Password-Spraying: Angriffe um 155-Faches gestiegen, MFA umgangen
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 20:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsanalysten beobachten eine drastische Verschärfung der Bedrohungslage im Bereich der Identitätsdiebstähle. Wie aus aktuellen Untersuchungen von Huntress Labs hervorgeht, sind die Zahlen für sogenannte Password-Spraying-Angriffe in der ersten Jahreshälfte 2026 massiv angestiegen.
Demnach verzeichnete das Unternehmen im Vergleich zu früheren Zeiträumen eine Zunahme dieser Angriffsform um das 155-Fache. Besonders kritisch bewerten die Experten den Umstand, dass die Angreifer dabei gezielt Schwachstellen innerhalb von Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA) ausnutzen.
Koordinierte Kampagne gegen Microsoft Azure CLI
Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Analyse ist eine großflächige Angriffswelle, die sich Mitte Juni 2026 gegen das Microsoft Azure CLI (Command-Line Interface) richtete. Innerhalb eines Zeitfensters von nur zwei Wochen identifizierten die Forscher rund 81 Mio. Login-Versuche. Diese massive Operation führte laut den vorliegenden Daten zu insgesamt 78 erfolgreichen Kompromittierungen von Benutzerkonten.
Das Vorgehen der Akteure basierte auf der Strategie, mit gängigen Passwörtern gegen eine Vielzahl von Accounts gleichzeitig vorzugehen, um bei einer statistisch relevanten Anzahl von Konten Zugriff zu erhalten. Die hohe Erfolgsquote bei der Umgehung von Sicherheitsbarrieren deutet auf systematische Schwachstellen in der Konfiguration der betroffenen IT-Umgebungen hin.
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Sicherheitslücken durch veraltete Authentifizierungsprotokolle
Die technische Auswertung der Vorfälle durch Huntress Labs ergab, dass die Angreifer primär eine Schwachstelle im Zusammenhang mit dem sogenannten ROPC-Legacy-OAuth-Grant (Resource Owner Password Credentials) ausnutzten. Hierbei handelt es sich um eine veraltete Methode zur Token-Vergabe, die in modernen Sicherheitsarchitekturen zunehmend als Risiko gilt.
Das Kernproblem bestand darin, dass die Multi-Faktor-Authentifizierung bei der Nutzung dieses spezifischen ROPC-Verfahrens nicht greifen konnte. Die Sicherheitsmechanismen waren für diesen Zugriffsweg nicht abgedeckt, wodurch die zusätzliche Bestätigung durch den rechtmäßigen Nutzer entfiel. Dies ermöglichte es den Angreifern, trotz vorhandener MFA-Infrastruktur allein mit den korrekten Anmeldedaten in die Systeme einzudringen.
Betroffene Unternehmen und Infrastrukturen
Von der untersuchten Angriffsserie waren insgesamt 23 Unternehmen betroffen. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Vorfälle zeigt ein geteiltes Bild der Sicherheitslage in den betroffenen Organisationen: Bei acht der kompromittierten Firmen war zum Zeitpunkt des Angriffs überhaupt keine Multi-Faktor-Authentifizierung implementiert.
Bei den übrigen 15 Unternehmen war MFA zwar grundsätzlich im Einsatz, bot jedoch aufgrund der technischen Lücke beim ROPC-Verfahren keinen wirksamen Schutz.
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Diese Zahlen verdeutlichen nach Ansicht der Sicherheitsforscher, dass die bloße Existenz einer Mehrfaktor-Authentifizierung nicht ausreicht, wenn gleichzeitig unsichere Legacy-Protokolle den Zugriff auf Unternehmensressourcen ohne zusätzliche Absicherung ermöglichen.
Die aktuelle Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit für IT-Verantwortliche, veraltete Schnittstellen konsequent zu deaktivieren oder in moderne Sicherheitskonzepte zu integrieren.
