Parodontitis, Zahnfleischentzündung

Parodontitis: Zahnfleischentzündung verdoppelt Nierenschaden-Risiko

02.07.2026 - 19:09:43 | boerse-global.de

Eine Analyse der Hamburg City Health Study belegt einen unabhängigen Zusammenhang zwischen schwerer Parodontitis und eingeschränkter Nierenfunktion.

Parodontitis-Studie: Schwere Zahnfleischentzündung schädigt die Nieren
Parodontitis - Ein detailliertes Bild eines menschlichen Nierenmodells, das mit zahnähnlichen Strukturen verwoben ist, um die Verbindung zu symbolisieren. 02.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das belegt eine Analyse der Hamburg City Health Study mit über 6.000 Teilnehmenden. Veröffentlicht wurde die Studie im April 2026 im International Journal of Oral Science.

Parodontitis als Risikofaktor für die Nieren

Die Forscher fanden eine unabhängige Verbindung zwischen schwerer Parodontitis und eingeschränkter Nierenfunktion. Während nur 14 Prozent der Menschen mit gesunden Nieren an schwerer Parodontitis leiden, sind es bei Patienten mit moderat eingeschränkter Nierenleistung 36 Prozent.

Entzündungsprozesse spielen dabei eine Schlüsselrolle. Der Entzündungsmarker hsCRP erklärt rund 35 Prozent des Zusammenhangs mit der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) – dem zentralen Maß für die Nierenleistung. Bei der Albuminurie, einem weiteren Indikator für Nierenschäden, sind es etwa 10 Prozent.

Große diagnostische Lücke bei Nierenerkrankungen

Die bundesweite NAKO-Gesundheitsstudie offenbart ein weiteres Problem: Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung. Bei über 35.000 Urinproben wiesen 17,5 Prozent auffällige Werte auf – aber nur 4 Prozent der Betroffenen hatten eine Diagnose.

Noch deutlicher wird die Lücke bei Blutuntersuchungen. In einer Stichprobe von 195.000 Erwachsenen erhielten von rund 5.000 Personen mit auffälligen Werten lediglich 875 eine gesicherte Diagnose.

Finanzielle Hürden mit systemischen Folgen

Wer aus Kostengründen auf Zahnarztbesuche verzichtet, riskiert mehr als Karies. Eine US-Studie der All of Us-Kohorte aus dem Jahr 2026 zeigt: Bei über 90.000 untersuchten Personen ab 55 Jahren gingen finanzielle Versorgungslücken mit höheren Raten an Herzinsuffizienz, Schlaganfällen und Demenz einher.

Die Studienautoren schätzen, dass 2 bis 4 Prozent dieser Erkrankungen vermeidbar wären – wenn die finanziellen Barrieren wegfallen würden.

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Deutschland: Behandlungslücke trotz hohem Bedarf

Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland leiden an schwerer Parodontitis. Doch die Zahl der Neubehandlungen sinkt drastisch. Waren es 2022 noch etwa 120.000 Fälle pro Monat, fiel die Zahl bis 2024 auf rund 78.000.

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) macht dafür die Budgetierung durch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz verantwortlich. Sie fordert, die Parodontitis-Therapie als präventive Früherkennungsleistung gesetzlich zu verankern.

Neue Therapie: Zahnpasta gegen Parodontitis-Bakterien

Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) hat einen neuen Wirkstoff identifiziert: Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat blockiert gezielt das Bakterium Porphyromonas gingivalis – einen Hauptverursacher der Parodontitis.

Das Spin-off PerioTrap hat daraus eine Mikrobiom-Zahnpasta entwickelt. Sie soll das schädliche Bakterium unschädlich machen, ohne die gesunde Mundflora anzugreifen. Die Technologie entstand im Rahmen eines EU-Projekts in Kooperation mit dem Fraunhofer IMWS.

Fischöl senkt Herzrisiko bei Dialysepatienten

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Auch für Patienten mit fortgeschrittenen Nierenschäden gibt es neue Erkenntnisse. Eine Studie der Charité Berlin mit 1.200 Dialysepatienten untersuchte die Wirkung von Fischöl. Das Ergebnis: Die tägliche Einnahme von 1,5 Gramm senkte das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle über 18 Monate um 43 Prozent.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertete die Qualität der Untersuchung als hoch. Eine weitere großangelegte Studie mit 5.000 Patienten ist bereits in Planung.

de | wissenschaft | 69675219 |