Pendeln, Rad

Pendeln mit Rad und Fuß: Langzeiterkrankungen sinken um 18 Prozent

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen: Bewegung auf dem Arbeitsweg kann Krankheitsausfälle reduzieren. Initiativen und Arbeitgeber fördern deshalb Radfahren und Gehen.

Aktive Arbeitswege senken Fehlzeiten und stärken die Gesundheit
Symbolbild: ruhiger See bei Sonnenaufgang Illustration mit AI erstellt.

Rund um den Auftakt der Europäischen Woche des Sports betonen mehrere Initiativen und Berichte das erhebliche Potenzial aktiver Arbeitswege für das persönliche Wohlbefinden und die betriebliche Prävention.

Angesichts von Bewegungsmangel im Alltag suchen Unternehmen und Verbände nach Wegen, körperliche Aktivität fest in den Arbeitsalltag zu integrieren. Neben innerbetrieblichen Angeboten gewinnt vor allem die Gestaltung des täglichen Pendelns an Bedeutung.

Hohe Fehlzeiten und ungenutzte Pendelstrecken

Körperliche Inaktivität bleibt eine der zentralen Herausforderungen für Gesundheitssysteme und Arbeitgeber. Laut dem Robert Koch-Institut bewegen sich rund 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland zu wenig.

Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die körperliche Inaktivität bis 2030 um 15 Prozent zu senken, wird nach Einschätzung der Organisation in den meisten Ländern der Europäischen Union voraussichtlich verfehlt.

Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche – ein Richtwert, der sich beispielsweise bereits mit jeweils 15 Minuten aktiver Bewegung pro Wegstrecke an fünf Arbeitstagen erreichen lässt.

In Österreich belaufen sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten laut Erhebungen des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) auf durchschnittlich 14 Kalendertage pro Arbeitnehmer und Jahr. Dies verursache den Betrieben jährliche Kosten von rund 15,5 Milliarden Euro, was etwa 3,1 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht.

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Gleichzeitig zeigt der VCÖ auf, dass über die Hälfte der Arbeitswege in Österreich kürzer als zehn Kilometer sind. Dennoch legen drei von vier Erwerbstätigen in einer typischen Woche keinen einzigen Arbeitsweg aktiv zurück; der Radverkehrsanteil liegt bei lediglich 7 Prozent.

Dabei belegen wissenschaftliche Erhebungen die messbare Wirkung aktiver Mobilität auf Fehlzeiten. Eine im Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports veröffentlichte finnische Untersuchung aus dem Jahr 2024 zeigt, dass eine hohe aktive Mobilität – mit durchschnittlich 61 Kilometern pro Woche – die Wahrscheinlichkeit für krankheitsbedingte Ausfälle um 8 bis 12 Prozent senkt.

Das Risiko für Langzeiterkrankungen geht dieser Auswertung zufolge sogar um 18 Prozent zurück. Zudem verweisen Mediziner darauf, dass aktive Mobilität mit einem spürbar verringerten Risiko für das Auftreten von Angststörungen und Depressionen einhergeht.

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Initiativen und betriebliche Mobilitätskonzepte

Um Hürden abzubauen, starten Sport- und Fitnessverbände gezielte Niedrigschwelligkeitsangebote. Im Rahmen der Europäischen Woche des Sports unter dem Motto „#BeActive“ öffnet die Fitnessbranche vom 23. bis 30. September zahlreiche Einrichtungen.

Unter der Initiative „United let’s move.“ des Arbeitgeberverbands DSSV e.V. beteiligen sich mehrere Tausend Anlagen in Deutschland und Österreich, in denen Interessierte acht Tage lang kostenlos trainieren können. Ketten wie FitX stellen dafür alle 114 Standorte bundesweit für unverbindliche Probetrainings bereit.

Auf Unternehmensebene setzen Betriebe verstärkt auf direkte Anreize für das Pendeln mit dem Rad oder zu Fuß. Dienstradleasing gewinnt dabei als Instrument moderner Mobilität an Zulauf, um Mitarbeitern den Umstieg auf E-Bikes oder Fahrräder steuerlich gefördert zu erleichtern. Auch individuelle Lösungen finden Anwendung: So beschäftigt der Leuchtenhersteller XAL in Graz seit 2018 eine eigene Radkoordinatorin.

Die Technische Universität Graz setzt ebenfalls auf gezielte finanzielle Anreize: Neben mehr als 2.000 Rädern im eigenen Design erhalten Beschäftigte einen 50-prozentigen Zuschuss zu Jahres- oder Halbjahrestickets für den öffentlichen Nahverkehr, wenn sie im Gegenzug auf eine Parkberechtigung verzichten. Zudem wird eine Pendlerförderung von 180 Euro pro Jahr in Form von Stadtgutscheinen gewährt.

Experten weisen darauf hin, dass eine nachhaltige Transformation des Pendelverhaltens verlässliche Rahmenbedingungen erfordert. Der Experte Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) plädiert daher dafür, eine eigene Organisation für die betriebliche Gesundheitsförderung nach dem Vorbild der gesetzlichen Unfallversicherung aufzubauen, um gesundheitsfördernde Maßnahmen in der Arbeitswelt breiter und dauerhaft zu verankern.

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