Pegasus, Belgrader

Pegasus auf Belgrader Rektors-iPhone: Citizen Lab bestätigt Infektion

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 23:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Citizen Lab und SHARE Foundation bestätigten eine Infektion 2026; ?oki? verlangt eine unabhängige Prüfung des Spähangriffs.
Ein minimalistischer, leerer Flur in einem modernen Universitätsgebäude mit scharfen Schattenwürfen. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Smartphone des Rektors der Universität Belgrad ist die Spionagesoftware Pegasus nachgewiesen worden. Untersuchungen des kanadischen IT-Sicherheitsforschungsinstituts Citizen Lab und der serbischen Bürgerrechtsorganisation SHARE Foundation ergaben mit hoher Konfidenz, dass das iPhone von Vladan ?oki? im Jahr 2026 mit der Überwachungssoftware der israelischen NSO Group infiziert wurde. Laut der SHARE Foundation handelt es sich um die zweite bestätigte Pegasus-Infektion in Serbien in diesem Jahr.

Die Einschleusung der Spyware erfolgte den Analysen zufolge ohne jegliche Interaktion des Nutzers über eine sogenannte Zero-Click-Sicherheitslücke in Apples Kurznachrichtendienst iMessage.

Die Schwachstelle wurde von Apple mittlerweile offenbar durch Software-Aktualisierungen geschlossen. Das genaue Datum des Angriffs auf ?oki? machten die Organisationen nicht öffentlich. Der Universitätsrektor forderte nach Bekanntwerden der Spionage eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle.

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Ermittler und Oppositionelle im Visier digitaler Angriffe

Mit den aktuellen Erkenntnissen steigt die Gesamtzahl der öffentlich bekannt gewordenen Ziele fortgeschrittener Spionagesoftware in Serbien laut Citizen Lab und SHARE Foundation auf mindestens 16 Personen. Bereits Anfang September 2026 hatte die SHARE Foundation gemeldet, dass seit Beginn des Jahres mindestens 14 Personen ins Visier solcher Überwachungswerkzeuge geraten waren.

Betroffen waren unter anderem Studentenaktivisten, Aktivisten, ein Abgeordneter sowie ein Oppositionsratsherr. Diese Feststellungen wurden seinerzeit auch von Citizen Lab und Amnesty International bestätigt.

Im Visier digitaler Ausspähungsversuche stand zudem die serbische Justiz. Am 13. August 2026 erhielt der für Organisierte Kriminalität zuständige Staatsanwalt Rade Baji? eine offizielle Bedrohungswarnung von Apple über iMessage, in der vor kommerzieller Spionagesoftware gewarnt wurde.

Am 27. August 2026 folgte eine Erinnerungsbenachrichtigung. Der genaue Typ der eingesetzten Spionagesoftware konnte in seinem Fall nicht bestimmt werden, eine tatsächliche Infektion ist nicht bestätigt. Nach Angaben der Financial Times hatten sich im August in zwölf Fällen Zielpersonen nach entsprechenden Apple-Warnungen an die SHARE Foundation gewandt.

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Politischer Kontext und Reaktionen

Staatsanwalt Baji? ermittelte im sogenannten Fall „Generalštab“ rund um ein 500-Mio.-Dollar-Bauprojekt für ein Hotel und einen Wohnturm auf dem geschützten historischen Areal des ehemaligen jugoslawischen Armeehauptquartiers in Belgrad. Das Vorhaben stand in Verbindung mit Affinity Partners von Jared Kushner, der sich Ende 2025 aus dem Projekt zurückgezogen hatte.

Baji? prangerte in der Vergangenheit wiederholt politische Einflussnahme auf die Justiz an. Zudem war er an Strafverfolgungsmaßnahmen gegen hochrangige Beamte beteiligt; unter anderem wurde Kulturminister Nikola Selakovi? Ende 2025 wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit dem Kushner-Projekt angeklagt.

Die serbische Regierung bestritt Überwachungsmaßnahmen. Das Innenministerium (MUP) sowie der Geheimdienst BIA beantworteten entsprechende Medienanfragen nicht. Die für die Spionagesoftware verantwortliche NSO Group war bereits 2021 von der US-Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt worden.

Der jüngste Bericht über den Spähangriff auf den Belgrader Universitätsrektor wurde sechs Tage vor den für den 25. Oktober 2026 angesetzten Parlamentswahlen in Serbien veröffentlicht.

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