PayPal, Lores

PayPal unter Lores: 4.760 Stellen weg, Ventures-Sparte dicht

17.06.2026 - 19:19:43 | boerse-global.de

PayPal schließt seine Venture-Sparte und streicht 20 Prozent der Stellen. Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro sind das Ziel der Neuausrichtung.

PayPal beendet Venture-Geschäft: Milliarden-Sparprogramm eingeleitet
PayPal - A stylized image showing a downward-trending financial chart with a blurred fintech interface in the background, symbolizing corporate restructuring. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Finanzkonzern PayPal stellt sein Venture-Geschäft ein und spart massiv. Der Schritt ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung unter neuer Führung.

PayPal fährt seine Beteiligungssparte PayPal Ventures herunter. Die Entscheidung fiel unter dem neuen CEO Enrique Lores, der das Unternehmen seit Februar 2026 führt. Lores, zuvor Chef von HP, löste Alex Chriss ab – nachdem der Aktienkurs von PayPal um mehr als 30 Prozent eingebrochen war. Der Konzern will nun mindestens 1,5 Milliarden Euro einsparen und rund 20 Prozent der Belegschaft abbauen. Das entspricht etwa 4.760 Stellen.

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Ende einer Ära: Was aus dem Milliarden-Portfolio wird

Die 2016 gegründete Venture-Einheit verwaltete drei Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 850 Millionen Euro. Ende 2025 arbeiteten noch mehr als zehn Partner für PayPal Ventures – heute sind es nur noch zwei. Das Team wickelt die laufenden Geschäfte ab. Die Investmentbank Jefferies soll das Portfolio auf dem Sekundärmarkt verkaufen. Es umfasst Beteiligungen an über 80 Unternehmen, darunter bekannte Namen wie Plaid, Anchorage Digital und Talos Global.

Im vierten Quartal 2025 trug die Venture-Sparte noch zehn Cent pro Aktie zum Gewinn bei – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als ein Verlust von vier Cent je Aktie zu Buche stand. Dennoch setzt die Führung nun auf Liquidität und operative Schlagkraft statt auf langfristige Beteiligungsrenditen.

Stabilisierung oder Übernahme?

Die Neuausrichtung fällt in eine Zeit der Unsicherheit. Gerüchten zufolge hat der Zahlungsdienstleister Stripe Interesse an einer Übernahme von PayPal signalisiert. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht.

Hinzu kommt eine rechtliche Altlast: PayPal einigte sich kürzlich mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich über 30 Millionen Euro. Es ging um ein Investitionsprogramm aus dem Jahr 2020, das sich gezielt an Minderheiten richtete.

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Stablecoin unter Druck

Auch im Digitalgeschäft läuft es nicht rund. Der Bestand an PayPals eigener Kryptowährung PYUSD ist um 30 Prozent vom Höchststand auf umgerechnet rund 2,74 Milliarden Euro gefallen. Die täglichen Transfervolumina brachen von 5,2 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf zuletzt rund 133 Millionen Euro ein. Die Zahl der aktiven Nutzer sank von über 25.000 im Dezember 2025 auf weniger als 4.000.

Trotz dieser Rückschläge bringt PayPal neue Produkte auf den Markt. Im Juni 2026 wurde die Fastlane-Gast-Checkout-Funktion für WooCommerce-Nutzer freigeschaltet. Interne Tests zeigen: Die Checkout-Zeit verkürzt sich um 40 Prozent, die Konversionsrate bei mobilen Käufern steigt deutlich.

Branche im Umbruch

PayPal ist nicht allein mit dem Sparkurs. Am 16. Juni 2026 kündigte die Handelsplattform Robinhood einen Stellen abbau von zehn Prozent an – rund 290 Mitarbeiter sind betroffen. Die Führung betonte, die Kürzungen seien nicht auf Künstliche Intelligenz zurückzuführen, sondern ein proaktiver Schritt zur Verschlankung.

Nur wenige Tage zuvor, am 10. Juni, beschloss der Aufsichtsrat von Rackspace Technology die Streichung von 750 Stellen – 15 Prozent der weltweiten Belegschaft. Anders als Robinhood begründete Rackspace den Schritt mit der strategischen Ausrichtung auf KI-Infrastruktur.

Ein Gegenbeispiel liefert Pegasus Tech Ventures: Der Investor legte kürzlich einen 60-Millionen-Euro-Fonds für Startups in den Bereichen Physical AI und Robotik auf. Spezialisierte Venture-Capital-Investments bleiben also gefragt – nur nicht mehr bei PayPal.

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