Pennsylvania: Gouverneur reguliert KI-Rechenzentren ab sofort
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 12:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im US-Bundesstaat Pennsylvania hat Gouverneur Josh Shapiro einen neuen Regulierungsrahmen für den Bau und Betrieb von Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) in Kraft gesetzt.
Mit der Unterzeichnung der Executive Order 2026-05 am 18. August 2026 etabliert die Regierung umfassende Auflagen für die Branche, ohne dass hierfür neue gesetzliche Verfahren im Parlament durchlaufen werden müssen. Die Verordnung zielt darauf ab, die Belastung des Stromnetzes zu steuern und die ökologischen sowie sozialen Auswirkungen der energieintensiven Infrastruktur zu regulieren.
Strenge Auflagen für Energieverbrauch und Netzkosten
Die neue Verordnung richtet sich gezielt an Entwickler von Rechenzentren mit einer Leistung von mehr als 25 Megawatt (MW). Diese Unternehmen sind künftig verpflichtet, sogenannte GRID-Zustimmungsvereinbarungen (Consent Orders) abzuschließen.
Ein Kernpunkt der Regelung ist die finanzielle Verantwortung der Betreiber: Entwickler müssen 100 Prozent der anfallenden Netzkosten übernehmen. Zudem wurde festgelegt, dass Rechenzentren bei potenziellen Netzengpässen als erste Verbraucher von der Stromversorgung getrennt werden, um die allgemeine Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Executive Order liegt auf der ökologischen Nachhaltigkeit. Die Verordnung schreibt verbindliche Ziele für die Nutzung sauberer Energien vor. Bis zum Jahr 2027 müssen die betroffenen Rechenzentren einen Anteil von 10 Prozent aus sauberen Quellen decken. Diese Quote steigt laut den Vorgaben bis 2030 auf 14,5 Prozent und soll bis zum Jahr 2035 einen Wert von 32 Prozent erreichen.
Transparenzpflichten und lokale Mitsprache
Die Executive Order 2026-05 führt signifikante Änderungen in den Genehmigungsverfahren und der Transparenz herbei. So ist es Entwicklern künftig untersagt, Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) zu nutzen, um Details ihrer Projekte vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Zudem werden Rechenzentren aus den bisherigen Fast-Track-Genehmigungsverfahren entfernt, was eine intensivere Prüfung der Anträge zur Folge hat.
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Um den Nutzen für die Anwohner sicherzustellen, müssen Betreiber nun Vereinbarungen über den Nutzen für die Gemeinschaft (Community Benefit Agreements) abschließen und lokale Genehmigungen einholen. Zur Überwachung der Fortschritte und Standorte wird eine öffentliche Live-Karte eingeführt, die sämtliche Projekte im Bundesstaat verfolgt. Die neuen Regeln gelten für alle Neuanträge, die ab dem 18. August 2026 eingereicht werden.
Wirtschaftliche Bedeutung und Marktlage
Pennsylvania verfügt bereits über eine beachtliche Infrastruktur in diesem Sektor. Aktuell sind 136 Rechenzentren im Bundesstaat erfasst. Die Branche leistete im Jahr 2024 einen Beitrag von 19,6 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt von Pennsylvania.
Die Attraktivität des Standorts wurde in der Vergangenheit durch Großinvestitionen unterstrichen; so begrüßte Gouverneur Shapiro im Jahr 2025 eine Investition von Amazon in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar im Bundesstaat.
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Derzeit befinden sich über 100 Projekte in der Planungsphase, wobei die Berichte über den genauen Status variieren. Während einige Datenquellen von 58 Projekten berichten, die mit dem Department of Environmental Protection (DEP) befasst sind, und 15 eingereichten Anträgen sowie 5 vollständigen Genehmigungen sprechen, nennen andere Quellen 20 Genehmigungsanträge, 14 steuerbefreite Standorte und 5 projektbereite Standorte.
Politische Einordnung und Kritik
Mit diesem Schritt folgt Pennsylvania dem Beispiel von New York und Texas. Pennsylvania ist damit der dritte Bundesstaat, der spezifische Beschränkungen für Rechenzentren einführt. Erst im Vormonat hatte New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul eine ähnliche Verordnung unterzeichnet.
Insgesamt erwägen derzeit 27 US-Bundesstaaten eine Gesetzgebung für sogenannte Großlasten (Large-Load-Legislation), um den steigenden Energiebedarf der Tech-Industrie zu bewältigen.
Innerhalb des Bundesstaates stößt die Entscheidung jedoch auch auf Widerstand. Kritiker aus der Industrie warnen davor, dass die strengen Auflagen Pennsylvania im Wettbewerb um künftige Investitionen benachteiligen könnten. Auf der anderen Seite bemängeln Beobachter, dass die Verordnung nicht weit genug gehe, da sie kein Moratorium für Neubauten vorsieht und bestehende Steueranreize für die Betreiber unberührt lässt.
