Parodontitis, Zahnfleischentzündung

Parodontitis: Zahnfleischentzündung verdoppelt Herzinfarktrisiko

29.05.2026 - 05:22:56 | boerse-global.de

Aktuelle Forschung belegt: Zahnfleischentzündungen erhöhen Risiko für Herzkrankheiten und Alzheimer deutlich.

Parodontitis: Zahnfleischentzündung verdoppelt Herzinfarktrisiko - Foto: über boerse-global.de
Parodontitis: Zahnfleischentzündung verdoppelt Herzinfarktrisiko - Foto: über boerse-global.de

Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Frühjahr 2026 zeigen: Parodontitis verdoppelt nahezu das Herzinfarktrisiko und könnte Alzheimer auslösen.

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Parodontitis als stiller Risikofaktor

Eine Metaanalyse vom 25. Mai 2026 belegt den systemischen Schaden chronischer Entzündungen im Mund. Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit steigt bei betroffenen Patienten um das 1,14- bis 2,2-Fache. Hauptverantwortlich ist das Bakterium Porphyromonas gingivalis. Es fördert die Verkalkung der Arterien.

Auch das Gehirn leidet mit. Untersuchungen zeigen: P. gingivalis könnte das Alzheimer-Risiko um mehr als das Sechsfache erhöhen. Forscher wiesen das Bakterium bereits in Gehirngeweben von Patienten nach. Sie identifizierten zudem Signalwege wie NOX4/PPAR-?/PGC-1?, die in Mikrogliazellen eine sogenannte Ferroptose auslösen können – ein programmierter Zelltod, der Nervenzellen schädigt.

Mentale Gesundheit beeinflusst die Abwehr

Die Erwartungshaltung entscheidet mit über den Therapieerfolg. Eine Studie in „Translational Psychiatry“ belegt: Patienten mit positiver Einstellung zeigten eine deutlich stärkere Symptomverbesserung.

Digitale Stressfaktoren wirken sich ebenfalls aus. Ein Experiment mit über 72.000 Jugendlichen aus dem deutschsprachigen Raum ergab: Ein dreiwöchiger Verzicht auf problematische Internetnutzung reduzierte depressive Symptome und Schlafstörungen signifikant. Wer psychisch instabil ist, vernachlässigt häufig die Selbstfürsorge – mit Folgen für die Mundgesundheit.

Das Robert Koch-Institut warnt zudem: Bis zu 57 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben eine Unterversorgung mit Vitamin D. Ein Mangel schwächt die Immunabwehr und erhöht die Anfälligkeit für Entzündungen im Mundraum.

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Neue Technologien gegen die Entzündungswelle

Die wirtschaftliche Last ist enorm: Weltweit verursachen Mundkrankheiten Kosten von rund 360 Milliarden Euro jährlich. Neue Ansätze sollen gegensteuern.

Eine Evaluation der App „ParoComPas“ an sieben Universitätskliniken zeigt Erfolge. Bei moderater Nutzung verbesserte sich die Plaque-Kontrolle und die Lebensqualität der Patienten signifikant. Die Ergebnisse liegen seit Anfang Juni 2026 vor.

Das Fraunhofer IZI und das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals melden Fortschritte in der Pharmaforschung. Ein neu entwickelter Wirkstoff blockiert gezielt das Wachstum von P. gingivalis – ohne die gesunde Mundflora anzugreifen. Parallel dazu präsentierte die Lion Corporation Ende Mai 2026 Forschungsergebnisse: Neisseria-Bakterien als nützliche Mikroorganismen können das Wachstum schädlicher Biofilme hemmen.

Prävention rechnet sich

Regelmäßige Vorsorge zahlt sich aus – auch finanziell. Bei Herzpatienten ermöglicht sie jährliche Kostenersparnisse zwischen 510 und 630 Euro. Bei Diabetikern, die laut der sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie besonders häufig unter schwerer Parodontitis leiden, liegen die potenziellen Einsparungen sogar zwischen 840 und 2.650 Euro pro Jahr.

Eine Studie der Hebräischen Universität Jerusalem vom 27. Mai 2026 zeigt: Die Auswirkungen von Parodontitis reichen bis in die Reproduktionsmedizin. Systemische Immunreaktionen können die Eizellqualität beeinträchtigen und die Fruchtbarkeit senken.

Die im März 2026 erschienene 124. Ausgabe der Patienteninformation „ZahnRat“ fokussiert sich daher verstärkt auf präventive Maßnahmen durch Ernährung und Lebensstil. Nur so lässt sich der Kreislauf aus Entzündungen und systemischen Folgeschäden durchbrechen.

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