PFAS und Darmentzündung: Studie weist Zusammenhang bei Kleinkindern
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Studien aus dem Jahr 2026 zeigen alarmierende Zusammenhänge zwischen PFAS-Belastung und entzündlichen Prozessen – besonders bei Kindern und bereits im Mutterleib.
Darmentzündungen schon bei Kleinkindern nachweisbar
Eine Studie des Mount Sinai Krankenhauses liefert nun konkrete Hinweise. Die Forscher untersuchten über 200 Mutter-Kind-Paare und stellten fest: Sowohl die pränatale Belastung als auch die Exposition in der frühen Kindheit hängen mit erhöhten Calprotectin-Werten zusammen. Dieser Biomarker gilt als zuverlässiger Indikator für Entzündungen im Darm.
„Die Ergebnisse deuten auf einen signifikanten Beitrag dieser Chemikalien zur Entstehung von Darmentzündungen hin", erklärte Studienautorin Dr. Manasi Agrawal. Besonders brisant: In sämtlichen untersuchten Proben fanden die Wissenschaftler PFAS. Die Chemikalien sind allgegenwärtig.
Parallel dazu zeigen globale Daten von 1990 bis 2021: Die Sterblichkeit bei frühkindlichen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sank zwar um 71 Prozent. Doch die Neuerkrankungsrate in hoch entwickelten Ländern bleibt stabil auf hohem Niveau.
Wie PFAS das Darmmikrobiom angreifen
Um die biologischen Mechanismen dahinter zu verstehen, fördert die US-Gesundheitsbehörde NIH eine neue Studie an der Penn State University mit 2,8 Millionen Dollar. Yuan Tian untersucht dort, wie PFAS mit dem Darmmikrobiom interagieren und den Stoffwechsel beeinflussen.
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Erste Ergebnisse zeigen: Bakterienstämme reagieren extrem unterschiedlich auf die Chemikalien. Manche sind hoch empfindlich, andere erweisen sich als resistent. Der Fokus liegt auf den Substanzen PFOS und PFOA sowie auf bisher wenig erforschten Vorläuferstoffen.
Forscher der Washington University und der UK Biobank liefern ergänzende Erkenntnisse: Jüngere Geburtskohorten – besonders Menschen zwischen 1990 und 1999 – zeigen eine wachsende Kluft zwischen chronologischem und biologischem Alter. Das Risiko für früh auftretenden Darmkrebs liegt bei der 1990er-Kohorte mindestens viermal höher als bei Menschen aus den 1960er-Jahren.
Zwei Verfahren versprechen Durchbruch beim PFAS-Abbau
Angesichts der Langlebigkeit dieser Substanzen gewinnen neue Abbauverfahren an Bedeutung. Forscher des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) stellten im Frühjahr und Sommer 2026 zwei vielversprechende Ansätze vor:
Hydrodynamische Kavitation erzielte in Tests einen Abbau von 37 Prozent bei PFOS. Das Ziel der Wissenschaftler: über 80 Prozent.
Kaltes Atmosphärenplasma erreichte durch Gasdispersion eine Fluoridfreisetzung von rund 35 Prozent. Das ermöglicht einen fast vollständigen Abbau sowohl lang- als auch kurzkettiger PFAS-Verbindungen.
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Das HZDR plant nun, beide Verfahren zu kombinieren, um die Effizienz weiter zu steigern. Die EU und die Helmholtz-Gemeinschaft finanzieren die Projekte.
Weltweit verschärfen sich die Regeln
Die regulatorische Entwicklung beschleunigt sich. Neuseeland hat PFAS in Feuerlöschschäumen bereits verboten, ab 2026 folgt ein Verbot in Kosmetikprodukten. Die Europäische Union strebt ein umfassendes Verbot bis 2030 an.
Die Industrie reagiert. Der Medizingerätehersteller Roemmler entwickelte ein PFAS-freies Produkt für Hautklebeanwendungen. Das Ziel: die Chemikalien schrittweise aus dem medizinischen Sektor entfernen.
Auch juristisch tut sich etwas. Im Juli 2026 einigten sich rund 2.600 Anwohner in North Carolina außergerichtlich mit dem Chemiekonzern Chemours. Das Unternehmen soll seit den 1980er-Jahren PFAS freigesetzt haben. Der Vergleich sieht vor: Chemours stellt für über 1.400 Brunnenbesitzer Kohlefiltersysteme bereit. Für weitere 3.500 Haushalte übernimmt der Konzern Umkehrosmoseanlagen samt Wartung – über 20 Jahre.
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