Passwort-Ende: Microsoft, Google und Salesforce erzwingen Passkeys
05.06.2026 - 09:23:24 | boerse-global.de
Die Unternehmen ersetzen traditionelle Zugangsdaten durch sogenannte Passkeys – kryptografische Schlüssel, die direkt auf dem Gerät des Nutzers gespeichert sind und gegen Phishing-Angriffe immun sein sollen.
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Microsoft schaltet Master-Passwort im Edge-Browser ab
Seit dem 4. Juni 2026 hat Microsoft die Option für ein individuelles Master-Passwort im Edge-Browser entfernt. Der integrierte Passwort-Manager setzt nun ausschließlich auf Windows Hello – also Gesichtserkennung oder Fingerabdruck – oder gerätebezogene PINs. Der Grund: Biometrische Daten verlassen niemals die lokale Hardware, wodurch das Risiko gestohlener oder abgefischter Master-Passwörter entfällt.
Parallel dazu hat Google am 1. Juni 2026 den Rollout von Play Services Version 26.21 gestartet. Die Neuerung: Android-Nutzer können Passkeys und Passwörter jetzt verschlüsselt zwischen dem Google Password Manager und Diensten wie Bitwarden, 1Password, Dashlane oder Apples Ökosystem übertragen. Möglich macht dies das FIDO Alliance Credential Exchange Protocol (CXP). Bisher waren dafür unverschlüsselte CSV- oder JSON-Exporte nötig.
Salesforce zwingt Unternehmen zur Umstellung
Auch in der Geschäftswelt nimmt die Entwicklung Fahrt auf. Salesforce hat eine gestaffelte Pflicht zur phishing-resistenten Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) angekündigt. Systemadministratoren müssen bis zum 1. Juli 2026 auf FIDO2-Passkeys oder biometrische Verfahren umstellen. Für alle übrigen Nutzer gilt die Pflicht ab dem 20. Juli 2026.
Die Umstellung folgt einem klaren Branchentrend. Eine Studie von Keeper Security zeigt: 80 Prozent der Unternehmen haben Passkeys bereits eingeführt oder planen dies konkret. Keeper selbst hat diese Woche neue biometrische Login-Funktionen für seine Chrome- und Edge-Erweiterungen gestartet, die auf FIDO2 und WebAuthn setzen.
Meta wiederum bündelt seine Sicherheitsinfrastruktur. Der Konzern plant ein einheitliches Meta-Konto für Facebook, Instagram und Threads, das Passkeys für den Single-Sign-On (SSO) und zentrales Sicherheitsmanagement nutzt.
KI-Würmer und Phishing-Plattformen: Die Bedrohung wächst
Der branchenweite Umstieg auf Passkeys ist vor allem eine Reaktion auf die zunehmende Schwäche passwortbasierter Systeme. Forscher der University of Toronto und des Vector Institute haben kürzlich adaptive Computerwürmer identifiziert. Diese KI-gesteuerten Bedrohungen nutzen große Sprachmodelle, um auf infizierten Rechnern maßgeschneiderte Exploits zu entwickeln. In Tests konnten sie sich auf 66 Prozent eines kontrollierten Netzwerks verbreiten.
Die Dimension des Problems unterstreichen weitere Zahlen:
- Eine YouGov-Umfrage im Auftrag des eco-Verbands zeigt: 74 Prozent der Menschen halten ihre Passwörter für sicher – aber nur 32 Prozent nutzen tatsächlich Passkeys.
- Das Bundeskriminalamt verzeichnete für 2025 einen Anstieg des Betrugs mit Konten und Zahlungskarten um fünf Prozent auf rund 96.400 Fälle.
- Branchenanalysten zufolge stehen kompromittierte Zugangsdaten hinter rund 80 Prozent aller Datenlecks.
- Die Phishing-as-a-Service-Plattform Kali365, die seit April 2026 aktiv ist, hat bereits erhebliche finanzielle Schäden verursacht, indem sie große Cloud-Anbieter imitierte.
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Warum Passkeys die sicherere Alternative sind
Experten des eco-Verbands und des Hasso-Plattner-Instituts betonen: Passwörter bleiben eine der größten Sicherheitslücken. Passkeys hingegen lassen sich nicht erraten, werden nicht auf verschiedenen Diensten wiederverwendet und sind immun gegen Server-Leaks – denn der private Schlüssel verlässt niemals das Gerät des Nutzers.
Zwar bleibt die passwortbasierte Authentifizierung vielerorts noch als Fallback erhalten. Doch die FIDO Alliance meldet, dass bereits rund 15 Milliarden Konten zu Beginn des Jahres 2026 Passkey-Technologie unterstützten. Plattformen wie Proton Pass bauen ihren Open-Source-Support for diese Schlüssel weiter aus. Die Branche rechnet damit, dass Passkeys sich sowohl für private als auch für berufliche digitale Identitäten zum Standard entwickeln.
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