Pepper-Studie: Expressive Roboter senken Vertrauen bei Fehlern
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer aktuellen Untersuchung, die im Fachmagazin Science Robotics veröffentlicht wurde, haben Wissenschaftler die psychologischen und biologischen Auswirkungen von Roboterfehlern auf den Menschen analysiert.
Die Ergebnisse der Studie mit dem humanoiden Roboter Pepper zeigen, dass eine menschenähnliche Ausdrucksweise in Kombination mit fehlerhaftem Verhalten zu paradoxen Reaktionen im menschlichen Körper führt. Während bestimmte soziale Signale der Maschine die Ausschüttung von Hormonen fördern, sinkt gleichzeitig die Bereitschaft der Nutzer, der Technologie zu vertrauen.
Die Rolle von Oxytocin und Gehirnaktivität
An der Untersuchung nahmen insgesamt 50 Probanden teil, die in direkten Kontakt mit dem Roboter Pepper traten. Ein zentraler Aspekt der Forschung war die Messung des Oxytocin-Spiegels. Dieses Hormon wird im menschlichen Körper häufig mit Bindung und Vertrauen assoziiert.
Die Forscher stellten fest, dass expressive Roboter, die soziale Normen verletzten oder Fehler machten, tatsächlich einen Anstieg des Oxytocin-Spiegels bei den Versuchspersonen auslösten.
Überraschenderweise führte dieser hormonelle Anstieg jedoch nicht zu einer engeren Bindung oder höherem Vertrauen. Im Gegenteil: Die Daten der Studie belegen, dass ein höheres Oxytocin-Niveau in diesem Kontext mit einem geringeren Vertrauen in den Roboter korrelierte. Zudem sank die Bereitschaft der Teilnehmer, Ratschläge oder Anweisungen der Maschine zu befolgen.
Parallel zur hormonellen Reaktion überwachten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Probanden. Dabei zeigte sich eine erhöhte Aktivität im dorsolateralen sowie im medialen präfrontalen Kortex. Diese Hirnareale sind insbesondere für komplexe Entscheidungsprozesse und die Verarbeitung sozialer Informationen zuständig, was darauf hindeutet, dass die Probanden die Fehler des Roboters intensiv kognitiv bewerteten.
Wahrnehmung von Fehlern bei unterschiedlicher Expressivität
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Die Studie untersuchte zudem, wie die Art der Roboter-Präsentation die Wahrnehmung von Fehlfunktionen beeinflusst. Es zeigte sich, dass Fehler das Vertrauen der Nutzer grundsätzlich beschädigten, ungeachtet dessen, wie expressiv sich der Roboter verhielt. Allerdings gab es deutliche Unterschiede in der qualitativen Wahrnehmung der Fehltritte.
Bei Robotern, die sich weitgehend bewegungslos und ohne ausgeprägte Mimik oder Gestik verhielten, wurden Fehler von den Probanden als rein mechanische Defekte wahrgenommen.
Agierte der Roboter jedoch expressiv und zeigte menschenähnliche Verhaltenszüge, wurden Verstöße gegen Erwartungen oder fehlerhafte Handlungen eher als Verletzung sozialer Normen interpretiert. In diesen Fällen stieg zwar der Oxytocin-Spiegel an, doch die daraus resultierende soziale Irritation führte zu einer deutlichen Distanzierung der Nutzer von der Maschine.
Konsequenzen für die Entwicklung humanoider Systeme
Die Forschungsergebnisse liefern wichtige Impulse für die Robotik und die Gestaltung der Benutzeroberflächen autonomer Systeme. Sie verdeutlichen, dass eine starke Vermenschlichung von Robotern durch expressive Gestik und Mimik Risiken birgt, sobald die Technik nicht fehlerfrei funktioniert. Die Annahme, dass soziale Signale technisches Versagen kompensieren könnten, wurde durch die Studie widerlegt.
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Vielmehr deuten die Erkenntnisse darauf hin, dass die Zuverlässigkeit einer Maschine die primäre Basis für Vertrauen bleibt. Wenn ein Roboter durch sein Äußeres oder sein Verhalten eine soziale Erwartungshaltung weckt, wiegen Fehlfunktionen schwerer und beeinträchtigen die Kooperationsbereitschaft nachhaltiger als bei Systemen, die als rein mechanische Werkzeuge wahrgenommen werden.
Für die künftige Entwicklung bedeutet dies, dass die Balance zwischen sozialer Expressivität und funktionaler Präzision entscheidend für die langfristige Akzeptanz in der Mensch-Roboter-Kollaboration ist.
