Passwortlos-Offensive, Microsoft

Passwortlos-Offensive: Microsoft, Google und OpenAI erzwingen Umstieg

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 06:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tech-Konzerne und Aufsichtsbehörden treiben den Wechsel zu Passkeys voran. Unternehmen müssen bis 2027 umstellen.

Passkeys: Microsoft, Google und OpenAI forcieren passwortlose Zukunft
Digitale Illustration leuchtender Passkey-Symbole, die mit verschiedenen Plattformen verbunden sind und sichere, passwortlose Authentifizierung sowie Datenschutz symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Microsoft, Google und OpenAI treiben den Umstieg auf passwortlose Sicherheit massiv voran. Weltweit sind bereits über fünf Milliarden Passkeys im Einsatz.

Die Ära der klassischen Passwörter neigt sich endgültig dem Ende zu. Gleich mehrere Tech-Konzerne und Finanzaufsichtsbehörden haben im Juli 2026 weitreichende Maßnahmen angekündigt, um die Authentifizierung grundlegend zu verändern. Während Verbraucher Passkeys bereits zunehmend nutzen, hinkt die Einführung in Unternehmen noch hinterher – das soll sich nun ändern.

Microsoft und Google verschärfen Sicherheitsstandards

Microsoft bereitet sich darauf vor, Passkeys zur Standard-Authentifizierungsmethode in Entra ID zu machen. Der Konzern zieht damit die Konsequenz aus seiner langfristigen Strategie, unsichere Verfahren abzuschaffen. Bereits zum 1. Februar 2027 stellt Microsoft die Unterstützung für SMS- und sprachbasierte Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) ein.

Für Unternehmen mit Windows 11 gibt es eine weitere Neuerung: Eine registry-basierte Richtlinie gewährt künftig automatisch Single Sign-On (SSO)-Berechtigungen. Das soll lästige Zustimmungsdialoge im Europäischen Wirtschaftsraum überflüssig machen.

Google zieht parallel nach. Der Suchmaschinenriese hat FIDO2-Sicherheitsschlüssel und telefonbasierte Passkeys in den Google Credential Provider für Windows (GCPW) integriert. Workspace-Nutzer können sich damit künftig phishing-resistent an Windows-Rechnern anmelden. Administratoren erhalten die Möglichkeit, strenge Zwei-Faktor-Regeln für die gesamte Firmenhardware durchzusetzen.

OpenAI setzt auf Hardware-Schlüssel für KI-Modelle

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Noch einen Schritt weiter geht OpenAI. Das Unternehmen verlangt ab 1. September 2026 von allen Teilnehmern seines Trusted Access for Cyber-Programms den Einsatz hardwaregestützter Passkeys. Nur so sollen sensible KI-Modelle vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.

OpenAI, das kürzlich der FIDO Alliance beigetreten ist, arbeitet dabei mit Yubico zusammen. Der Sicherheitsspezialist liefert maßgeschneiderte Sicherheitsschlüssel für das Programm. Die Botschaft ist klar: Wer an die wertvollsten digitalen Assets will, muss physische Sicherheitstoken vorweisen.

Asien setzt neue Maßstäbe – Deutschland sollte aufmerken

Während Europa noch über die Zukunft der Authentifizierung diskutiert, schreiten asiatische Regulierungsbehörden zur Tat. Die Hongkonger Wertpapieraufsicht (SFC) hat im Juli 2026 per Rundschreiben die Nutzung von Einmalpasswörtern (OTPs) für Login und Gerätebindung bei Internetbrokern und krypto-Handelsplattformen verboten. Bis zum 8. Juli 2027 müssen Finanzinstitute auf phishing-resistente Alternativen wie Passkeys umstellen. Hintergrund: Ein Anstieg der Phishing-Vorfälle um 27 Prozent allein im Jahr 2025.

In Indien hat die Zentralbank (RBI) digitale Zahlungsdienstleister verpflichtet, bis zum 1. April 2026 mindestens einen dynamischen Authentifizierungsfaktor einzusetzen. Visa reagierte prompt und startete im Juli 2026 seinen Payment Passkey Service in Partnerschaft mit der IDFC First Bank. Mastercard hatte bereits 2024 einen ähnlichen Dienst in der Region eingeführt.

Singapur treibt derweil seine nationale digitale Identität voran. Der Dienst Singpass unterstützt nun Passkeys für iPhone-Nutzer; eine Android-Version soll folgen. Die Technologie setzt auf geräteeigene Verschlüsselungsschlüssel und Bluetooth-basierte Näherungsprüfungen. Das ist dringend nötig: Phishing-Betrug verursachte 2025 in Singapur Schäden von umgerechnet rund 37 Millionen Euro.

Neue Angriffswelle: Kriminelle zielen auf Passkey-Registrierung

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Doch der Umstieg birgt auch Risiken. Sicherheitsforscher haben neue Angriffsmethoden identifiziert, die genau die Übergangsphase ausnutzen. Seit April 2026 häufen sich Vishing-Kampagnen (Sprach-Phishing) einer Gruppe namens Pink. Die Angreifer rufen gezielt Microsoft 365- und Entra ID-Nutzer an und versuchen, sie zur Registrierung eines fremden Geräts zu bewegen.

Die Sicherheitsfirma Proofpoint warnte zudem im Juli 2026 vor Angreifern, die OAuth-Client-IDs in Microsoft Entra ID fälschen. Mit über 700.000 gefälschten IDs haben sie mehr als eine Million Konten angegriffen – und das ohne Spuren in den Anmeldeprotokollen zu hinterlassen.

BSI warnt: Biometrie nicht immer ausreichend geschützt

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schlägt Alarm. Biometrische Daten von Windows Hello for Business sind demnach nur dann vollständig geschützt, wenn der Enhanced Sign-in Security (ESS)-Modus aktiv ist. Fehlt dieser, können lokale Administratoren unter Umständen auf die biometrischen Vorlagen zugreifen und diese entschlüsseln.

Sicherheitsexperten empfehlen Unternehmen daher, die Passkey-Registrierung auf firmeneigene IP-Adressen zu beschränken und die Protokolle gezielt auf fehlende Anwendungsnamen zu überwachen. Nur so lassen sich die zunehmend ausgeklügelten Identitätsangriffe abwehren.

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