Passkey-Revolution, GMX

Passkey-Revolution: GMX und Web.de sichern 38 Millionen Konten

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 21:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GMX und Web.de aktivieren Passkeys für 38 Millionen Nutzer. Auch Google, Microsoft und Telegram forcieren den Abschied vom klassischen Passwort.

GMX, Web.de & Co.: Der Siegeszug der Passkeys beschleunigt sich
Nahaufnahme einer modernen biometrischen digitalen Scanneroberfläche für sichere passwortlose Authentifizierung. Illustration mit AI erstellt.

Der globale Abschied vom klassischen Passwort nimmt rasant Fahrt auf. Nachdem allein 2025 rund 16 Milliarden Zugangsdaten gestohlen wurden, setzen nun immer mehr Anbieter auf passwortlose Authentifizierung. Allen voran: GMX und Web.de mit einer riesigen Nutzerbasis im deutschsprachigen Raum.

GMX und Web.de: 38 Millionen Konten werden sicherer

Am 23. Juli 2026 aktivierten die United-Internet-Marken GMX und Web.de die Passkey-Unterstützung für rund 38 Millionen Konten. Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz können ihre E-Mail-Konten künftig per Fingerabdruck, Gesichtsscan oder Geräte-PIN entsperren. Die Technologie basiert auf dem FIDO2-Standard: Ein privater Schlüssel bleibt lokal auf dem Gerät gespeichert und wird niemals an die Server des Anbieters übertragen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt genau diese phishing-resistenten Verfahren bereits seit 2024. Branchenkenner sehen in der Einführung einen wichtigen Schritt: Zwar bleiben Passwörter als Backup-Option erhalten, doch der Login per Biometrie soll den Alltag erleichtern und Konten gegen Datendiebstahl härten.

Google und Microsoft: Neue Sicherheitsfeatures für Unternehmen

Auch die großen Tech-Konzerne ziehen nach. Google hat in den vergangenen Tagen sein Sicherheitsökosystem deutlich erweitert. Der Google Credential Provider for Windows (GCPW) integriert nun FIDO2-Sicherheitsschlüssel und Handy-basierte Passkeys. IT-Administratoren können damit eine Zwei-Faktor-Authentifizierung direkt am Windows-Anmeldebildschirm erzwingen – ein entscheidender Vorteil für Google-Workspace-Umgebungen.

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Parallel dazu hat Google die native Unterstützung für Drittanbieter-Passkeys im Chrome-Browser ausgebaut. Ein Trend, der sich branchenweit abzeichnet: 87 Prozent aller Organisationen setzen inzwischen auf Passkey-Technologie, um ihre Infrastruktur abzusichern.

Microsoft hatte bereits Ende September 2023 mit Windows Hello allgemeine Passkey-Unterstützung eingeführt. Und DigiCert ermöglicht seit Dezember 2021 zertifikatsbasierte Authentifizierung für Windows Hello for Business auf hybriden Azure-AD-Geräten – ein wichtiger Baustein für automatisierte Workflows in Unternehmen.

Singapur und Telegram: Staat und Messenger ziehen nach

Auch staatliche Stellen setzen auf die neue Technologie. Singapur hat kürzlich Singpass-Passkeys eingeführt, um Phishing-Angriffe zu bekämpfen. Das Prinzip: Der Passkey ist kryptografisch an die legitime Login-Domain gebunden – gibt ein Nutzer seine Daten auf einer betrügerischen Seite ein, funktioniert die Authentifizierung schlichtweg nicht. Die Funktion wird zunächst für iPhone-Nutzer ausgerollt, Android soll folgen.

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Im privaten Sektor hat Telegram ein Passkey-Login-System eingeführt, das die herkömmliche SMS-Verifikation ablöst. Nutzer können die Funktion in den Privatsphäre-Einstellungen aktivieren – benötigen dafür allerdings einen kompatiblen Passwort-Manager.

Zertifikate und Standards: Die Branche stellt sich neu auf

Die Umstellung auf passwortlose Verfahren zeigt sich auch in offiziellen Richtlinien. Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) erlaubt nun synchronisierbare Passkeys auf der Sicherheitsstufe AAL2 gemäß SP 800-63B. Die großen Sicherheitszertifizierungen CISSP, CISM und CCSP haben ihre Lehrpläne aktualisiert und prüfen nun Kenntnisse zu FIDO2 und WebAuthn.

Während Open-Source-Initiativen wie die Modular Open-Source Identity Platform (MOSIP) von verschiedenen Ländern für nationale Identitätssysteme genutzt werden, bleiben Sicherheitsexperten klar: Passkeys sind derzeit der beste Schutz gegen zunehmend raffinierte Deepfake- und Phishing-Angriffe. Alternative Verfahren wie Video-Selfie-Backups werden zwar erforscht, gelten aber noch nicht als gleichwertig.

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