PCOS, Bezeichnung

PCOS wird umbenannt: Neue Bezeichnung rückt Stoffwechselrisiken in den Fokus

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 14:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Polyzystische Ovarialsyndrom heißt künftig PMOS. Fachgesellschaften betonen die systemischen Stoffwechselrisiken der Erkrankung.

PCOS wird zu PMOS: Neue Bezeichnung für das Ovarialsyndrom
Abstrakte Darstellung von vernetzten Stoffwechsel- und Hormonsystemen mit subtilen digitalen Overlays, die Datenfluss und Gesundheitsmetriken andeuten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Fachgesellschaften setzen künftig auf die Bezeichnung Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Der neue Name rückt die systemischen Auswirkungen der Erkrankung in den Fokus – insbesondere die kardiometabolischen Risiken.

Paradigmenwechsel in der Medizin

Die Neubenennung wurde im Mai 2026 im Fachjournal The Lancet sowie auf dem Europäischen Endokrinologie-Kongress in Prag vorgestellt. Ziel ist es, den engen Zusammenhang zwischen der hormonellen Störung und Stoffwechselerkrankungen stärker ins Bewusstsein zu rücken.

„Es handelt sich nicht allein um eine gynäkologische Problematik", betonen die Fachgesellschaften. PMOS sei eine komplexe Störung, die häufig mit Insulinresistenz und einem erhöhten Diabetesrisiko einhergehe.

Unterstützt wird der Namenswechsel von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Auch pädiatrische Fachgesellschaften tragen die Entscheidung mit – um frühzeitig auf metabolische Langzeitfolgen bei betroffenen Jugendlichen hinzuweisen. Neue medizinische Leitlinien haben die Bezeichnung bereits übernommen.

Millionen Betroffene – aber viele wissen nichts davon

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit mehr als 170 Millionen Frauen von der hormonellen Störung betroffen sind. Das entspricht etwa jeder achten Frau. In Deutschland liegt die Prävalenz bei bis zu 15 Prozent.

Das Problem: Bis zu 70 Prozent der Fälle bleiben unerkannt. Die Symptome sind vielfältig – von unregelmäßigen Zyklen über Akne bis hin zu Hirsutismus. Da Insulinresistenz ein Kernmerkmal ist, gewinnen Therapien jenseits von oralen Kontrazeptiva oder Spironolacton an Bedeutung. Metformin wird bereits länger eingesetzt, um den Stoffwechsel der Patientinnen zu stabilisieren.

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Neue Leitlinien: Screening wird empfohlen

Die American Heart Association (AHA) und das American College of Cardiology (ACC) veröffentlichten im Juli 2026 eine Richtlinie zum kardiorenalen metabolischen Syndrom. Sie unterteilt das Krankheitsbild in vier Stadien und empfiehlt ein jährliches Screening – unter anderem von BMI, Taillenumfang und der Albumin-Kreatinin-Ratio.

Eine im Juli 2026 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie zeigt zudem überraschende Effekte moderner Medikamente: SGLT2-Inhibitoren senkten das Risiko für Alzheimer-Demenz um bis zu 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. Da Typ-2-Diabetes das Alzheimer-Risiko um etwa 50 Prozent erhöht, gewinnt die frühzeitige Behandlung von PMOS-Patientinnen mit metabolischen Auffälligkeiten an präventiver Bedeutung.

Gefahr von Fehldiagnosen

Die Symptomüberlagerung macht die Diagnose schwierig. In mehreren Fällen wurden Schwangerschaftssymptome bei PMOS-Patientinnen fälschlicherweise als Nebenwirkungen von GLP-1-Medikamenten gedeutet. Die Folge: sogenannte kryptische Schwangerschaften, die erst sehr spät oder kurz vor der Geburt entdeckt wurden. Anfang 2026 kam es zu dokumentierten Extremfrühgeburten in der 22. Schwangerschaftswoche, nachdem Betroffene ihre Beschwerden falsch interpretiert hatten.

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Technologische Hilfe für den Stoffwechsel

Parallel zur medikamentösen Entwicklung schreitet die Technologie voran. Im Juli 2026 wurde in Deutschland ein neues System zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes eingeführt, die keine intensivierte Insulintherapie benötigen. Studien belegen eine Senkung des HbA1c-Wertes um 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte und eine verbesserte Zeit im glykämischen Zielbereich. Diese Fortschritte könnten künftig auch PMOS-Patientinnen mit ausgeprägter Insulinresistenz zugutekommen.

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