PCOS umbenannt: Polyzystisches Metabolisches Ovarialsyndrom seit Mai
29.05.2026 - 00:30:29 | boerse-global.deGleich mehrere Entwicklungen im Frühjahr 2026 deuten auf eine neue Ära hin: von oralen Abnehm-Medikamenten über eine Umbenennung des PCOS-Syndroms bis hin zu geschlechtsspezifischen Therapieansätzen.
Orale GLP-1-Medikamente rücken in den Fokus
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Bislang dominieren Spritzen die Therapie mit GLP-1-Agonisten – doch das könnte sich bald ändern. Eli Lilly plant, noch 2026 die Zulassung für Orforglipron zu beantragen, einen einmal täglich einzunehmenden Wirkstoff in Tablettenform. Eine 72-wöchige Phase-3-Studie mit übergewichtigen Typ-2-Diabetikern ergab: Die höchste Dosis führte zu einem Gewichtsverlust von rund 9,6 Prozent – etwa zehn Kilogramm. Ein Vorteil: Die Einnahme ist nicht an nüchternen Magen gebunden. Allerdings brachen rund zehn Prozent der Teilnehmer die Studie wegen Nebenwirkungen ab.
Auch Novo Nordisk macht Fortschritte mit einer oralen Version von Semaglutid. Ein Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat kürzlich die Zulassung einer täglichen Wegovy-Tablette empfohlen. In einer Studie mit 307 Teilnehmern lag der Gewichtsverlust bei 13,61 Prozent – gegenüber 2,18 Prozent in der Placegruppe. Bei strenger Einhaltung des Protokolls waren es sogar 16,6 Prozent. Nach der US-Zulassung im Dezember 2025 wird die Markteinführung außerhalb der USA für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet. Zudem erhielt eine 7,2-mg-Dosis von Semaglutid eine positive CHMP-Empfehlung – der Markteintritt in der EU ist für das dritte Quartal 2026 geplant.
Retatrutid zeigt beeindruckende Ergebnisse
Noch ambitioniertere Zahlen liefert die TRIUMPH-1-Studie zu Retatrutid, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Über 80 Wochen hinweg verloren die Probanden durchschnittlich 28,3 Prozent ihres Körpergewichts. In einigen Patientengruppen nahm fast die Hälfte der Teilnehmer 30 Prozent oder mehr ab. Ein Wert, der selbst erfahrene Adipositas-Forscher überrascht hat.
PCOS wird umbenannt – ein neuer Name für eine alte Erkrankung
Im Mai 2026 vollzog die Medizin einen bemerkenswerten Schritt: Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt nun Polyzystisches Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Die Umbenennung erfolgte im Fachblatt The Lancet und basiert auf 14 Jahren Forschung mit 22.000 Teilnehmerinnen. Ziel ist es, den systemischen Stoffwechselcharakter der Erkrankung stärker zu betonen. Weltweit sind rund 170 Millionen Frauen betroffen. Mediziner weisen darauf hin, dass mit PMOS erhöhte Risiken für Schlaganfall, Bluthochdruck und erhöhte Blutzuckerwerte verbunden sind. 76 Prozent der Ärzteschaft befürworten die Änderung – die vollständige Umsetzung in der klinischen Praxis wird jedoch etwa drei Jahre dauern.
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Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Prädiabetes-Remission
Der 60. Deutsche Diabeteskongress in Berlin brachte im Mai 2026 neue Erkenntnisse: Die Rückbildung eines Prädiabetes durch Gewichtsverlust folgt bei Männern und Frauen unterschiedlichen Stoffwechselwegen. Daten der PLIS-Studie belegten diese geschlechtsspezifischen Mechanismen. Zudem zeigte eine Analyse der UK Biobank, dass Lebensstilfaktoren das Typ-2-Diabetes-Risiko deutlich stärker beeinflussen als genetische Veranlagungen. Ein ungesunder Lebensstil erhöhte das Risiko um das Siebenfache – genetische Faktoren dagegen nur um das 2,6-Fache. Die Botschaft: Lebensstiländerung bleibt der stärkste Hebel.
Neue Sensortechnologie für Ketose und Glukose
Abbott hat die CE-Kennzeichnung für die Libre Duo-Sensortechnologie erhalten. Es handelt sich um das erste System, das kontinuierlich und gleichzeitig Glukose- und Ketonwerte misst. Das Gerät ist in 10- und 15-Tage-Versionen für verschiedene Altersgruppen erhältlich und soll eine frühzeitige Erkennung der diabetischen Ketoazidose (DKA) ermöglichen. Hintergrund: Die DKA-Raten steigen dramatisch. Langzeitdaten aus Großbritannien über 23 Jahre zeigen, dass die Inzidenz bei Typ-1-Diabetes um mehr als das Dreifache, bei Typ-2-Diabetes sogar um das Sechsfache gestiegen ist.
Gewichtszunahme nach Absetzen verhindern
Ein zentrales Problem der GLP-1-Therapie: Nach dem Absetzen nehmen viele Patienten wieder zu. Auf der Digestive Disease Week (DDW) 2026 wurde ein endoskopisches Verfahren vorgestellt, das genau dies verhindern soll. Die duodenale Mukosa-Resurfacing (DMR) genannte Methode entfernt pathologisch veränderte Schleimhaut im Zwölffingerdarm. Ziel ist es, die natürliche Nährstoffwahrnehmung wiederherzustellen und so die Gewichtszunahme nach dem Absetzen von Tirzepatid zu reduzieren.
Essenszeitfenster beeinflusst den Stoffwechsel
Die ChronoFast-Studie untersuchte den Einfluss des Essenszeitfensters auf den Fettstoffwechsel. 31 Frauen mit einem BMI von 30,5 nahmen teil. Ergebnis: Ein frühes Zeitfenster (8 bis 16 Uhr) führte zu einem Rückgang von 103 spezifischen Lipidtypen, darunter Ceramide. Ein späteres Fenster (13 bis 21 Uhr) zeigte dagegen keine vergleichbaren Stoffwechselveränderungen. Die Botschaft: Nicht nur was wir essen, sondern auch wann wir essen, spielt eine entscheidende Rolle.
Eine randomisierte kontrollierte Studie, veröffentlicht im JAMA Network Open Anfang 2026, zeigte hingegen, dass smartphone-basierte Lebensstilberatung bei schwangeren Frauen mit Adipositas nur mäßigen Erfolg bei der Gewichtskontrolle brachte. Digitale Angebote sind kein Allheilmittel – die persönliche Betreuung bleibt unverzichtbar.
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