Pestizide, Gewürzen

Pestizide in Gewürzen: Foodwatch deckt 67% Verstöße auf

28.05.2026 - 05:30:51 | boerse-global.de

Foodwatch-Studie belegt: Zwei Drittel der getesteten Gewürze und Tees enthalten in der EU nicht zugelassene Pestizide.

Pestizide in Gewürzen: Foodwatch deckt 67% Verstöße auf - Foto: über boerse-global.de
Pestizide in Gewürzen: Foodwatch deckt 67% Verstöße auf - Foto: über boerse-global.de

Eine Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch deckt massive Verstöße auf: Zwei Drittel der getesteten Gewürze und Tees enthalten Pestizide, die in der EU verboten sind.

Die am 27. Mai 2026 veröffentlichte Studie lässt aufhorchen. Foodwatch ließ 64 Proben von Gewürzen, Tees und anderen Produkten in deutschen, französischen, niederländischen und österreichischen Supermärkten analysieren. Das Ergebnis: 43 Proben – rund 67 Prozent – wiesen Rückstände nicht zugelassener Pflanzenschutzmittel auf.

Betroffen sind sowohl Eigenmarken großer Handelsketten wie Rewe, Aldi, Edeka und Lidl als auch etablierte Marken wie Teekanne, Meßmer und Fuchs/Ostmann. Die getesteten Produkte stammten aus dem gesamten EU-Raum.

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Kreuzkümmel mit 217-fachem Grenzwert

Besonders alarmierend sind die Einzelfunde. Eine Probe des Lidl-Kreuzkümmels der Marke Kania enthielt den Wirkstoff Flamprop – mit 2,17 mg/kg lag die Konzentration beim 217-Fachen des erlaubten Grenzwerts von 0,01 mg/kg. Ein Kreuzkümmel von Fuchs enthielt gleich sechs verschiedene Pestizide, vier davon in der EU nicht zugelassen. Ein Wirkstoff überschritt den Grenzwert um das 165-Fache.

Eine Chilimischung von Rewe wies Rückstände von 22 verschiedenen Pestiziden auf, sieben davon EU-weit verboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte klar: Diese Produkte sind technisch nicht verkehrsfähig. Allerdings bestehe keine akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher.

Foodwatch fordert sofortige Rückrufe und eine Null-Toleranz-Politik für importierte Waren mit nicht zugelassenen Substanzen. Die Organisation wirft Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vor, strengere EU-Importregeln zu blockieren.

Hersteller weisen Vorwürfe zurück

Die Reaktionen der betroffenen Unternehmen fallen unterschiedlich aus. Rewe bestreitet die gemessenen Pestizidwerte in der Chilimischung. Das Labor habe beim Berechnen der Konzentration einen falschen Trocknungsfaktor angewendet, so der Konzern. Das Produkt bleibe verkehrsfähig.

Lidl verweist darauf, dass die betroffene Charge des Kania-Kreuzkümmels aus Indien stamme. Eigene Tests hätten keine positiven Befunde ergeben. Auch Fuchs zeigt sich skeptisch und kündigte eine interne Überprüfung der Daten an.

Mineralöl in Butter: Öko-Test deckt auf

Nur einen Tag zuvor, am 26. Mai 2026, veröffentlichte Öko-Test eine Untersuchung, die den Milchsektor erschüttert. Von 20 getesteten Buttersorten erhielten 17 die Note „mangelhaft" oder „ungenügend". Hauptgrund: Mineralölrückstände der Stoffgruppen MOSH und MOAH.

Besonders krass: Bei der Allgäuer Bauernbutter wurde der EU-Richtwert für MOAH fast um das Zehnfache überschritten. Marken wie Kerrygold, Aldis Milsani und Lidls Milbona schnitten „ungenügend" ab. Forscher vermuten, dass die wachsbeschichtete Alufolie die Hauptquelle der Verunreinigung ist.

Ein positives Gegenbeispiel: Die Bio-Fassbutter der Gläsernen Molkerei, verpackt in Pergamentpapier, war völlig frei von Mineralöl.

Klimakiller Pestizid: DUH fordert EU-weites Verbot

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert ein EU-weites Verbot von Sulfurylfluorid. Das Begasungsmittel für Exportholz ist über 20 Jahre betrachtet 7.500 Mal klimaschädlicher als CO2. Nach einer DUH-Klage entzog das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassung für den Holzeinsatz. Allerdings kämpft die Organisation gegen die erlaubten 18-monatigen Übergangsfristen.

Brasilien: 147 in der EU verbotene Wirkstoffe im Einsatz

Ein Bericht des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums vom 26. Mai 2026 zeigt das ganze Ausmaß des Problems: 147 Pestizid-Wirkstoffe, die in Brasilien eingesetzt werden, sind in der EU verboten. Die Folge: 306 dokumentierte Fälle, in denen Rückstände in brasilianischen Exporten die EU-Nachweisgrenzen überschritten.

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Die EU verschärft ihre Standards zunehmend. Brasilien drohen Importverbote – unter anderem für Rindfleisch ab dem 3. September 2026 wegen Nichteinhaltung von Antibiotika-Regeln.

Weltweite Pestizid-Toxizität steigt dramatisch

Eine am 2. Juni 2026 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie der RPTU Kaiserslautern-Landau belegt: Die globale Pestizid-Toxizität ist zwischen 2013 und 2019 drastisch gestiegen. Die Forscher warnen, dass die aktuellen Trends das UN-Ziel gefährden, das Pestizidrisiko bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Besonders betroffen: Gemüse, Obst, Mais und Soja – sie sind für 80 Prozent der weltweiten Pestizid-Toxizität verantwortlich.

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