phytochem das Projekt im Förderprogramm Pipe (Phase 1) der Fapesp ein. Die Entscheidung über die Bereitstellung dieser finanziellen Mittel stand zuletzt noch aus.

Einordnung in die Erforschung pflanzlicher Synergien

Die Entwicklung reiht sich in ein breites Forschungsfeld ein, das nach natürlichen Ansätzen gegen chronische Schmerzen und entzündliche Prozesse sucht. Chronische, unterschwellige Entzündungen stehen in der medizinischen Forschung in Verbindung mit einer Reihe von Beschwerden, darunter Arthritis, chronische Schmerzsyndrome, Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Depressionen sowie neurodegenerative und onkologische Erkrankungen.

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Ähnlich wie bei der Kombination von Sucupira und Erva-baleeira stehen auch bei anderen Naturstoffen wie Curcumin synergistische Effekte im Fokus. Eine Studie des Lehman College unter Beteiligung von Stephen Redenti und Erstautorin Linda Einbond zeigte etwa, dass Curcumin in Zervixkrebszellen mit Tanshinon IIA synergistisch zusammenwirken kann.

Frühere klinische Untersuchungen dokumentierten zudem graduelle entzündungshemmende Effekte von Curcumin bei Sportlern mit Muskelschmerzen oder Patienten mit Arthrose, wobei auch Begleitstoffe wie Piperin, Ingwer oder Quercetin die Resorption beeinflussen können.

Der von Unicamp patentierte Ansatz verdeutlicht das Bestreben, durch standardisierte Kombinationen traditionell bekannter Heilpflanzen gezielte Dosisreduktionen und Wirkzeitverlängerungen zu erzielen, bevor aufwendige klinische Zulassungsverfahren für den Arzneimittelmarkt angestrebt werden.

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