PayPal-Übernahme: Stripe bietet 53 Milliarden Dollar, Vorstand zögert
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister PayPal steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Ein Konsortium aus Stripe und Advent International hat ein Übernahmeangebot über 53 Milliarden Dollar vorgelegt – doch der Verwaltungsrat zögert.
Das Milliarden-Angebot auf dem Prüfstand
Mitte Juli 2026 eskalierte die Lage an den Finanzmärkten: Stripe und Advent International boten 60,50 Dollar pro PayPal-Aktie, insgesamt rund 53 Milliarden Dollar. Die Nachricht ließ den Aktienkurs am 15. Juli um fast 17 Prozent nach oben schnellen. Das Angebot ist Berichten zufolge mit 17 Milliarden Dollar Eigenkapital und 50 Milliarden Dollar Bankkrediten unterlegt.
Doch der Vorstand scheint nicht überzeugt. Bei einer Sitzung am 21. Juli soll das Führungsgremium die Offerte als zu niedrig eingestuft haben. Der bekannte Investor Michael Burry etwa hält einen fairen Wert von rund 100 Dollar pro Aktie für realistisch.
Warum das Interesse? Ein zentraler Trumpf im Poker ist PayPals eigener Stablecoin PYUSD. Analysten rechnen vor: Eine Fusion mit Stripe könnte einen Zahlungsriesen schaffen, der jährlich rund 3,7 Billionen Dollar abwickelt – eine echte Bedrohung für die etablierten Netzwerke Visa und Mastercard.
Vom Höhenflug zur Talsohle
Die aktuelle Übernahmeschlacht ist das Ende einer dramatischen Talfahrt. PayPals Börsenwert stürzte von 360 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf zuletzt rund 50 Milliarden Dollar ab – ein Minus von über 80 Prozent. Drei verschiedene Vorstandsvorsitzende in vier Jahren spiegeln die Unruhe im Konzern wider.
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Hauptgrund: Der Wettbewerb im US-Markt für mobile Bezahldienste ist erbarmungslos. Apple Pay liegt inzwischen zehn Prozentpunkte vor PayPal. Zwar kann der Dienst noch 439 Millionen aktive Konten vorweisen, doch der Druck wächst. Die Analysten von Morgan Stanley bezeichnen das Stripe-Angebot dennoch als „hochgradig glaubwürdigen Weg", um Wert für die Aktionäre zu schaffen.
Quartalszahlen als Zünglein an der Waage
Parallel zur Übernahmeschlacht rückt der 28. Juli in den Fokus. Dann legt PayPal die Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Erwartungen: ein Gewinn je Aktie von geschätzt 1,28 Dollar – das wäre ein Rückgang um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Das erste Quartal 2026 lieferte gemischte Signale:
- Transaktionsvolumen: 463,96 Milliarden Dollar (plus 11 Prozent)
- Umsatz: 8,35 Milliarden Dollar (plus 7 Prozent)
- Bereinigter Gewinn je Aktie: 1,34 Dollar
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Konzernchef Enrique Lores setzt auf eine KI-getriebene Wende. Das Sparprogramm sieht Einsparungen von 1,5 Milliarden Dollar vor. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10,5 liegt die Aktie deutlich unter dem historischen Median – ein Zeichen, dass sie möglicherweise unterbewertet ist.
Zwischen Hoffen und Bangen
Die Finanzwelt ist gespalten. Von 45 Analysten raten die meisten zum Halten, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 50 Dollar. Barclays stufte die Aktie jüngst auf „Equal Weight" hoch, mit einem Ziel von 55 Dollar. Die Spannweite reicht von pessimistischen 32 Dollar bis zu optimistischen 100 Dollar.
Vieles spricht dafür, dass die Übernahme in diesem Jahr noch über die Bühne geht – sofern Stripe und Advent ihr Angebot nachbessern. Die entscheidende Frage: Reicht die Offerte, oder pokert PayPal auf eine höhere Bewertung? Die Antwort könnte bereits am 28. Juli fallen.
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