Petrelintid, Phase-2-Studie

Petrelintid: Phase-2-Studie zeigt bis zu 10,7 Prozent Gewichtsverlust

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach 42 Wochen verloren Teilnehmende mit Petrelintid bis zu 10,7 Prozent Gewicht; Roche und Zealand Pharma treiben Phase-3-Studien voran.

Zealand Pharma: Petrelintid senkt Gewicht in Phase-2-Studie
Ein heller, minimalistischer medizinischer Untersuchungsraum mit einer leeren Untersuchungsliege in klinischer Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der medikamentösen Therapie von Adipositas rücken neben den etablierten Inkretin-Mimetika zunehmend alternative Wirkmechanismen in den Fokus. Die in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology publizierten Resultate der klinischen Phase-2-Studie ZUPREME 1 liefern detaillierte Einblicke in die Wirksamkeit und Verträglichkeit des langwirksamen Amylin-Analogons Petrelintid bei Erwachsenen mit Adipositas ohne Typ-2-Diabetes.

Studiendesign und Gewichtsreduktion in der ZUPREME-1-Studie

Die von Zealand Pharma finanzierte Untersuchung (NCT06662539) umfasste 32 Studienzentren in Polen, Rumänien und den USA. Zwischen dem 9. Dezember 2024 und dem 25. Februar 2025 wurden 714 Personen gescreent; 493 Teilnehmende wurden im Verhältnis 5:1 randomisiert und 485 tatsächlich behandelt.

Zu Beginn lag das mittlere Alter bei 47 Jahren, das durchschnittliche Körpergewicht bei 107,1 kg und der mittlere Body-Mass-Index bei 36,7. Der Frauenanteil betrug 53 Prozent, während 86 Prozent der Probanden als weiß erfasst wurden.

Petrelintid wurde über 42 Wochen einmal wöchentlich subkutan in Dosierungen zwischen 1,0 mg und 9,0 mg verabreicht. Nach 28 Behandlungswochen zeigte sich im Efficacy-Estimand eine Gewichtsreduktion von 7,9 Prozent bei 1,0 mg und 2,5 mg, 9,8 Prozent bei 5,0 mg, 9,3 Prozent bei 7,0 mg sowie 9,4 Prozent bei 9,0 mg, verglichen mit 1,7 Prozent in der Placebogruppe.

Nach 42 Wochen belief sich die Gewichtsabnahme auf bis zu 10,7 Prozent (8,7 Prozent bei 1,0 mg; 9,2 Prozent bei 2,5 mg; 10,7 Prozent bei 5,0 mg; 10,5 Prozent bei 7,0 mg; 10,2 Prozent bei 9,0 mg vs. 1,7 Prozent unter Placebo). Im Treatment-Policy-Estimand lag der Verlust bei bis zu 10,2 Prozent gegenüber 1,4 Prozent unter Placebo.

Kardiometabolische Effekte und Verträglichkeitsprofil

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Neben dem Körpergewicht veränderten sich mehrere kardiometabolische Parameter. Der Taillenumfang verringerte sich um 10,8 cm (entsprechend einer Spanne von 8 bis 11 Prozent) gegenüber 4,3 cm beziehungsweise 4 Prozent in der Kontrollgruppe. Das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) sank um 17 bis 41 Prozent (Placebo: minus 6 Prozent), die Triglyceride nahmen um 21 Prozent ab (Placebo: minus 9 Prozent) und das Nüchterninsulin reduzierte sich um 11 bis 30 Prozent (Placebo: minus 4 Prozent). Der Ruhepuls sank um 2,9 Schläge pro Minute, während unter Placebo ein Anstieg um 0,3 Schläge pro Minute verzeichnet wurde.

Magen-Darm-Beschwerden traten überwiegend in milder Form auf. Übelkeit wurde bei 20 Prozent der Behandelten dokumentiert (Placebo: 6 Prozent), Erbrechen bei 3 Prozent (Placebo: 6 Prozent). Bei der maximal wirksamen Dosis traten weder Erbrechen noch therapiebedingte Abbrüche aufgrund von gastrointestinalen Symptomen auf.

Die gastrointestinale Abbruchrate lag bei 1,5 Prozent. Insgesamt wurden 18 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse registriert (3 Prozent unter Verum gegenüber 4 Prozent unter Placebo), Todesfälle gab es keine.

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Wissenschaftliche Einordnung und weitere klinische Entwicklung

Der Erstautor der Publikation, Timothy Garvey von der University of Alabama at Birmingham, hob hervor, dass Petrelintid eine Behandlungsoption für Personen darstellen könnte, die gängige Inkretin-Therapien nicht vertragen. Im Real-World-Kontext brechen bis zu 75 Prozent der Patienten GLP-1-Rezeptor-Agonisten innerhalb von zwölf Monaten ab, wobei etwa 37 Prozent der Abbrüche auf gastrointestinale Beschwerden zurückgehen.

Fachliche Kommentare mahnen jedoch zur Differenzierung: Marie Spreckley von der University of Cambridge gab zu bedenken, dass pauschale Vergleiche mit GLP-1-Präparaten ohne direkte Head-to-Head-Studien methodisch nicht abgesichert seien.

Zudem seien drei schwerwiegende Ereignisse – zwei Fälle von Gallensteinen sowie eine obstruktive Pankreatitis – mit Petrelintid in Verbindung gebracht worden, weshalb größere Vergleichsstudien erforderlich seien.

Die Wissenschaftler Sten Madsbad und Jens J. Holst erläuterten in einem Begleitkommentar die physiologische Rolle von Amylin, das gemeinsam mit Insulin ausgeschüttet wird, die Magenentleerung verlangsamt und über komplementäre Signalwege zu GLP-1 zur Sättigung beiträgt.

Petrelintid wird auf Basis einer Vereinbarung aus dem Jahr 2025 gemeinsam von Zealand Pharma und Roche entwickelt, wofür eine Vorauszahlung von 1,65 Milliarden US-Dollar vereinbart worden war.

Roche initiierte drei globale Phase-3-Zulassungsstudien als Monotherapie bei Adipositas, Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Vorerkrankungen; der primäre Abschluss der Adipositas- und Diabetes-Studien ist für Ende 2028 avisiert.

Parallel startete Zealand Pharma sein ZUPREME-Phase-3-Programm im chronischen Gewichtsmanagement, während die Aktie des Unternehmens an der Börse bei 272,40 Dänischen Kronen notierte.

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