Pferdefütterung, Zusätze

Pferdefütterung: 61 Prozent nutzen Zusätze – doch Wirkung oft unklar

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 05:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fütterungsmanagement beeinflusst die Magengesundheit von Pferden. Zusätze, Herbstgras und Kohlenhydrate erfordern eine sorgfältige Abstimmung.

Pferdeverdauung: Magengeschwüre vermeiden und Herbstgras richtig füttern
Frisches Heu in einer hölzernen Krippe in einem hellen, ruhigen Pferdestall. Illustration mit AI erstellt.

Verdauungsprobleme zählen bei Pferden zu den häufigsten Ursachen für Leistungsabfall und ein beeinträchtigtes Wohlbefinden. Fachbeiträge widmen sich daher verstärkt der Frage, welche Rolle eine angepasste Fütterung sowie spezifische Futtermittelzusätze bei der Stabilisierung des Magen-Darm-Trakts spielen.

Neben dem Management von Haltung und Raufutterrationen rücken dabei sowohl veterinärmedizinische Behandlungsansätze als auch gezielte Ergänzungsfuttermittel in den Mittelpunkt.

Magengesundheit und Risikofaktoren für Magengeschwüre

Ein zentraler Problembereich im Verdauungstrakt ist das equine Magengeschwür-Syndrom (EGUS). Als wesentliche Auslöser für derartige Schleimhautschäden gelten Fresspausen von mehr als vier Stunden, anhaltender Stress sowie die Gabe von stärkehaltigem Kraftfutter. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, droht im schlimmsten Fall eine tödliche Magenruptur.

Eine verlässliche Diagnose von EGUS ist ausschließlich per Gastroskopie möglich, bei der Tierärzte den Befund in die Schweregrade eins bis vier einteilen. Für die medikamentöse Therapie kommen Protonenpumpenhemmer mit dem Wirkstoff Omeprazol zum Einsatz.

Unter dieser Behandlung zeigt sich häufig nach 7 bis 14 Tagen eine Besserung, während eine vollständige Abheilung der Läsionen meist drei bis sechs Wochen in Anspruch nimmt. Zur Vorbeugung wird empfohlen, Heu mit Fresspausen von maximal drei Stunden bereitzustellen. Zudem kann die Fütterung von Luzerne etwa 15 bis 30 Minuten vor dem Reiten als schützender Puffer dienen.

Einsatz von Futterzusätzen und wissenschaftliche Befunde

In der Praxis greifen viele Pferdehalter auf Ergänzungsfuttermittel zurück. Eine Erhebung aus der Schweiz unter 248 Pferdehaltern ergab, dass 61 Prozent von ihnen regelmäßig Zusätze neben Grundfutter, Kraftfutter und Mineralstoffen verabreichen.

Zu den am häufigsten genutzten Stoffen zählen Magnesium, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E und Selen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass wissenschaftliche Wirkungsnachweise für viele dieser Mittel fehlen.

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Zudem birgt eine unbedachte Gabe Gefahren: Eine Überdosierung von Selen, Jod oder Magnesium kann die Gesundheit der Tiere schädigen. Für bio-zertifizierte Betriebe gilt zudem die Vorgabe, dass Pensionspferde höchstens 10 Prozent konventionelles Futter ohne gentechnisch veränderte Komponenten erhalten dürfen.

Zu den spezifisch für die Magenfunktion entwickelten Präparaten gehört das in Norwegen entwickelte, patentierte Pulver ImproWin®. Es setzt sich aus Salzen organischer Säuren, Kalzium, Natrium, Kalium, Eisen sowie B-Vitaminen zusammen und kommt ohne Karenzzeit aus.

Die Wirkung des Mittels bei Magenulzera des Plattenepithels wurde in einer in der Fachzeitschrift Acta Veterinaria Scandinavica veröffentlichten Untersuchung der Veterinærhøgskolen NMBU in Zusammenarbeit mit der Rikstotoklinikken Bjerke an Trabern dokumentiert.

Zur Vorbeugung wird eine Dosierung von einem Messlöffel (25 Milliliter) pro 400 Kilogramm Körpergewicht täglich veranschlagt; bei bestehenden Magenproblemen beträgt die empfohlene Gabe über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen täglich zwei Messlöffel à 25 Milliliter pro 400 Kilogramm.

Herausforderungen durch Herbstgras und Kohlenhydrate

Neben Magenulzera birgt auch die Zufuhr von leicht verdaulichen Kohlenhydraten Risiken für den Dickdarm. Zwar existiert kein pauschaler Richtwert für den idealen Zucker- und Stärkeanteil, entscheidend ist jedoch die Gesamtration. Gelangen große Stärkemengen auf einmal unverdaut in den Dickdarm, sinkt dort der pH-Wert, was das Risiko für Verdauungsstörungen und Hufrehe stark erhöht.

Besondere Vorsicht ist beim Weidegang im Herbst geboten. Zwar sinkt in dieser Jahreszeit der Nährstoffgehalt des Grases, der Energiebedarf der Tiere hingegen nicht.

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Bei kalten Nachttemperaturen unter 7 bis 8 Grad Celsius und gleichzeitigem Sonnenschein am Tag entsteht sogenanntes Stressgras: Die Pflanzen betreiben Photosynthese, können die Energie wegen der Kälte aber nicht im Wachstum verarbeiten und speichern Fructan sowie Zucker an. Analysen weisen im Herbstgras pro Kilogramm Trockenmasse rund 400 Gramm Zucker, Fructan und Stärke nach.

Zudem reichert sich Fructan bei Trockenheit und kurz abgefressener Grasnarbe an. Experten raten daher, Pferde bei Nachtwerten unter 8 Grad Celsius erst ab mittags auf die Weide zu lassen. Dies gilt in besonderem Maße für übergewichtige Pferde sowie Tiere mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS), PPID oder einer Vorgeschichte von Hufrehe.

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