Parodontitis, Hohe

Parodontitis: Hohe Blutfettwerte erhöhen Knochenabbau um 32%

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 21:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien verknüpfen Stoffwechselstörungen mit Parodontitis, Leberfett und Immunveränderungen und zeigen mögliche neue Therapieansätze auf.

Neue Studien zeigen Stoffwechsel als Treiber chronischer Entzündung
Mikroskopische Aufnahme zellulärer Strukturen als Symbol für Stoffwechselprozesse und Entzündungsmechanismen. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse verdeutlichen die enge Verknüpfung zwischen dem Stoffwechsel und chronischen Entzündungsprozessen. Insbesondere die Kontrolle metabolischer Risikofaktoren bei Lebererkrankungen sowie die Auswirkungen hoher Blutfettwerte auf die Schwere von Parodontitis stehen im Fokus wissenschaftlicher Analysen.

Die Daten deuten darauf hin, dass molekulare Mechanismen, die durch Stoffwechselstörungen ausgelöst werden, maßgeblich zur Gewebezerstörung und zu systemischen Risiken beitragen.

Molekulare Ursachen für schweren Zahnbettabbau

Forschungen des Tongji-Krankenhauses und der Universität Peking, die im April 2026 veröffentlicht wurden, identifizierten einen direkten Zusammenhang zwischen Hyperlipidämie und dem Verlust von Alveolarknochen bei Parodontitis. Die Studie zeigt, dass erhöhte Blutfettwerte den Signalweg GSK3?/?-TrCP aktivieren und eine sogenannte Ferroptose in Parodontal-Ligament-Stammzellen (PDLSCs) induzieren.

Im Mausmodell konnte durch den Einsatz des GSK3?-Inhibitors SB216763 sowie von Ferrostatin-1 der Knochenabbau signifikant gesenkt werden. Dies könnte einen neuen Therapieansatz für Patienten mit Stoffwechselstörungen darstellen.

Die systemische Relevanz von Zahnbetterkrankungen wird durch einen Umbrella-Review unterstrichen, der Ergebnisse aus zehn systematischen Reviews zusammenfasste. Demnach korreliert eine apikale Parodontitis mit einem um 32 Prozent erhöhten relativen Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Bei der Behandlung schwerer Parodontitis (Stadium III/IV) zeigten klinische Daten zudem, dass alternative Ansätze wirksam sein können: In einer Studie aus dem Jahr 2026 erreichten 57,7 Prozent der Probanden, die sechs Monate lang täglich 3 Gramm Omega-3 und 100 Milligramm ASS einnahmen, einen definierten therapeutischen Endpunkt. Dieser Wert lag auf einem ähnlichen Niveau wie bei einer 14-tägigen Antibiotika-Therapie mit Amoxicillin und Metronidazol (58,6 Prozent).

Strategien zur Reduktion von Leberfett

Im Bereich der Hepatologie liefern neue Untersuchungen Ansätze zur Bekämpfung der Fettleber. Eine Studie der Central South University in China vom August 2026 untersuchte den Wirkstoff Liquiritigenin aus chinesischem Süßholz.

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In Zellversuchen und Tiermodellen verringerte die Substanz die übermäßige Lipidakkumulation in der Leber und steigerte die Lipolyse über die PLIN2-ATGL-Signalübertragung. Die Forscher sehen hierin Potenzial für einen Einsatz als funktionellen Lebensmittelbestandteil.

Ergänzend dazu befasste sich eine Übersichtsarbeit im Journal of Herbal Medicine im Juli 2026 mit Phytocannabinoiden wie CBD, THC und CBG. Diese Stoffe könnten über die Darm-Leber-Achse leberschützend wirken, indem sie nützliche Bakterien wie Akkermansia fördern.

Parallel dazu untersuchte die Justus-Liebig-Universität Gießen die Rolle von Interleukin-13 (IL-13). Die Forscher beobachteten, dass ein Mangel an IL-13 bei Mäusen zu vermehrtem Leberfett und einer beeinträchtigten Fettsäureverbrennung führt. Bei Menschen mit starkem Übergewicht steige der IL-13-Spiegel nach einer Gewichtsabnahme deutlich an.

Langfristige Auswirkungen von Adipositas auf das Immunsystem

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Daten des Universitätsklinikums Leipzig, die im Rahmen einer Fachkonferenz im September 2026 präsentiert wurden, belegen die positiven Effekte einer massiven Gewichtsreduktion. Bei 111 adipösen Probanden, die nach einer bariatrischen Operation innerhalb von 12 Monaten im Mittel 44,5 Kilogramm abnahmen, näherten sich spezifische Monozyten-Subpopulationen wieder den Normalwerten an.

Zuvor war bei Adipositas eine Verschiebung zugunsten intermediärer Monozyten festgestellt worden, ähnlich wie bei rheumatoider Arthritis. Neben dem Gewichtsverlust sanken auch der Langzeitblutzucker (HbA1c) und die Blutfettwerte deutlich.

Allerdings deuten Ergebnisse der Showa Medical University darauf hin, dass einige Veränderungen im Körper persistieren können. In einer Mäusestudie blieben über 50 Prozent der veränderten Spleißmuster in Fettgewebe-Makrophagen auch nach einer Gewichtsabnahme bestehen. Dieser Mechanismus, der teilweise von dem Protein CWC22 abhängt, könnte erklären, warum bestimmte metabolische Risiken trotz Gewichtsverlust verzögert abklingen.

Systemische Verknüpfungen und neue Therapiefelder

Die Forschung rückt auch Autoimmunprozesse in den Fokus der Atherosklerose-Prävention. Eine Studie der LMU München und der Sun-Yat-Sen-Universität vom September 2026 wies nach, dass B-Zellen in atherosklerotischen Gefäßen Autoantikörper gegen Histon 2B bilden. Eine klinische Bestätigung an 495 Personen in Guangzhou zeigte eine positive Korrelation zwischen diesen Antikörper-Titern und der Aortenverkalkung.

Für die Behandlung schwerer entzündlicher Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder systemischer Sklerose werden zudem CAR-T-Zell-Therapien untersucht. Erste klinische Daten, die im September 2026 diskutiert wurden, zeigen anhaltende Remissionen, wobei Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) betonen, dass der Einsatz derzeit noch erfahrenen Zentren und Studien vorbehalten bleiben müsse.

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de | wissenschaft | 70083606 |