Parodontitis: Omega-3 und ASS wirken wie Antibiotika
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der Behandlung schwerer Parodontitis rücken entzündungshemmende Wirkstoffkombinationen zunehmend in den Fokus der Forschung. Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren in Kombination mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) bei Patienten mit fortgeschrittener Parodontitis Behandlungserfolge erzielen können, die mit einer klassischen Antibiotikatherapie vergleichbar sind.
Die Studienergebnisse im Überblick
In einer multizentrischen, placebokontrollierten Doppelblindstudie, veröffentlicht im Journal of Periodontology 2026 (DOI: 10.1002/jper.70081), untersuchten Forschende 109 erwachsene Patienten mit Parodontitis im Stadium III oder IV.
Die Teilnehmenden erhielten über sechs Monate entweder 3 Gramm Omega-3-Fettsäuren täglich kombiniert mit 100 Milligramm ASS täglich, ein Antibiotikaregime aus Amoxicillin (500 Milligramm) und Metronidazol (400 Milligramm) dreimal täglich über 14 Tage, oder ein Placebo.
Als Behandlungsendpunkt definierten die Autoren das Erreichen von höchstens vier Stellen mit einer Taschentiefe (PD) von mindestens 5 Millimetern nach einem Jahr. In der Gruppe, die Omega-3 plus ASS erhielt, erreichten 57,7 Prozent der Patienten diesen Endpunkt.
In der Antibiotikagruppe lag der Anteil mit 58,6 Prozent nahezu identisch. Die Placebogruppe blieb mit 23,1 Prozent deutlich zurück, ein Unterschied, den die Studie als statistisch signifikant ausweist (p=0,023).
Kein Zusatznutzen durch Kombination
Ein weiteres zentrales Ergebnis der im Journal of Periodontology 2026 (Band 97, Seiten 1454-1466) veröffentlichten Studie betrifft die Frage, ob sich Omega-3 und ASS zusätzlich zur Antibiotikatherapie vorteilhaft auswirken.
Hier zeigte sich kein Zusatznutzen: Die Kombination aus Omega-3, ASS und Antibiotika brachte gegenüber der alleinigen Antibiotikagabe keine messbaren Vorteile. Die positiven Effekte der entzündungshemmenden Kombinationstherapie hielten den Studienautoren zufolge über sechs Monate nach Ende der Behandlung an.
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Bedeutung für die parodontologische Praxis
Die Ergebnisse werfen ein Licht auf mögliche Alternativen zur systemischen Antibiotikagabe bei schwerer Parodontitis. Angesichts wachsender Sorgen um Antibiotikaresistenzen gewinnt die Frage, ob entzündungshemmende Wirkstoffe wie Omega-3-Fettsäuren und niedrig dosierte ASS ähnliche klinische Ergebnisse erzielen können wie Antibiotika, an Relevanz für die Behandlungsplanung.
Die vorliegende Studie liefert dafür erste belastbare Hinweise, da die Erfolgsraten der beiden Behandlungsarme mit 57,7 Prozent und 58,6 Prozent nahezu deckungsgleich ausfielen und sich beide deutlich von der Placebogruppe mit 23,1 Prozent abhoben.
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Gleichzeitig relativiert das Ergebnis zur fehlenden Zusatzwirkung bei kombinierter Gabe die Annahme, dass sich entzündungshemmende und antimikrobielle Ansätze in jedem Fall gegenseitig verstärken.
Für die parodontologische Praxis bedeutet dies, dass die Wahl zwischen den Therapieansätzen künftig stärker im Einzelfall abgewogen werden könnte, ohne dass eine pauschale Kombination beider Strategien einen belegbaren Mehrwert verspricht.
Weitere Forschung dürfte zeigen, wie sich diese Erkenntnisse in konkrete Behandlungsempfehlungen für Patienten mit den Parodontitis-Stadien III und IV übersetzen lassen.
