Perfektionismus-Therapie: Universität Bremen startet COMPASS-Programm
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die klinische Forschung widmet sich verstärkt den Auswirkungen von extremem Leistungsstreben auf die psychische Gesundheit. Mitte August 2026 wurden Details zu einem neuen therapeutischen Angebot der Universität Bremen bekannt, das sich gezielt mit der Problematik des Perfektionismus auseinandersetzt.
Das Projekt mit dem Namen COMPASS adressiert die wachsende Zahl von Menschen, deren hoher Anspruch an sich selbst zu einer erheblichen Belastung im Alltag führt.
Das COMPASS-Programm an der Universität Bremen
Das Interventionsangebot an der Universität Bremen ist als Gruppentherapie konzipiert. Der Aufbau des Programms sieht vier wöchentliche Sitzungen vor, in denen die Teilnehmenden unter professioneller Anleitung Strategien zur Bewältigung ihrer Perfektionstendenzen erlernen.
Ziel der Kurzzeitintervention ist es, Betroffenen zeitnah Werkzeuge an die Hand zu geben, um den psychischen Druck zu reduzieren, der oft mit unrealistischen Erwartungshaltungen einhergeht.
Die wissenschaftliche Leitung und Koordination des Projekts liegt bei der Psychotherapeutin Dr. Nathalie Claus. Für Interessierte und potenzielle Teilnehmende wurde eine Kontaktmöglichkeit an der Universität Bremen eingerichtet, um Informationen zum Ablauf und zur Teilnahme an den Sitzungen zu erhalten.
Methodische Grundlagen und therapeutische Ziele
Inhaltlich basiert COMPASS auf einer Kombination moderner psychotherapeutischer Verfahren. Die Therapie integriert Elemente der Mitgefühlsbasierten Therapie sowie der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Selbstakzeptanz der Teilnehmenden zu stärken und eine flexiblere Haltung gegenüber eigenen Fehlern oder Unzulänglichkeiten zu entwickeln.
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Laut Dr. Nathalie Claus wird Perfektionismus insbesondere dann problematisch, wenn Menschen sich unrealistische Ziele setzen und in ihrem Handeln unflexibel werden. Ein entscheidendes Merkmal sei dabei die enge Verknüpfung des eigenen Selbstwertgefühls mit dem Erreichen dieser Ziele. Diese psychologische Konstellation könne schwerwiegende Folgen haben und unter anderem Stress, chronische Erschöpfung sowie Depressionen verursachen.
Risikofaktoren und betroffene Bevölkerungsgruppen
Untersuchungen zur Verbreitung von Perfektionismus verdeutlichen, dass bestimmte Altersgruppen besonders gefährdet sind. Nach Einschätzung der Soziologin Sarah Pritz von der TU Berlin weisen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene häufig einen problematischen Perfektionismus auf. In dieser Lebensphase scheint der gesellschaftliche und individuelle Leistungsdruck besonders stark auf die Persönlichkeitsentwicklung einzuwirken.
Die Forschung unterscheidet hierbei zwischen funktionalem Streben nach Qualität und einem dysfunktionalen Perfektionismus, der durch die Angst vor Fehlern und eine ständige Selbstentwertung gekennzeichnet ist. Die Identifikation dieser Muster ist ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Analyse- und Therapieansätze.
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Förderung und präventive Strategien
Die Relevanz des Themas spiegelt sich auch in der finanziellen Unterstützung der Forschung wider. Das Projekt an der Universität Bremen wird mit einer Summe von 72.000 Euro durch die Christoph-Dornier-Stiftung gefördert. Diese Mittel ermöglichen eine fundierte wissenschaftliche Begleitung der Gruppentherapie und die Evaluation der Ergebnisse.
Ergänzend zu therapeutischen Maßnahmen weisen Fachleute auf allgemeine Strategien zur Bewältigung von Perfektionismus hin. Dazu gehören die Kultivierung von Gelassenheit und der bewusste Verzicht auf digitale Anwendungen zur Leistungsüberprüfung, sogenannte Leistungs-Apps.
Zudem wird der regelmäßige Austausch mit anderen Betroffenen oder Vertrauenspersonen als hilfreiches Mittel empfohlen, um die Isolation zu durchbrechen, die oft mit einem übersteigerten Perfektionsanspruch einhergeht. Das COMPASS-Programm nutzt genau diesen sozialen Aspekt durch sein Format als Gruppentherapie, um den Austausch in einem geschützten Rahmen zu fördern.
