PEACE-1: Nach acht Jahren leben 40,3 Prozent unter der Dreifachtherapie
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 12:31 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Auswertung der europäischen Phase-3-Studie PEACE-1, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO 2026) in Madrid vorgestellt wurde, belegt den langfristigen Nutzen einer intensivierten Kombinationstherapie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs.
Bei Männern mit de novo metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mCSPC) führt die zusätzliche Gabe des Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitors Abirateron zur Standardbehandlung zu einem signifikanten Überlebensvorteil. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,7 Jahren (Spanne 7,5 bis 7,9 Jahre) sank das Sterberisiko in der Gesamtpopulation um 25 Prozent.
Signifikanter Überlebensvorteil durch Triplettherapie
An der randomisierten Studie nahmen insgesamt 1.173 Patienten aus 77 Kliniken in sieben europäischen Ländern teil – namentlich Belgien, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Rumänien und der Schweiz.
Nach einem Studienwiderruf flossen die Daten von 1.172 Männern in die Auswertung ein. Der Rekrutierungszeitraum lag zwischen November 2013 und Dezember 2018. Rund 57 Prozent der Studienteilnehmer wiesen bei Diagnosestellung eine hohe Tumorlast (High-Volume) auf.
Über das gesamte Studienkollektiv hinweg verbesserte die Ergänzung von Abirateron das mediane Gesamtüberleben von 4,6 Jahren auf 6,1 Jahre (Hazard Ratio [HR] 0,75; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,65–0,87; p=0,0001).
Gegenüber einer früheren Interimsanalyse aus dem Jahr 2022, in der die Hazard Ratio bei 0,82 lag, festigte sich der Überlebensvorteil in den Langzeitdaten weiter.
Warum so viele Prostata-Operationen in Deutschland völlig unnötig sind: Ein Männer-Gesundheitscoach erklärt, wie falsche Diagnosen Männer unters Messer zwingen – und wie Sie sich davor schützen können. 7 Ernährungs-Tipps zur Vorbeugung jetzt kostenlos herunterladen
Besonders deutlich fiel der Effekt bei jenen 710 Patienten aus, die eine sogenannte Triplettherapie erhielten – bestehend aus Androgendeprivationstherapie (ADT), einem Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitor und sechs Zyklen Chemotherapie mit Docetaxel. In dieser Gruppe sank das Sterberisiko gegenüber der Zweifachbehandlung aus ADT und Docetaxel um 32 Prozent (HR 0,68; 95%-KI 0,56–0,82).
Im Jahr 2022 hatte die HR bei 0,75 gelegen, wobei der Median damals noch nicht erreicht war. Das mediane Gesamtüberleben stieg von 4,4 auf 6,2 Jahre. Nach acht Jahren lebten unter der Dreifachtherapie noch 40,3 Prozent der Männer, verglichen mit 27,1 Prozent im Kontrollarm – ein Unterschied von 13,2 Prozentpunkten.
Differenzierte Ergebnisse nach Tumorlast
Die Subgruppenanalyse zeigte deutliche Unterschiede je nach Ausmaß der Metastasierung. Bei Patienten mit hoher Tumorlast erhöhte sich das mediane Gesamtüberleben von 3,5 auf 4,6 Jahre (HR 0,68; 95%-KI 0,54–0,85).
Nach acht Jahren lag die Überlebensrate in dieser Gruppe bei 38 Prozent unter der intensiveren Therapie im Vergleich zu 20 Prozent unter der Standardtherapie. Bei geringer Tumorlast (Low-Volume) betrug das mediane Überleben 7,8 versus 6,2 Jahre; dieser Unterschied erreichte jedoch keine statistische Signifikanz (HR 0,74; 95%-KI 0,52–1,05).
Beim radiographischen progressionsfreien Überleben lag die Rate nach rund sieben Jahren bei Patienten mit hoher Tumorlast bei 33 Prozent unter der Triplettherapie gegenüber 11 Prozent bei der Zweifachtherapie. Bei geringer Tumorlast beliefen sich die Raten auf 43 Prozent versus 21 Prozent, ohne dass sich ein Heterogenitätssignal ergab (Interaktions-p-Wert 0,5552).
Wer sich mit der langfristigen Männergesundheit befasst, sollte auch die Rolle der Ernährung für das Organ nicht unterschätzen. Dieser Gratis-Report zeigt, wie asiatische Männer durch einfache Lebensmittel ihre Vitalität erhalten und das Prostatawachstum natürlich stoppen. Kostenlosen Spezialreport zur Prostata-Gesundheit sichern
Diese Ergebnisse ergänzen Erkenntnisse anderer Großstudien: In der STAMPEDE-Studie lag die Hazard Ratio bei 0,58 für Low-Volume- und bei 0,66 für High-Volume-Patienten, während die ENZAMET-Studie ein Acht-Jahres-Gesamtüberleben von 40 Prozent gegenüber 34 Prozent dokumentierte (HR 0,81; 95%-KI 0,62–1,05).
Verträglichkeitsprofil und methodische Grenzen
Neue Langzeitsicherheitsbedenken traten im Verlauf der mehrjährigen Nachbeobachtung nicht auf. Schwerwiegende Nebenwirkungen der Grade 3 und 4 betrafen vor allem das Auftreten von Bluthochdruck, der bei 21 Prozent der Patienten im Verum-Arm und bei 14 Prozent im Kontrollarm erfasst wurde. Eine Hypokaliämie der Grade 3 oder 4 entwickelte sich bei 4 Prozent gegenüber 1 Prozent der Behandelten.
Hinsichtlich der klinischen Übertragbarkeit verweisen Fachleute auf den Studienaufbau: PEACE-1 untersuchte den Zusatz von Abirateron zu ADT plus Docetaxel im Vergleich zu ADT plus Docetaxel allein.
Ein direkter Vergleich zwischen der Dreifachtherapie und einer reinen Kombination aus ADT und Abirateron ohne Chemotherapie fand nicht statt. Auch in den ESMO-Leitlinien wird festgehalten, dass ein direkter evidenzbasierter Nachweis für den Vergleich von ADT plus Docetaxel plus ARPI gegenüber ADT plus ARPI weiterhin aussteht.
