Passkeys, Cornell-Studie

Passkeys: Cornell-Studie deckt kritische Sicherheitslücke auf

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsergebnisse zeigen, dass Passkeys in missbräuchlichen Beziehungen ein Risiko darstellen können, da Angreifer unbemerkt eigene Zugänge hinterlegen können.

Cornell-Studie: Passkeys weisen Sicherheitslücken bei Missbrauch auf
Nahaufnahme eines Fingerabdruck-Scanners an einem modernen Laptop in einem schlichten Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung der Cornell University legt erhebliche Sicherheitsmängel bei der Verwendung von Passkeys offen. Die im Rahmen der 35. Ausgabe des USENIX Security Symposiums in Baltimore vorgestellte Studie zeigt, dass die Technologie in bestimmten sozialen Kontexten, insbesondere bei häuslicher Gewalt, missbraucht werden kann. Angreifer mit physischem Zugriff auf Geräte können demnach unbemerkt eigene Zugangsberechtigungen hinterlegen.

In der Mitte August veröffentlichten Studie mit dem Titel „Maybe There's Only One Passkey?“ weisen Forscher der Cornell University und der University of Toronto auf eine kritische Schwachstelle im Umgang mit der FIDO2-Architektur hin.

Die Untersuchung unterstreicht, dass Passkeys, die eigentlich als sichere Alternative zu herkömmlichen Passwörtern konzipiert wurden, ein erhebliches Risiko für Personen in missbräuchlichen Partnerschaften darstellen können.

Missbrauch durch registrierte Biometrie

Den Ergebnissen zufolge erlaubt es die aktuelle Implementierung von Passkeys, dass ein Angreifer mit temporärem Zugriff auf den Computer und das Passwort eines Opfers einen eigenen Passkey registrieren kann.

Ein zentrales Problem der FIDO2-Architektur besteht darin, dass jeder auf einem Gerät registrierte Fingerabdruck sämtliche auf diesem Gerät hinterlegten Passkeys nutzen kann. Dies bedeutet, dass ein Partner, dessen biometrische Daten einmal im System hinterlegt wurden, vollen Zugriff auf alle mit Passkeys gesicherten Konten erhält.

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Besonders kritisch bewerten die Autoren der Studie, dass Passkeys einen Passwort-Reset überdauern. In den durchgeführten Tests mit 31 Teilnehmern – darunter Studenten, Anwohner und medizinisches Personal – war die Mehrheit der Probanden nicht in der Lage, einen unbefugt angelegten Passkey zu identifizieren oder dauerhaft zu entfernen.

Die Untersuchung wurde von Alaa Daffalla und Nicola Dell von der Cornell University sowie Thomas Ristenpart von der University of Toronto geleitet. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem durch die National Science Foundation (NSF), den Google Cyber Award und die Clinic to End Tech Abuse (CETA).

Soziale Tragweite und technologischer Kontext

Die Relevanz dieser Sicherheitslücke wird durch statistische Daten verdeutlicht: Jährlich sind laut der Studie etwa 10-12 Millionen Amerikaner von Partnergewalt betroffen. Dabei melden rund 97 Prozent der entsprechenden Hilfsprogramme in den USA Fälle von technologischem Missbrauch.

Die Forscher warnen davor, dass die einfache Handhabung von Passkeys in diesen Fällen zulasten der Sicherheit geht, da die Betroffenen oft keine Kontrolle darüber haben, welche biometrischen Merkmale den Zugriff auf ihre digitalen Identitäten autorisieren.

Parallel auftretende Datenschutzprobleme in der Branche

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Zeitgleich zu den Erkenntnissen über Passkeys geraten auch andere Sicherheitsfunktionen großer Technologieanbieter unter Druck. So wurden in der Branche Berichte über Schwachstellen in Apples iCloud Private Relay bekannt.

Sicherheitsforscher entdeckten Lecks, durch die IP-Adressen und DNS-Server trotz aktiver Verschlüsselung einsehbar blieben. Betroffen seien alle Apple-Plattformen sowie verschiedene Browser unter iOS. Ein Patch hierfür wird für den Herbst 2026 erwartet.

In diesem Zusammenhang sieht sich Apple zudem mit Sammelklagen in den USA konfrontiert. Die Kanzlei Clarkson Law Firm wirft dem Unternehmen unter anderem Betrug und irreführende Werbung vor, da Funktionen wie „E-Mail-Adresse verbergen“ die originalen Adressen teilweise preisgegeben hätten. Diese juristischen Auseinandersetzungen folgen auf frühere Verfahren, in denen Apple bereits 250 Millionen US-Dollar im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen bei Siri zahlte.

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass sowohl hardwarebasierte Authentifizierungsmethoden als auch softwareseitige Privatsphäre-Dienste zunehmend auf ihre Praxistauglichkeit unter realen Bedrohungsszenarien geprüft werden müssen. Experten raten Nutzern in sensiblen Umgebungen vorerst zur Verwendung von System-VPNs und einer strengen Kontrolle hinterlegter biometrischer Daten.

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