Pensionssystem, Seniorenbund

Pensionssystem: Seniorenbund kritisiert 27% falsche Kostenrechnung

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 14:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seniorenbund und ÖGB verlangen eine klarere Zuordnung der Pensionskosten, während Wirtschaftsvertreter für ein höheres Antrittsalter eintreten.

Pensionsdebatte in Österreich: Streit um Kosten und Antrittsalter
Minimalistische Architektur eines Uhrturms vor einem klaren Himmel als Symbol für Zeit und demografischen Wandel. Illustration mit AI erstellt.

Interessenvertretungen und Wirtschaftsverbände in Österreich und Deutschland fordern eine sachliche Auseinandersetzung mit der Finanzierbarkeit der Alterssicherungssysteme. Im Zentrum der Debatte stehen Fragen zur korrekten Berechnung der Pensionskosten sowie mögliche Maßnahmen wie eine Anhebung des Zugangsalters.

Seniorenbund fordert Neuberechnung

Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec verlangt eine differenzierte Betrachtung der Pensionsausgaben. Ihrer Darstellung nach würden derzeit 27 Prozent der dem Pensionstopf zugerechneten Kosten fälschlicherweise diesem Bereich zugeordnet.

Als Beispiele nennt sie die Ausgleichszulage, für die 2025 rund 1,3 Mrd. Euro veranschlagt wurden, sowie Reha-Kosten für Berufstätige in Höhe von 1,8 Mrd. Euro. Korosec argumentiert zudem, dass der ausgewiesene Beamtenaufwand deutlich sinken würde, wenn er korrekt berechnet würde.

Der ÖVP-nahe Seniorenbund wendet sich zugleich gegen eine Anhebung des Pensionsantrittsalters von 65 auf 67 Jahre und spricht in diesem Zusammenhang von „Seniorenbashing".

Laut Verband gibt Österreich heuer rund 126 Mrd. Euro aus, davon rund 34 Mrd. Euro – also mehr als ein Viertel – für Pensionen. Von den Menschen zwischen 55 und 65 Jahren würden zudem rund 28 Prozent nicht direkt aus dem Erwerbsleben in Pension gehen, so der Seniorenbund.

Gewerkschaften: Keine Vermischung von Töpfen

Auch die ÖGB-Pensionist:innen-Vorsitzende Ingrid Kemperle unterstützt die Forderung nach mehr Kostenwahrheit. Sie plädiert dafür, Pensionen, Beamtenpensionen und Pflegegeld nicht pauschal zu vermischen.

Langfristprognosen würden keinen Kollaps des Systems zeigen – die Finanzierung hänge vielmehr von Beschäftigung, Einkommen und Beitragsleistungen ab. Der ÖGB lehnt ein höheres Pensionsantrittsalter ab und fordert stattdessen ein Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer sowie vermögensbezogene Steuern.

ÖGB-Chefökonomin Helene Schuberth kritisierte in diesem Zusammenhang zudem Modelle privater Vorsorgeanreize wegen ihrer Verteilungswirkung: Nach ihrer auf Daten der Oesterreichischen Nationalbank gestützten Berechnung könnte nur etwa jeder sechste Elternhaushalt eine solche steuerbegünstigte Anlage in nennenswertem Umfang nutzen.

Anzeige

Die Debatte um die Pensionsfinanzierung wird mit unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen geführt — eine von allen Seiten akzeptierte Kostenrechnung liegt bislang nicht vor. Wer die eigenen Vorsorge-Entscheidungen darauf aufbauen will, braucht zunächst Klarheit über die Zahlen. Der kostenlose Report ordnet ein, welche Posten dem Pensionstopf zugerechnet werden und was die Kritik an der 27-Prozent-Zuordnung konkret bedeutet. Kostenlosen Vorsorge-Report anfordern

Das Umlagesystem sei demgegenüber unabhängig von Börsenkursen. Pensionspolitik müsse vor allem bei Beschäftigung, Löhnen und Erwerbsbeteiligung ansetzen.

Der Pensionistenverband verweist zudem auf Prognosen, wonach die Pensionsausgaben bis 2032 auf 15,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen und bis 2070 wieder auf 14 Prozent zurückgehen sollen.

Wirtschaftsseite fordert strukturelle Reformen

Von wirtschaftsnaher Seite werden weitergehende Reformen verlangt. So plädiert der oberösterreichische Wirtschaftschef Dietmar Mascher dafür, das faktische Pensionsalter sukzessive auf 67 Jahre anzuheben und an die Lebenserwartung zu koppeln. Er verweist darauf, dass Österreich 2050 rund eine Million mehr Menschen über 65 Jahre haben werde als heute.

Unternehmen sollten ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben halten und weiterbilden – andernfalls drohe weniger Geld für Bildung und Forschung übrig zu bleiben.

Auch der Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr sprach sich für ein gesetzliches Pensionsalter von 67 Jahren aus, gekoppelt an die Lebenserwartung. Er verwies dabei auf Zahlen der Statistik Austria, wonach 35-jährige Akademikerinnen im Schnitt ein Alter von 87,75 Jahren erwarten können, während Frauen mit maximal Pflichtschulabschluss eine um 4,42 Jahre geringere Lebenserwartung haben. Als internationalen Vergleich nannte er Dänemark, wo das gesetzliche Pensionsalter bis 2040 auf 70 Jahre steigen soll.

Kontroverse um Belastung der Beitragszahler

Anzeige

Ob das Antrittsalter steigt, ist offen — Wirtschaftsvertreter fordern eine Koppelung an die Lebenserwartung, Seniorenvertretungen und Gewerkschaften lehnen sie ab. Statt auf eine Entscheidung zu warten, lohnt der Blick auf die eigene Vorsorge: Der kostenlose Report zeigt Optionen für jedes Einkommen und was private Anreizmodelle nach aktuellem Stand leisten können. Vorsorge-Optionen jetzt vergleichen

Die Debatte verläuft entlang klarer Fronten: Während Seniorenvertretungen und Gewerkschaften vor einer verzerrten Darstellung der tatsächlichen Pensionskosten warnen und eine Anhebung des Antrittsalters ablehnen, drängen Wirtschaftsvertreter auf strukturelle Anpassungen angesichts der demografischen Entwicklung.

Beide Seiten berufen sich dabei auf unterschiedliche Berechnungsgrundlagen, was die Versachlichung der Debatte erschwert. Eine gemeinsame, von allen Seiten akzeptierte Kostenrechnung liegt bislang nicht vor.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70110981 |