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PayPal-Krise: Neuer Chef Lores plant KI-Umbau gegen Apple Pay

27.05.2026 - 03:14:27 | boerse-global.de

PayPal verliert Marktanteile an Apple Pay und andere Rivalen. CEO Enrique Lores treibt nun eine umfassende Restrukturierung mit Fokus auf Künstliche Intelligenz voran.

PayPal-Krise: Neuer Chef Lores plant KI-Umbau gegen Apple Pay - Foto: über boerse-global.de
PayPal-Krise: Neuer Chef Lores plant KI-Umbau gegen Apple Pay - Foto: über boerse-global.de

PayPal verliert Marktanteile an Apple Pay und andere Konkurrenten – und setzt nun auf eine radikale Neuausrichtung.

Neuer Chef, neue Struktur, neue Strategie

Seit Februar 2026 steht Enrique Lores, ehemaliger HP-Chef, an der Spitze des Zahlungsdienstleisters. Sein Auftrag: den Konzern aus der Stagnation führen. Lores hat bereits reagiert: Er kündigte ein umfassendes Sparprogramm an und teilte das Unternehmen in drei eigenständige Geschäftsbereiche auf. Das Ziel ist klar – Entscheidungen sollen schneller fallen, die Organisation agiler werden.

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Im Zentrum der Neuausrichtung steht die künstliche Intelligenz. Lores will KI massiv in die Abläufe integrieren, von der Betrugserkennung bis zum Kundenservice. Damit folgt PayPal einem trend, der die gesamte Tech-Branche erfasst hat. Erst kürzlich kündigte Intuit den Abbau von rund 3.000 Stellen an, um in KI zu investieren. Meta steckt in diesem Jahr zwischen 125 und 145 Milliarden Euro in KI-Projekte, und Wix baute ebenfalls tausend Stellen ab.

Doch der Umbau hat seinen Preis. PayPal warnte die Anleger bereits: Die Restrukturierungskosten werden die Gewinne im Laufe des Jahres 2026 belasten. Die erhofften Effizienzgewinne ließen sich nicht von heute auf morgen realisieren.

Der Kampf um die Marktführheit

Die Dringlichkeit der Wende zeigt ein Blick auf die Marktdaten. 2019 hielt PayPal noch neun Prozent des digitalen Zahlungsmarkts, Apple Pay kam auf drei Prozent. Inzwischen haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Apple Pay hat den einstigen Marktführer überholt – vor allem bei mobilen und kontaktlosen Zahlungen, wo die nahtlose Integration ins Betriebssystem ein entscheidender Vorteil ist.

Doch Apple ist nicht die einzige Bedrohung. Im E-Commerce setzt Shopify zunehmend auf eigene Zahlungslösungen. Im Bereich „Jetzt kaufen, später zahlen" drängen Klarna und Affirm – letzteres gegründet von PayPal-Mitgründer Max Levchin – in den Markt. Und bei Peer-to-Peer-Zahlungen machen Dienste wie Zelle und Cash App den etablierten Anbietern das Leben schwer, besonders bei jüngeren Nutzern.

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Die Branche konsolidiert sich zudem rasant. Erst am Montag übernahm NMI den Zahlungsdienstleister Dwolla, um die Infrastruktur für direkte Konto-zu-Konto-Zahlungen zu stärken. Das gemeinsame Unternehmen wickelt jährlich ein Volumen von rund 700 Milliarden Euro ab.

Hinzu kommt ein neuer Trend: autonome Zahlungen. Zwischen Mai 2025 und April 2026 führten KI-Agenten rund 176 Millionen Transaktionen durch – der Großteil davon in Stablecoins. Die Konkurrenz schläft nicht.

Die nackten Zahlen

Die Börse hat die Misere längst eingepreist. Die PayPal-Aktie notierte am Montag bei rund 44 Euro – ein Minus von etwa 40 Prozent in den letzten zwölf Monaten und rund 80 Prozent unter dem Pandemie-Höchststand. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 39 Milliarden Euro, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 8,3.

Trotz der tristen Gesamtlage zeigten die Zahlen zum ersten Quartal 2026 Lichtblicke: Der Umsatz stieg um 7,2 Prozent auf 8,35 Milliarden Euro, der Gewinn pro Aktie lag mit 1,34 Euro über den Analystenerwartungen von 1,27 Euro. Viele Analysten bewerten die Aktie weiterhin mit „Halten" und sehen ein Kursziel von rund 56 Euro.

Einige institutionelle Anleger nutzen die niedrigen Bewertungen zum Einstieg. Die Investmentfirma Diversified Investment Strategies etwa stockte ihr PayPal-Paket im vierten Quartal 2025 um fast 28 Prozent auf.

Ausblick: Geduld gefragt

Lores selbst gibt sich realistisch: Der Turnaround werde „mehrere Monate" dauern. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, KI nicht nur in der Compliance, sondern auch in den kundennahen Bereichen zu verankern. Coinbase etwa berichtet, dass KI-gesteuerte Prozesse die Bearbeitungszeit bei Compliance-Prüfungen um bis zu 90 Prozent verkürzt haben.

An der Börse wird spekuliert, ob PayPal weitere Töchter abstoßen könnte. Ein Verkauf oder Börsengang von Venmo oder der Händlerplattform Braintree könnte kurzfristig Werte heben und dem Kerngeschäft mehr Fokus geben.

Die zweite Jahreshälfte 2026 wird zeigen, ob der alte Hase des digitalen Bezahlens noch einmal aufstehen kann – oder ob die Ära der Newcomer endgültig angebrochen ist.

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