Passwortlose Authentifizierung: 13 Mrd. Konten nutzen Passkeys
06.07.2026 - 00:14:44 | boerse-global.de
Experten sehen in der Public-Key-Kryptografie den Schlüssel im Kampf gegen Identitätsdiebstahl und Hackerangriffe.
Banken-Sicherheit: Lücken im Schutzsystem
Die Dringlichkeit neuer Sicherheitsstandards zeigte ein spektakulärer Fall aus den USA. Im Mai 2026 erbeuteten Kriminelle 30.000 Euro von einem 84-jährigen Bankkunden. Ihr Trick: Sie nutzten gestohlene Zugangsdaten und übernahmen die E-Mail-Adresse des Opfers. Mit Gmail-Filtern versteckten sie die Benachrichtigungen der Bank.
Besonders brisant: Obwohl Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) laut Microsoft 99,9 Prozent aller Kontodiebstähle verhindern kann, machen große US-Institute wie Bank of America, Chase und Citibank diesen Schutz weiterhin nur zur Option – nicht zur Pflicht.
International zeichnet sich ein Umdenken ab. Länder wie Singapur, die Philippinen, Malaysia und Großbritannien drängen auf stärkere Verfahren. Das britische National Cyber Security Centre empfahl im April 2026 offiziell den Umstieg von Passwörtern auf Passkeys.
Krypto-Wallets: Das Problem der verlorenen Schlüssel
Auch die Digitalwährungsbranche setzt auf die neue Technologie. Ein aktueller Bericht zeigt: Rund 20 Prozent aller Bitcoins sind derzeit unzugänglich – ihre Besitzer haben die privaten Schlüssel oder Seed-Phrasen verloren. 35 Prozent aller Krypto-Nutzer haben bereits einmal den Zugriff auf ein Wallet verloren, 31 Prozent davon dauerhaft.
Neue Wallet-Modelle ersetzen nun die komplizierten Seed-Phrasen durch biometrische Authentifizierung. Entwickler nutzen Threshold-Signaturen und On-Chain-Verifikation, um technische Hürden zwischen verschiedenen Kryptosystemen zu überbrücken. Die schnellste Verbreitung findet diese Technologie auf Bitcoin-Layer-2-Plattformen.
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Tech-Giganten und Hardware-Hersteller ziehen mit
Die großen Digitalkonzerne haben längst die Weichen gestellt. Bereits 2025 unterstützten über 13 Milliarden Konten die Passkey-Technologie. Google, Apple, Amazon und PayPal sind an Bord – Google machte Passkeys 2024 sogar zur Standardeinstellung für neue Konten.
Der Unternehmenssektor folgt. Angesichts von 39 Prozent aller Sicherheitsverletzungen durch gestohlene Zugangsdaten investieren Firmen massiv. Hardware-Hersteller wie Kensington bringen spezielle Sicherheitsschlüssel auf den Markt. Die neuen VeriMark NFC+ Keys kosten rund 100 Euro und bieten FIDO2-Unterstützung für Plattformen wie Microsoft 365, AWS und Salesforce.
Hürden auf dem Weg zur Passwortfreiheit
Der Übergang bleibt herausfordernd. Eine Studie von 2025 ergab: 34 Prozent der Nutzer scheiterten beim Einloggen, wenn sie Passkeys plattformübergreifend verwenden wollten. Auch Sicherheitslücken in der Übergangsphase wurden entdeckt – etwa eine Schwachstelle im Joomla Core, die Angreifern Zugriff gewähren könnte.
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Kritiker warnen zudem vor einer neuen Abhängigkeit: Synchronisierte Passkeys über Cloud-Dienste von Apple oder Google könnten zu einem Vendor-Lock-in führen. Wer seine Sicherheitsdaten einem einzigen Ökosystem anvertraut, riskiert den Verlust beim Anbieterwechsel.
Sicherheitsexperten empfehlen daher: Unternehmen sollten Notfallstrategien entwickeln – etwa hardwaregebundene Backup-Schlüssel oder Wiederherstellungscodes – bevor sie alte Passwortsysteme komplett abschalten.
